Schorndorf

Hohe Corona-Dunkelziffer in Schorndorf: Bestätigt sich der Verdacht?

Musicaldarsteller
Ein Corona-Schnelltest. © ALEXANDRA PALMIZI

Zwei Jahre lang dominierten Inzidenzen, Impfquoten und die Anzahl der Intensivpatienten die Nachrichten. Corona bestimmte den Alltag. Mittlerweile ist das Thema, und viele werden froh darüber sein, etwas von der Bildfläche verschwunden. Trotzdem ist die Pandemie nicht vorbei. Viele Leute würden sogar behaupten, dass sie aktuell mehr infizierte Leute kennen als zu Hochzeiten der Pandemie. Doch täuscht dieser subjektive Eindruck? Die Antwort: Man weiß es nicht genau.

Laut der offiziellen Corona-Statistik des Landratsamtes liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell bei 205 (Stand 1. Juni, 15.47 Uhr). Jedoch steigt die Zahl an infizierten Menschen in Quarantäne an. Innerhalb von vier Tagen ist diese von 214 am 29. Mai auf 584 am 1. Juni gestiegen. In Schorndorf sind, Stand jetzt, genau 74 Infizierte in Isolation.

Nicht gemeldete Fälle sehr wahrscheinlich

Doch sind diese Zahlen überhaupt noch aussagekräftig? Eher nicht. Immerhin ist in beinahe allen Berufen sowie in Schulen und Kitas die Testpflicht entfallen. Hinzu kommt, dass in die offizielle Statistik nur Corona-Fälle aufgenommen werden, die durch einen positiven PCR-Test bestätigt wurden. Da dieser nicht mehr verpflichtend ist, liegt der Verdacht nahe, dass es eine hohe Dunkelziffer an Corona-Positiven in Schorndorf und letztlich im gesamten Landkreis gibt. Diesen Verdacht bestätigt Martina Keck. Man habe keine Daten, rechne aber in der Tat mit einer hohen Anzahl unbekannter Corona-Fälle, sagt die Pressesprecherin des Landratsamtes.

Wer diesen Verdacht, diesen teilweise subjektiven Eindruck allerdings nicht bestätigen kann, ist Thorsten Leiter. Der Apotheker und Betreiber mehrerer Teststationen in Schorndorf sagt: „Die Positivrate bei Schnelltests ist bei uns in den letzten Tagen nicht gestiegen. Im Laufe des Mais ist diese eher stabil beziehungsweise etwas gesunken, und wir bilden bei uns die Inzidenz gut wieder.“

Jedoch geht auch er von einer hohen Dunkelziffer aus, „da ja Routine-Testungen in den Betrieben, am Arbeitsplatz, aber auch Testpflichten weitgehend entfallen sind.“ Die relativ entspannte Situation könne sich aber schon bald ändern, wenn die in Portugal grassierende Corona-Variante tatsächlich nach Deutschland überschwappen sollte. Das Testangebot an den Stationen am Marktkauf und an der Uhland-Apotheke wird laut Thorsten Leiter jedenfalls weiterhin angenommen, wenn auch in deutlich niedrigerer Zahl als zu Zeiten der bestehenden Testpflicht.

Schulen und Kitas erwarten keinen Anstieg

Der Apotheker berichtet, dass sich viele Menschen in Sicherheit wiegen und sich nicht mehr testen lassen. In vielen Fällen verlaufe eine Infektion zurzeit beinahe symptomfrei oder werde mit einer „normalen“ Erkältung oder Heuschnupfen verwechselt. „Wir bekommen das bei den PCR-Testungen immer wieder mit. In Fällen, in denen ein PCR-Test vorgelegt werden muss, fallen die Leute regelrecht aus den Wolken, weil sie einen positiven Test haben.“

Doch können die offiziellen Stellen wie Kindergärten und Schulen nach der entfallenen Testpflicht aktuell überhaupt eine Auskunft über die Corona-Situation geben? Immerhin stehen die Pfingstferien an und viele Familien werden in den Urlaub ins Ausland fahren. Markus Weiß, Fachbereichsleiter Kindertagesstätten der Stadt, berichtet von einem aktuell bekannten Corona-Fall in den städtischen Kindergärten. „Auch nach den Ferien erwarten wir keinen Anstieg, da ein Großteil der Kitas auch in den Ferien geöffnet hat.“

Dr. Karin Fehrenbach, geschäftsführende Schulleiterin an den Schorndorfer Grundschulen und Rektorin der Otfried-Preußler-Grundschule in Miedelsbach, sagt: „An meiner Schule sind gerade gar keine Fälle. Der Austausch mit 4 weiteren Schorndorfer Grundschulen zeigt, dass teilweise keine bis sehr wenige Coronainfektionen zur Zeit bekannt sind. Also kein Anstieg, sondern ein Rückgang. Inwieweit ein Anstieg nach den Pfingstferien zu erwarten ist, lässt sich schwer abschätzen. Befürchtungen diesbezüglich sind eher nicht da." Allerdings glaubt sie auch, dass es versteckte Fälle geben könnte, weil nicht mehr getestet wird. 

Zwei Jahre lang dominierten Inzidenzen, Impfquoten und die Anzahl der Intensivpatienten die Nachrichten. Corona bestimmte den Alltag. Mittlerweile ist das Thema, und viele werden froh darüber sein, etwas von der Bildfläche verschwunden. Trotzdem ist die Pandemie nicht vorbei. Viele Leute würden sogar behaupten, dass sie aktuell mehr infizierte Leute kennen als zu Hochzeiten der Pandemie. Doch täuscht dieser subjektive Eindruck? Die Antwort: Man weiß es nicht genau.

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