Schorndorf

Hitze-Todesfalle: Lassen Sie Ihren Hund nicht im Auto

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Benjamin Kolb und Claudia Dieth von der Polizeihundestaffel Schorndorf erklären erste Hilfe. © Sarah Utz
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Hilfe, holt mich hier raus! Labrador Sammy von Polizist Benjamin Kolb hat sich freundlicherweise als Model zur Verfügung gestellt und – ganz der gut erzogene Vierbeiner – mal kurz die Zunge rausgestreckt, um Hecheln zu simulieren, obwohl er in Wahrheit nicht schmachtete. © Habermann/ZVW
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Benjamin Kolb und Claudia Dieth von der Polizeihundestaffel Schorndorf erklären erste Hilfe. © Sarah Utz
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Benjamin Kolb und Claudia Dieth von der Polizeihundestaffel Schorndorf erklären erste Hilfe. © Sarah Utz
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Benjamin Kolb und Claudia Dieth von der Polizeihundestaffel Schorndorf erklären erste Hilfe. © Sarah Utz

Schorndorf. Ein in der Sommersonne geparktes Auto kann für einen Hund zur „Todesfalle“ werden, sagt Claudia Dieth von der Polizeihundeführerstaffel in Schorndorf. Um so ein im Hitzestau gefangenes Tier zu retten, zückt sie auch mal den Hammer und schlägt die Scheibe ein.

Video: Die Polizei erklärt was im Notfall zu tun ist.

Neulich in Obersontheim: Der Wagen stand auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes – kein Baum, kein Schatten weit und breit. Eine Passantin sah den Hund, der in dem Auto vor sich hin kümmerte, elend hechelnd, dem Kollaps nahe. Als endlich der Hundehalter auftauchte, stellte die Frau ihn zur Rede. Und er: „Halt deine dumme Fresse und geh weiter.“ Jetzt hat er nicht nur ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz an der Backe, sondern auch eines wegen Beleidigung.

Neulich in Murrhardt: anderer Zeuge, anderes Herrchen, anderes Opfer – aber in ähnlich erbarmungswürdigem Zustand. Der Besitzer grantelte: „Ich bin Hundezüchter, ich weiß schon, wie das richtig geht.“ Offenbar nicht.

Neulich in Fellbach: zwei Bulldoggen, schon ganz kirre vor Not. Anwohner riefen die Polizei und schafften Wasser herbei, die Beamten bargen die verstörten Tiere aus dem zum Glück nicht verschlossenen Wagen, brachten die Hitzeopfer in stabile Seitenlage, kühlten die Körper behutsam mit feuchten Tüchern herunter. Irgendwann tauchte die Halterin auf, besah sich das Treiben und schimpfte: Was soll denn das?

„Bilder, die man nicht so schnell vergisst“

Solche Einsätze, sagt Ronald Krötz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, „haben wir jeden Sommer in Massen“. Und Claudia Dieth, Polizeihundeführerstaffel Schorndorf: „Wir hatten schon Fälle, wo ein Hund verendet ist. Das sind Bilder, die man nicht so schnell vergisst.“ Ein Hundehalter sagte: „Ach, wenn ich das gewusst hätte.“

Eine Aufklärungskampagne mit fünf goldenen Regeln

Deshalb startet die Polizei nun eine große Aufklärungskampagne, Dieth und ihre Kollegen in Schorndorf haben einen Flyer erarbeitet, der landesweit verteilt werden soll; alles Wichtige steht drin, vorbildlich übersichtlich und anschaulich aufbereitet. Kernstück: die „fünf goldenen Regeln“ zum Thema „Hund im Pkw“.

Bei Hitze stoßen Vierbeiner rasch an ihre Grenzen

Dieths Mitstreiter Benjamin Kolb beschreibt die doppelte Tücke, die viele Hundehalter unterschätzen. Erstens: Der Mensch kann sich in der Sauna aalen, ohne umzukippen, er hat sich ja nackig gemacht, und jetzt drückt ihm der Schweiß aus allen Poren – der Vierbeiner „kann sich das Fell nicht abziehen“, er schwitzt nur „an Pfotenballen und Nasenflügeln“. Dazu kann er versuchen, die Körperwärme zu senken, indem er hechelt; aber dabei stößt er rasch an Grenzen. Zweitens: Ein im Schatten geparktes Auto hält bei 26 Grad Außentemperatur locker über eine volle Stunde eine moderate Innenwärme von 22 Grad – ist es schutzlos der Sonne ausgesetzt, heizt es sich binnen einer halben Stunde auf 42 Grad auf. Für den Hund bedeutet das bereits Lebensgefahr. Stellen wir uns nun einen prächtigen Sommertag mit 30 Grad vor: Herrchen geht einkaufen, aus der eingeplanten halben wird eine ganze Stunde – und Hasso japst im 55-Grad-Fegefeuer.

Unbedingt die Polizei rufen

Falls ein Passant ein Tier in der Hitzefalle entdeckt, sollte er „unbedingt die 110 anrufen“, empfiehlt Claudia Dieth, „lieber einmal zu oft“. Im Idealfall kann der Anrufer neben dem Standort auch den Zustand des Opfers beschreiben: Schläft es? Gutes Zeichen. Hängt ihm die Zunge bis unters Kinn? Gefahr im Verzug.

Wenn sie einen Hund in solch schlimmer Lage vorfindet und der Besitzer nicht erreichbar ist, zückt Dieth ihr „Nothämmerchen“ und schlägt die Scheibe ein. „Die Kosten trägt der Besitzer.“

Info

Der Info-Flyer „(M)ein Hund im Pkw“ liegt unter anderem in Tierarztpraxen aus und ist abrufbar via www.polizei-bw.de/dienststellen/ppaalen.


5 goldene Regeln

Was müssen Sie beachten, wenn Sie Ihren Hund alleine im geparkten Auto zurücklassen? Die fünf goldenen Regeln der Polizei:

1. Parken Sie Ihr Auto im Schatten! Und bedenken Sie bei der Wahl des Parkplatzes: Die Sonne wandert.

2. Sorgen Sie für Ausreichend Luftzirkulation im Fahrzeug! Es reicht bei weitem nicht, wenn Sie eine einzige Scheibe zwei Zentimeter weit runterlassen. Der Hund braucht einen Luftzug. Sehr empfehlenswert sind Kofferraumabstandshalter, die dafür sorgen, dass die Heckklappe gut spaltbreit offen steht, ohne dass ein Fremder eindringen kann.

3. Stellen Sie einen Napf mit kühlem frischen Wasser bereit! Und zwar so, dass der Hund auch wirklich problemlos dran kommt.

4. Hinterlassen Sie einen Zettel mit ihrer Handynummer im Fahrzeug! Und zwar gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe. Falls Sie Ihre Daten nicht öffentlich auslegen wollen, notieren Sie wenigstens Ihren aktuellen Aufenthaltsort. Dann muss die Polizei nicht die Scheibe einschlagen, sondern kann Sie herbeiholen.

5. Lassen Sie Ihren Hund nur für kurze Zeit allein im Auto.