Schorndorf

Hat die Kanu-Route noch eine Chance?

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Kanu-Route: Gibt es noch Hoffnung für Remshalden? © maps4news24.com / Gemeinde Remsh

Remshalden. Klar ist: Weinstadt und Waiblingen werden die Kanuroute zur Gartenschau auch ohne Remshalden umsetzen. Aber die schöne, lange Strecke von Winterbach bis Waiblingen ist so nicht möglich. Nachdem der Waiblinger Gemeinderat jetzt dem Projekt zugestimmt hat, äußert der Kanuverband die Hoffnung auf eine Kehrtwende in Remshalden. Und unterfüttert das mit einer Statistik, die ein wichtiges Argument der Bedenkenträger betrifft.

Ein minimaler Pegelstand von 50 Zentimetern (hier geht es zur Grafik), gemessen an der Messstelle in Schorndorf, ist für die Rems zwischen Winterbach und Weinstadt gerade noch so ausreichend, um mit dem Kanu darauf zu paddeln. So ist zumindest die Erfahrung von denen, die die Strecke immer wieder getestet haben (siehe auch „Stechpaddel“). Zwar gibt es bei einem Pegelstand von 50 Zentimetern in Schorndorf flussabwärts immer wieder auch Stellen, an denen das Kanu in flacheren Gewässern etwas aufsitzt. Aber das sind, wie Uwe Rith, der für den Bundesverband Kanu spricht und der mit seinen „Zugvögeln“ auch Touren auf der Rems anbietet, nur wenige Stellen.

Rith macht sich nach der Mehrheitsentscheidung des Waiblinger Gemeinderats für die Kanuroute stark dafür, dass auch in Remshalden noch einmal über die Ablehnung des Projekts nachgedacht wird. Aus Waiblingen, so Rith, „strahlt hoffentlich ein Signal nach Remshalden aus, damit die Route in Winterbach beginnen kann“, sagt Rith über die Waiblinger Entscheidung.

Als Beleg dafür, dass Bedenken wegen zu wenig Wasser in der Rems unangebracht sind, führt der Kanu-Touristiker Zahlen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz ins Feld. Diese zeigen: In den vergangenen Jahren seit 2009 gab es im Zeitraum zwischen Juni und September verhältnismäßig wenige Tage, an denen der Pegel der Rems unter die kritischen 50 Zentimeter fiel. Die Wochen zwischen Mitte Juni und September sind die, in denen den Gartenschau-Plänen nach Kanufahren in einem organisierten Rahmen auf der Rems stattfinden soll – wobei das Ende noch offen ist. Die Marke Mitte Juni ist jedoch durch den Naturschutz und die Laichzeiten der Fische definiert. Eine Festlegung auf einen Maximalpegel gibt es noch nicht. Die Frage, ab wann zu viel Wasser in der Rems ist, wann es also zu riskant wird, dort zu paddeln, hängt auch davon ab, um welche Zielgruppe es geht: Familien mit Kindern oder erfahrene Kanuten.

Theoretisch kann man die Rems ganzjährig mit dem Kanu befahren

Neben dem Naturschutz waren die Zweifel an den fürs Kanu-Fahren nötigen Wasserständen ein Argument der Gegner des Projekts im Remshaldener Gemeinderat. Sie sahen die Verhältnismäßigkeit des finanziellen Aufwands angesichts weniger Wochen Kanu-Spaß nicht gegeben. Dabei sagt auch der Erste Bürgermeister von Weinstadt, Thomas Deißler: Kanu fahren könne man theoretisch das ganze Jahr über auf der Rems. Nur für die geführten Touren im Rahmen der interkommunal ausgewiesenen Route, für die wolle man Einschränkungen festlegen. Sprich: Die Umtragungsstellen, die auf Remshaldener Gemarkung an den Rems-Wehren gebaut würden, würden das Paddeln ganz allgemein ermöglichen, nachhaltig, unabhängig von der Gartenschau.

Der Remshaldener Bürgermeister Stefan Breiter ist jedoch skeptisch, dass der Gemeinderat sich noch mal neu auf das Thema einlässt. „Ich will nichts ausschließen“, sagt er. Aber letztendlich gebe es eben das demokratische Votum durch Mehrheitsentscheidung des Rats. Und: „Ich spüre nicht, dass es ein Umdenken gibt.“ Persönlich, sagt Breiter, finde er die Absage an das Projekt „sehr schade“. Zwar sei die Botschaft, die Remshalden aussende, „fatal“ für den interkommunalen Gedanken. Aber die Gemeinderäte, die gegen die Kanuroute waren, hätten ihre Gründe dafür gehabt und seien überzeugt von ihrer Haltung gewesen. „Ich denke, deswegen geht auch die Gartenschau nicht unter“, meint Breiter. Remshalden stehe auch ohne Kanu-Route dazu.

Uwe Rith sagt, für ihn sei die Sache eine „Herzensangelegenheit“. Klar, gibt er zu, er sei als „Lobbyist“ für die Sache des Kanu-Tourismus unterwegs. Aber als Rentner, der nicht abhängig von Einnahmen aus Touren auf der Rems sei, spiele in dieser Angelegenheit für ihn finanzielles Denken keine Rolle. Aus seiner Sicht profitieren die Gemeinden touristisch und wirtschaftlich vom Angebot einer Kanu-Route. „Es gibt Leute, die fahren stundenlang, um auf einem Fluss paddeln zu können.“ Die würden dann auch mal an die Rems kommen, ist Rith überzeugt.

„Sicher, die Rems ist kein Highlight von Europas Flüssen“, sagt er. Aber dennoch könne eine Paddeltour dort wunderschön sein. Man erlebe den Fluss ganz anders als von den zugewachsenen Ufern aus. Dass das keine Investition wert sei, „das sagen nur Leute, die noch nie auf der Rems gefahren sind“.


Kanu-Route und mögliche Kosten

Das ursprüngliche Konzept der Kanuroute beinhaltete, dass man auf der Rems von Winterbach bis Waiblingen paddeln kann. Dazu sollten auf Remshaldener Gemarkung zwei Ein- und Ausstiegsstellen an den Wehren in Grunbach und Geradstetten gebaut werden. Hier müssten die Kanufahrer aussteigen und das Kanu um die Wehre herumtragen.

Die Baukosten mit Baunebenkosten, die auf Remshalden zugekommen wären, beziffern sich der Kostenschätzung zufolge auf rund 50 000 Euro. Davon hätte die Region Stuttgart mit Fördermitteln voraussichtlich 50 Prozent übernommen. Ökologische Untersuchungen (geschätzt 10 000 Euro) und Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur (noch nicht bezifferbar) wären noch oben draufgekommen.

Der Remshaldener Gemeinderat lehnte das Projekt jedoch mit einer knappen Mehrheit von zehn zu acht Stimmen ab.

Die Grafik zeigt, an wie vielen Tagen pro Jahr durchschnittlich mit einem Pegelstand zu rechnen ist, bei dem die Rems nicht mehr mit dem Kanu befahrbar wäre.

„Stechpaddel“: Die Winterbacher Sicht

In Winterbach hat sich der Kanuclub „Stechpaddel“ dem Kanu-Fahren verschrieben. Er bietet zum Beispiel auch für Kinder kleine Paddeltouren auf der Rems im Ferienprogramm an. Der Vorsitzende Michael Doll findet die Remshaldener Entscheidung „relativ schlecht“. Kanu-Fahren auf der Rems hält er für eine gute Sache und auch von den Wasserständen her durchaus an vielen Tagen für möglich.

Auch Doll sagt: „Ich hoffe, dass noch ein bisschen Diskussion drinbleibt in Remshalden.“ Die Kanu-Route im Rahmen der Gartenschau mit den Fördergeldern sei eine Chance für die Rems. Aus seiner Erfahrung sagt er ebenfalls: Bis zu einem Wasserstand von 50 Zentimetern sei das Befahren durchaus möglich.