Schorndorf

Im Tierheim fehlt der Kontakt nach außen

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Tierpflegerin Rebecca Zimmermann kümmert sich um Kater Ole. Er ist zwar scheu, wird aber immer zutraulicher. © Joachim Mogck

Schorndorf.
Das Tierheim ist für Besucher und alle Ehrenamtlichen geschlossen. Besuche sind nur in dringenden Fällen nach vorheriger Terminabsprache möglich. Was passiert mit den Tieren? Wer geht Gassi und kümmert sich jetzt um die jungen Kätzchen?

„Bisher sind wir verschont geblieben von Tierhaltern, die aus Angst vor einer möglichen Ansteckung ihr Tier abgeben möchten“, sagt Sabine Hermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Aber wie wir Bürger selber erleben, können sich Situationen von heute auf morgen ändern.“

Vor einigen Tagen habe sie von der Corona-Erkrankung eines Tigers und weiterer Raubtiere in einem New Yorker Zoo gelesen, die vermutlich von einem Tierpfleger angesteckt wurden. „Da denke ich schlagartig, wie wohl solch eine Nachricht bei den Menschen ankommt“, so Hermann.

„Die Virologen sind zwar der Meinung, dass die Ansteckungsgefahr über ein Tier nahezu ausgeschlossen ist, aber in Zeiten von sozialen Netzwerken mit Halbwahrheiten und Mutmaßungen von Laien glauben die Leute oft an die unglaublichsten Dinge.“

Ehrenamtliche fehlen, um das Personal zu unterstützen

Sie sei über jeden Tag dankbar, an dem die Mitarbeiter gesund sind. Denn den Fall, dass ein Mitarbeiter sich ansteckt, möchte sie sich nicht ausmalen. Zumal ohnehin Ehrenamtliche fehlen, um das Personal zu unterstützen und die Tiere zu beschäftigen. „Ausgiebige Gassi-Geh-Runden und Streicheleinheiten für die Katzen sind natürlich wichtig für die Tiere“, so Hermann, die es ganz besonders bedauert, zahlreichen Helfern Absagen erteilen zu müssen.

„Wir erhalten vermehrt Anfragen von Leuten, die bei uns ehrenamtlich mithelfen oder Gassi gehen wollen, weil sie sehr viel mehr Zeit haben und diese nutzen möchten.“ Leider sei dies aufgrund der aktuellen Ansteckungsgefahr nicht möglich. „Wir können nur hoffen, dass die Menschen das verstehen.“

Hermanns aktuelle Sorgenkinder sind mehrere scheue junge Katzen, die dringend Sozialkontakte benötigen, um Vertrauen aufzubauen. Unter einem Defizit an persönlichen Begegnungen und Austausch leiden auch die Zweibeiner, die das Tierheim das ganze Jahr über am Laufen halten und vielfältige Aufgaben wahrnehmen.

„Das Gespräch miteinander ist in vielen Situationen durch nichts zu ersetzen“, sagt Sabine Hermann. Seien es verzweifelte Menschen, die ein vermisstes Tier suchen, oder Konflikte unter Nachbarn wegen der Katze. Viele wenden sich ratsuchend oder mit Fragen zur Tierhaltung ans Tierheim.

Wechselschichten wurden eingeführt

Im Tierheim seien alle Arbeitspläne überarbeitet worden und es wurden Wechselschichten eingeführt. Aktionen wie etwa das Einfangen verwilderter Katzen zur Kastration fallen im Moment aus. Auch die Mitglieder des Vorstands gehen nur selten und möglichst außerhalb der Dienstzeiten ins Tierheim, um die eingehende Post abzuholen. Alles andere erfolge per Telefon oder per Mail.

Die bestehenden Hygienemaßnahmen im Tierheim seien angepasst worden. „Im Moment sind wir noch mit Desinfektionsmitteln und weiteren Hygieneartikeln versorgt, aber wir wissen nicht, wie lange die Situation anhält und wo dann Nachschub zu besorgen ist“, sagt Sabine Hermann. Dankbar ist sie, dass der Dachverband, der Deutsche Tierschutzbund, sie sehr gut mit Infomaterial unterstützt und als Ansprechpartner und Ratgeber zur Verfügung steht.

Was fehlt, sei der Kontakt nach „draußen“: Die eingeschränkte Vermittlungstätigkeit und ausgefallene Veranstaltungen schlügen sich negativ auf die Einnahmen nieder - und das bei gleichbleibenden Ausgaben. Sabine Hermann befürchtet zudem einen Rückgang der Spendenbereitschaft, „weil viele selbst gerade mit Einkommeneinbußen zu kämpfen haben“.

Für 2020 sei eigentlich die Neuregelung der Fundtierkostenverträge geplant, die mit der Stadt Schorndorf sowie den Gemeinden Winterbach, Rudersberg und Remshalden bestehen. Aktuell werde das Tierheim mit 40 Cent und 50 Cent pro Einwohner entlohnt. Die Erstattung reiche nicht annähernd aus, um die Kosten zu decken, so Hermann.

Sie stellt sich auf „schwierige Verhandlungen“ ein – infolge des Einnahmenrückgangs der Kommunen infolge der Corona-Krise. „Trotzdem kann es nicht sein, dass die Kosten für die Unterbringung und zur Behandlung von Fundtieren, die gesetzlich von den Städten und Gemeinden zu tragen sind, zulasten des Tierschutzvereins gehen.“

Wann man wieder öffnen kann und die Mitarbeiter wieder gemeinsam Dienst haben können, wisse man nicht. Hermann: „Da von der Bundesregierung eine Verlängerung der Kontaktsperre bis Anfang Mai beschlossen wurde, werden wir uns daran auf jeden Fall halten und haben den Dienstplan heute schon entsprechend umgeschrieben.“

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Das Tierheim ist für Besucher und alle Ehrenamtlichen geschlossen. Besuche sind nur in dringenden Fällen nach vorheriger Terminabsprache möglich. Was passiert mit den Tieren? Wer geht Gassi und kümmert sich jetzt um die jungen Kätzchen?

„Bisher sind wir verschont geblieben von Tierhaltern, die aus Angst vor einer möglichen Ansteckung ihr Tier abgeben möchten“, sagt Sabine Hermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Aber wie wir

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