Schorndorf

Hubschrauber werfen Kalk über Wäldern ab

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Ein Hubschrauber wirft aus einem Kübel Kalk ab (Archiv). © Gabriel Habermann

Schorndorf/Rudersberg. Derzeit rieselt über dem Schurwald bei Unter- und Oberberken sowie Adelberg der Kalk. Ein Hubschrauber wirft ihn aus einem Kübel ab – eine Maßnahme gegen versauerte Böden. Auch im Rems-Murr-Kreis laufen mal wieder solche Flüge mit Kalk-Abwurf, aktuell bei Berglen, Rudersberg und Althütte. Die betroffenen Gebiete sollten Spaziergänger meiden.

Seit diesem Montag, 13. August, läuft die Maßnahme über dem Schurwald. Ein Hubschrauber lädt dazu immer wieder bei Börtlingen-Breech Kalk in einen großen Transportbehälter und zieht damit dann über dem Wald bei Unter- und Oberberken sowie Adelberg seine Kreise, um das weiße Pulver abzuwerfen.

Gemisch aus Dolomit und Holzasche wird verwendet

Wer einen Garten mit Rasenfläche hat, kennt wahrscheinlich die Wirkung, die der Landkreis Göppingen damit erzielen will: „Mit der Ausbringung von Kalk soll die Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenarationsprozesse der Böden unterstützt werden“, sagt Martin Geisel, der Leiter des Forstamts Göppingen. Dieses Vorgehen wird laut Pressemitteilung des Landratsamts in Baden-Württemberg seit Jahren praktiziert. Dabei wird ein Gemisch aus Dolomit (ein mineralisches Gestein) und Holzasche verwendet und entweder per Hubschrauber abgeworfen oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen.

Kalkflüge im Schurwald sollen insgesamt etwa drei Wochen dauern

Eine Gefährdung für die Gesundheit von Mensch oder Tier besteht laut Forstamtsleiter Martin Geisel nicht. Dennoch sind die Wege in den betroffenen Waldgebieten während der Maßnahme gesperrt. „Zur eigenen Sicherheit sollte das Gebiet in der Zeit des Helikopterfluges nicht betreten werden“, so teilt das Göppinger Forstamt mit. „Abgesehen davon, dass es staubt, kann es vorkommen, dass kleine Steinchen oder Klumpen im Material enthalten sind.“ Die ganze Aktion soll laut Forstamt „maximal drei Wochen“ dauern.

Kalkungsmaßnahmen noch bis Ende August

Auch das Forstamt im Rems-Murr-Kreis führt solche Kalkungsmaßnahmen regelmäßig durch. Dieses Jahr laufen sie bereits seit Juli und sollen noch bis Ende August dauern. Betroffen sind laut Landratsamt Teilflächen der Gemeinden Althütte, Auenwald, Allmersbach im Tal, Backnang, Berglen, Kirchberg an der Murr, Murrhardt, Oppenweiler, Rudersberg, Spiegelberg, Sulzbach an der Murr, Weissach im Tal und Winnenden. Ab diesem Donnerstag bewegt sich der Hubschrauber von Berglen-Rettersburg aus über Öschelbronn, die Rudersberger Ortsteile Kallenberg und Mannenberg bis nach Althütte-Klaffenbach.

Kein Grund zur Sorge um Vögel oder andere Tiere

Anti-Windrad-Aktivisten aus dem Schurwald finden die Kalkungsmaßnahmen verdächtig. Sie haben die Theorie, dass damit aus den potenziellen Windkraftgebieten die Rotmilane vertrieben werden sollen. Kai Struppek, der Einsatzleiter im Forstamt des Landkreises Göppingen, sagt auf Nachfrage dazu: Es bestehe kein Grund zur Sorge um Vögel oder andere Tiere. Es handle sich um über Jahre geplante und immer wieder wiederholte Maßnahmen. Jedes Waldstück komme alle zehn Jahre dran. Pilot Fred Burggraf wird in einem Zeitungsbericht dazu zitiert: „Mein Hubschrauber stört den Rotmilan überhaupt nicht. Der fliegt sogar neben mir her.“


Übersäuerung

Was ist der Grund für die Übersäuerung der Waldböden? Das Forstamt des Landkreises Göppingen erklärt dazu: „Die zunehmende Industrialisierung hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst.“ Das heißt: Stoffe wie Stickoxide, Schwefeldioxid und Ammoniak haben sich im Wald abgesetzt. Nährstoffe seien ausgewaschen worden, so das Forstamt, und „ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu“ sei entstanden. Dadurch werde der Wald als Ökosystem und seine wichtigen Funktionen zum Beispiel als Filter für das Trinkwasser belastet.

Dabei geht es auch um Altlasten aus der Zeit, als noch keine Maßnahmen für sauberere Luft ergriffen wurden, die den Waldboden nachhaltig und nicht umkehrbar zum Schlechten verändert haben.

Der Kalk soll unter anderem dabei helfen, im Boden überschüssige Säuren zu neutralisieren, und für eine Versorgung mit Magnesium und Calcium sorgen.

Der Hubschrauber kommt dort zum Einsatz, wo der Wald nur schwer mit Fahrzeugen befahren werden kann, also zum Beispiel in Hanglagen.