Schorndorf

Hochwasserschutz: Arbeiten am Rückhaltebecken

1/17
Hochwasserbecken_0
Wegen der Bauarbeiten fließt die Rems derzeit noch am Durchlass- und Entlastungsbauwerk vorbei Richtung Urbach. © Ramona Adolf
2/17
Hochwasserbecken_1
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
3/17
Hochwasserbecken_2
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
4/17
Hochwasserbecken_3
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
5/17
Hochwasserbecken_4
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
6/17
Hochwasserbecken_5
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
7/17
Hochwasserbecken_6
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
8/17
Hochwasserbecken_7
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
9/17
Hochwasserbecken_8
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
10/17
Hochwasserbecken_9
Impressionen von der Großbaustelle. © Ramona Adolf
11/17
_10
Auf der Baustelle herrscht Hochbetrieb.
12/17
_11
Die Rems soll auf 30 Meter verbreitert werden.
13/17
_12
Auch unter der B-29-Brücke wird fleißig gebaut.
14/17
_13
70 Prozent der Kosten zahlt das Land Baden-Württemberg, 30 Prozent zahlen jene Gemeinden, die im Hochwasserfall von dem Becken profitieren würden.
15/17
_14
Spatenstich im Juli 2017. Die Arbeiten beginnen.
16/17
_15
Im September 2017 wurde das Pumpwerk eingeweiht.
17/17
_16

Plüderhausen/Urbach. Die SPD in Plüderhausen will die Bürger mitnehmen, begrüßt Elke Mück vom SPD-Ortsverein Plüderhausen die Neugierigen – und meint dies durchaus wörtlich. Der Ortsverein gewann Hans-Peter Sieg, Technischer Geschäftsführer des Wasserverbands Rems, für eine ausgiebige Besichtigung der, nicht nur was die Erdbewegungen betrifft, beeindruckenden Großbaustelle an der B 29, wo das kleinste und teuerste der Hochwasserrückhaltebecken des Wasserverbandes entsteht, so Sieg.

Ein straffes Programm hat sich Hans-Peter Sieg bei hochsommerlichen Temperaturen ausgedacht, denn er will mit den rund 25 Neugierigen die gesamte Baustelle ablaufen, die wichtigsten Baumaßnahmen, Gebäude und Anlagen zeigen sowie auch die ökologische Sichtweise thematisieren.

Wer Google Maps öffnet, sich das Gebiet anschaut, wo die Rems Urbach und Plüderhausen verbindet, sieht nur eine kleine Baustelle zwischen der Firma Frech und dem Fluss. Doch das Vorflutsicherungspumpwerk ist bereits fertig und wird als Aussichtspunkt genutzt. Von dort oben haben die Teilnehmer einen wunderbaren Blick auf jenes Gebiet, wo die Rems renaturiert wird – beziehungsweise, wo man die Rems fließen und sich Flussbett und Uferbereich ohne große Eingriffe entwickeln lässt. Dort hören die Teilnehmer das Wasser rauschen, die Geräusche der Natur – und das Hämmern, Rattern und Rütteln der Maschinen. Denn anders als Google Maps noch suggeriert, ist das Gebiet zwischen den beiden Gemeinden eine riesige Baustelle.

Lebensräume für Fische, Vögel und Tiere, die am Gewässer leben

Rund 17 Millionen Euro kostet die Baumaßnahme. Derzeit liege man im Kosten- und Zeitrahmen. Die örtlichen Schutzmaßnahmen für Plüderhausen beginnen allerdings erst nach der Remstal-Gartenschau. Während der Schau will die Gemeinde mit der Remsrenaturierung punkten, ohne das Gebiet als touristisches Ausflugsziel in Szene setzen und ausschlachten zu wollen, so Sieg, der immer wieder auf die ökologischen Ziele eingeht. Denn natürlich sind wegen der Bauwerke und der Überbauung von Grünflächen Ausgleichmaßnahmen notwendig. Durch diese Renaturierung beispielsweise sind bessere Lebensräume für Fische, Vögel und Tiere, die am Gewässer leben, entstanden. Steilufer wurden gebildet mit Kanten, so, wie sie der Eisvogel bevorzugt, Ruhezonen wurden eingerichtet für das Teichhuhn und Jungfische, Kiesbereiche sollen besonders laichenden Fischarten zugutekommen. Mit Blick auf die Baumaßnahmen betont Sieg, wie innerhalb des Rückhaltebeckens kleine Biotope entstehen, man schaffe Erholungsgebiete.

An der Rems spielen an diesem Nachmittag zwei Kinder. Früher war der Fluss hier knapp zwölf Meter breit. Nun werde sie sich auf rund 30 Meter verbreitern, schildert Sieg, der das Flussprofil sehr gut kennt: Als Mitarbeiter eines Planungsbüros hatte er in den 90er Jahren noch die letzte Änderung geplant – damals noch unter ganz anderen Voraussetzungen und Vorgaben. Heute spricht er von der „Selbstentwicklung des Gewässers“ auf rund 400 Metern Länge. Es wird auch nachgeholfen: Niedrigwasserrinnen sorgen dafür, dass an vielen Stellen die Rems wieder schneller fließt. Doch die sucht sich dann auch gerne wieder eigene Wege. Bäume wie Neckarschwarz-Pappeln und Büsche wurden gepflanzt. Allerdings haben Unbekannte bereits einige Büsche ausgebuddelt und gestohlen.

Dämme und Mauern solle das Gewerbegebiet schützen

Die mäandernde Rems auf der einen, Hochwasserschutzbauten auf der anderen Seite: Hans-Peter Sieg erläutert, wie hinter diesem natürlichen Bereich bald Dämme und Mauern das Gewerbegebiet „Im Rank“ schützen sollen. So nimmt das große Becken in den Köpfen der Teilnehmer langsam Gestalt an. Dann geht es querfeldein durch ein Feld, die Landwirtschaft bleibt erhalten, in Richtung B 29, wo an den Dämmen gebaut wird. Die Freileitungen auf dem Weg kommen weg, berichtet Sieg, der Gemeinde-Verbindungsweg bleibt hingegen.

Was das Becken teuer macht, ist dass B 29, Gewerbegebiet, Wohnbebauung, beispielsweise an der Seestraße in Urbach, viele Bauwerke bedingen, was viel Geld kostet. „Der Rückhalteraum ist nicht ideal“, sagt Sieg. Aber notwendig. Das kleinste Becken ist das teuerste. Beispiel: Damit ein Strommast beim Schützenhaus in Urbach auch im Falle eines Hochwassers stabil steht, erhielt er für 50 000 Euro ein neues Fundament.

Das Notentlastungsbauwerk ist besonders wichtig für Plüderhausen

Die Gruppe marschiert Richtung B-29-Brücke und Urbacher Bahnhof, wo bald der Seitendamm gebaut wird. Eine Baubehelfsbrücke sorgt dafür, dass Lkw nicht durch Urbach fahren. Weiter führt Sieg zum Notentlastungsbauwerk Richtung Fußballplatz am Schützenhof. Kann das Becken die Massen nicht mehr fassen, würde dort das Wasser abgelassen und über den Sportplatz weiter Richtung Rems fließen. Ansonsten gäbe es einen Rückstau, der Plüderhausen betreffen würde. Abschließend können die Teilnehmer einen Blick auf Durchlass- und Entlastungsbauwerk südlich der B 29 werfen. Über dieses große Bauwerk wird die Rems später reguliert. Damit gebaut werden kann, wurde der Fluss umgeleitet.

Wie schnell dauert es eigentlich, bis so ein Becken voll ist, fragt jemand. Es könne in drei, vier Stunden gefüllt werden, antwortet Hans-Peter Sieg. Oh, denken da viele, das geht aber sehr schnell. Zügig soll das Becken fertiggestellt werden. Während der Bauarbeiten gibt es keinen Schutz. Doch besonders durch Starkregenereignisse nehmen die Hochwassergefahren an der Rems seit Jahren zu. Daher sind weitere Becken in Planung, unter anderem das Hochwasserrückhaltebecken 5 Urbach/Schorndorf.

Bevor es kalte Getränke gibt, wirft die Gruppe noch einen Blick auf das Wehr oberhalb des großen Auslassbauwerks. Dieses soll verschwinden, verrät der Technische Geschäftsführer des Wasserverbandes Rems, bevor die SPD Erfrischungen am Bauwagen serviert. Danach nimmt sie die Besucher wieder mit Richtung Gewerbegebiet, wo bald der Heuseedamm errichtet werden wird. Dort soll ein rund sechs Hektar großes Gewerbegelände entstehen. Wenn das Gebiet hochwasserfrei ist, wollen die Gemeinden derlei Entwicklungsmöglichkeiten natürlich nutzen, weiß Sieg. Nach rund zweieinhalb Stunden ist die Führung zu Ende. Die Teilnehmer schwitzen. Die Bauarbeiter auch. Sie werden freilich noch viele Monate zu tun haben.


Zehnmal so groß

Ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB) ist eine wasserbauliche Stauanlage, deren Hauptzweck die Regulierung der Abflussmenge eines Fließgewässers bei Hochwasser ist. Das Einstauvolumen des HRB 4 umfasst 670 000 Kubikmeter auf einem Gebiet von rund 36 Hektar.

Zum Vergleich: Der Plüderhäuser Badesee umfasst eine Wasserfläche von rund 37 000 Kubikmeter, das sind 3,7 Hektar. Rund 80 000 Kubikmeter Erde werden bewegt, bestenfalls von A nach B innerhalb der Baustelle. Hans-Peter Sieg deutet an, dass dies in Zeiten von Qualitätssicherungsplänen gar nicht mehr so einfach sei.

70 Prozent der Kosten zahlt das Land Baden-Württemberg, 30 Prozent zahlen jene Gemeinden, die im Hochwasserfall von dem Becken profitieren würden.