Schorndorf

Immer mehr Fahrzeuge mit Automatik: Sind Gangschaltungen bald Geschichte?

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Bald ein Relikt aus vergangenen Tagen? Fahrzeuge mit manuellem Getriebe werden immer seltener. © Farbnegativ 268-fotolia

Viele Autofahrer haben sich mittlerweile davon verabschiedet, für andere ist es die einzige Art, richtig zu fahren: Das Schaltgetriebe verabschiedet sich langsam, aber sicher von Deutschlands Straßen. Nun hat Mercedes-Benz angekündigt, ab 2023 nur noch Autos mit Automatikgetriebe vom Band laufen zu lassen. Seit vergangenem Jahr gilt die Führerscheinprüfung mit einem Automatik-Pkw unter bestimmten Voraussetzungen auch für Autos mit Schaltgetrieben. Doch macht die Abschaffung der guten alten Gangschaltung überhaupt Sinn?

Automatik-Auto sorgt für mehr Sicherheit bei der Fahrprüfung

Wie die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) berichtete, wurde 2021 knapp jeder zweite Neuwagen hierzulande mit einem Automatikgetriebe ausgestattet. Vor 20 Jahren seien es noch weniger als 20 Prozent gewesen. Hybrid- und Elektroautos kommen generell ohne Handschaltung auf den Markt, weil sie oft gar kein klassisches Getriebe mehr haben. Vermutlich auch deshalb wurde der Automatik-Führerschein etwas vereinfacht: Bis 2021 durften Leute, die die Fahrprüfung mit einem Automatik-Auto gemacht haben, nicht mit manueller Schaltung fahren. Nun ist das möglich, solange die Fahrschüler mindestens zehn Übungsstunden mit einem manuellen Getriebe absolviert haben (Führerschein-Klasse B197).

Doch ist diese Umstellung der richtige Schritt gewesen? Immerhin behaupten viele „Auto-Traditionalisten“, man würde nur mit einer Handschaltung richtig Auto fahren. Eduard Heckel, Inhaber von Edus Fahrschule in der Welzheimer Straße, sieht das ganz anders: „Aus meiner Sicht ist der Auto-Fan, der solche Aussagen trifft, bestimmt auch noch der Meinung, dass die Erde eine Scheibe ist.“ Das Können eines Fahrers anhand seines Fahrzeugs festzumachen, sei „totaler Quatsch“.

In seiner Fahrschule machen noch 80 Prozent aller Fahrschülerinnen und Fahrschüler einen „normalen“ Schalter-Führerschein. Rund zehn Prozent wählen die Automatikprüfung mit den Zusatzstunden mit Handschaltung, und die restlichen zehn Prozent fahren von vornherein nur Automatik. „Die hohe Zahl der Handschalterfahrer ist bei mir so hoch, da es mehr meiner Philosophie entspricht. Ich kenne ausreichend Kollegen, die beinahe zu 100 Prozent auf die B197-Schiene übergesprungen sind“, berichtet Eduard Heckel.

War die Umstellung hin zu mehr Automatik-Fahrschülern trotzdem sinnvoll? Das hängt laut dem Fahrschul-Inhaber von den Gegebenheiten des einzelnen Fahrschülers ab. „Ist der Fuhrpark zu Hause bereits mit Automatik-Fahrzeugen ausgestattet, dann ist es mit Sicherheit eine gute Alternative.“ Die Schüler erlernen das Schalten für den Fall der Fälle - ob sie es dann noch können, falls sie in ein Schalt-Auto steigen, darüber lasse sich streiten. Gerade für eher ängstliche Schülerinnen und Schüler sei die Automatikprüfung wie ein Sechser im Lotto.

Trotz E-Auto-Boom: Verbrenner wird noch sehr lange überleben

Denn gerade wenn die Prüferin oder der Prüfer auf der Rückbank Platz genommen hat, kann man sich voll und ganz auf den Verkehr konzentrieren. Ein Automatikgetriebe hat aber auch Vorteile, wie den Fahrkomfort: kein Abwürgen, stressfreies Anfahren am Berg und kein Kupplungsverschleiß. Je nach Fahrweise könne es außerdem spritsparender sein.

Angesichts der Umstellung auf E-Mobilität wird der Handschalter mittel- bis langfristig ohnehin von den Straßen verschwinden. „Wenn ich mich aber bei meinen Schülern und im Umfeld umhöre, dann wird der Handschalter und Verbrenner noch sehr lange überleben“, gibt Manuel Heckel zu bedenken. Klar: Gerade junge Leute können sich keine Neuwagen leisten.

„Ungewissheit, hohe Anschaffungskosten, geringe Reichweite und Lademöglichkeiten sind alles Argumente, weshalb sich noch relativ viele Menschen gegen diesen Weg entscheiden.“

Viele Autofahrer haben sich mittlerweile davon verabschiedet, für andere ist es die einzige Art, richtig zu fahren: Das Schaltgetriebe verabschiedet sich langsam, aber sicher von Deutschlands Straßen. Nun hat Mercedes-Benz angekündigt, ab 2023 nur noch Autos mit Automatikgetriebe vom Band laufen zu lassen. Seit vergangenem Jahr gilt die Führerscheinprüfung mit einem Automatik-Pkw unter bestimmten Voraussetzungen auch für Autos mit Schaltgetrieben. Doch macht die Abschaffung der guten alten

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