Schorndorf

In Folge des Coronavirus: Kaum noch Vierbeiner leben im Tierheim

Tierheim
Lea und die Hündin Indra. Die junge Frau macht derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst im Tierheim. © Gabriel Habermann

Normalerweise leben hier rund 40 Hunde, Katzen, Kaninchen und andere Tiere. Doch derzeit sind es nur noch elf Vierbeiner, die Tierheimleiter Steffen Töllner und die anderen im Team versorgen. Der 30-Jährige freut sich einerseits darüber, macht sich aber Gedanken darüber, ob die Tiere auch nach der Krise noch gut versorgt werden. Nicht jeder sei als Halter geeignet, und selbst die vermeintlich einfach zu haltenden Kaninchen würden mit ihren Bedürfnissen oft unterschätzt, mahnt der Tierpfleger. Einige Fragen sollten sich Interessierte stellen, bevor sie sich tatsächlich ein Haustier anschaffen.

Neue Tiere müssen in Quarantäne

Steffen Töllner führt durch die verschiedenen Räume des Tierheims. Für neu eingetroffene Tiere, die beispielsweise abgegeben wurden, gibt es Quarantänezimmer. Dort kommen die Katzen und Hunde für wenige Tage in Boxen. Sobald feststeht, dass sie keine ansteckenden Krankheiten haben, dürfen sie wieder raus. Derzeit lebt in einer der Kisten eine kranke Katze, die sich den Oberschenkelhals gebrochen hat. Töllner hofft, dass sie bald wieder richtig laufen kann. Nach der Quarantäne dürfen die Tiere in die verschiedenen Zimmer. Katzen und Hunde sind getrennt voneinander untergebracht, mehrere große Zimmer mit Auslauf ins Freie stehen zur Verfügung. Neben einzelnen Hunden und Katzen leben derzeit noch eine Schildkröte und eine Zuchttaube in dem Tierheim.

Derzeit kümmern sich vier Mitarbeiter um elf Tiere

Im Vergleich zu den Tieren ist die Anzahl der Mitarbeiter derzeit hoch. Neben Töllner arbeitet noch eine Halbtagskraft, zwei 450-Euro-Kräfte und eine Bundesfreiwilligendienstleistende in dem Haus. Sie haben derzeit weniger zu tun als unter normalen Bedingungen.

Für die Vierbeiner freut sich Töllner, der bereits seit 2011 im Tierschutz arbeitet. Das Schorndorfer Heim leitet er seit 2018. Auch Tiere, die sonst, etwa wegen ihres Alters, nur schwer zu vermitteln gewesen seien, hätten einen neuen Besitzer gefunden. Die Nachfrage nach den Vierbeinern sei in den vergangenen Wochen insgesamt groß gewesen, erzählt er.

Von der Vermittlungsgebühr alleine kann der Verein nicht leben

Für jedes Tier bezahlen die künftigen Halter eine Vermittlungsgebühr. Doch davon allein könne der Verein nicht leben, erklärt Töllner. Die Kosten, die eine Katze beim Tierarzt verursache, beliefe sich schnell auf 95 Euro. Die Tiere müssten beispielsweise geimpft werden. Auch Sabine Hermann, die Erste Vorsitzende des Vereins, erzählt, dass die Tierarztkosten nicht unterschätzt werden dürften. Kürzlich habe es bei einer Katzengeburt Komplikationen gegeben, ein Kaiserschnitt musste vorgenommen werden. Ganze 700 Euro kostete die Behandlung letztendlich.

Tierschutzverein
Die Nachfrage nach Kaninchen sei in den vergangenen Wochen besonders hoch gewesen, erzählt Steffen Töllner. Derzeit leben keine Kaninchen in der Einrichtung. © Gabriel Habermann


Für die Versorgung von sogenannten Fundtieren bekomme das Tierheim von der Stadt Schorndorf Geld. Doch pro Einwohner bekäme die Einrichtung gerade einmal 50 Cent. Hermann fordert eine Erhöhung dieses Betrages auf einen Euro pro Bürger. Doch sie rechnet mit schwierigen Verhandlungen, gerade jetzt in der Corona-Krise.

Derzeit hat das Tierheim für Besucherinnen und Besucher nicht geöffnet. Mit Interessenten spricht Töllner am Telefon, nur wer wirklich vorhabe, ein Tier aufzunehmen, dürfe derzeit zum Abholen in die Räume kommen. Auf der Internetseite der Einrichtung könnten Interessierte die vermittlungsfähigen Hunde und Katzen auf Fotos begutachten. Doch nicht jeder darf einfach ein Tier mitnehmen. In Gesprächen prüfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heims, ob sich die Interessenten auch als Halter eignen. Sie müssten sich im Klaren über die Tragweite ihrer Entscheidung sein. „Eine Katze wird gern mal 18 Jahre alt“, gibt Steffen Töllner zu denken.

Nur wenige Ehrenamtliche dürfen wegen des Virus ins Tierheim

Er bedauert es, dass er die vielen Ehrenamtlichen, die gerne helfen würden, derzeit ablehnen muss. Doch lediglich etwa zehn Ehrenamtliche, die sehr häufig mit den Hunden rausgehen, dürfen noch ins Heim. Die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus soll möglichst minimiert werden. Wann das Tierheim wieder normal öffnet, stehe noch nicht fest. Töllner befürchtet, dass sich die derzeit große Nachfrage nach Haustieren in den nächsten Jahren bemerkbar machen könnte. Nicht überall prüften Züchter, ob die Kunden als Halter geeignet seien. „Viele sind sehr verantwortungsbewusst, es gibt aber auch schwarze Schafe“, sagt er.

Die Bedürfnisse von Kaninchen würden von vielen unterschätzt

Vor allem, dass so viele Kaninchen nachgefragt werden, bereitet ihm Sorgen. In den vergangenen Wochen habe er ständig Anfragen bekommen, ob noch Kaninchen zu haben seien. Viele hielten sie für ein optimales Haustier zum Einstieg. Doch die Tiere hätten mehr Bedürfnisse, als viele meinen. Sie könnten nicht einfach einzeln in einem kleinen Käfig gehalten werden. Über die kleinen Ställe, die es im Baumarkt teilweise zu kaufen gibt, ärgert sich der Tierheimleiter. „Mindestens sechs Quadratmeter Auslauf sollten sie haben und mindestens zu zweit gehalten werden“, erklärt Töllner. Optimal sei es, wenn die Besitzer auch einen Garten hätten, in dem sich die Tiere austoben können. Außerdem stellt er klar: „Kaninchen sind keine Kuscheltiere, sie mögen es nicht, hochgenommen zu werden“, sagt er. Sie am Boden zu streicheln sei aber in Ordnung.

Fragen, die sich neue Halter stellen sollten

Künftige Besitzer sollten sich vor allem fragen, ob sie genügend Zeit für ein Haustier haben und dessen Bedürfnissen gerecht werden können. Außerdem sollten sie einen Plan B haben, etwa wenn sie mal in den Urlaub gehen wollen, erklärt er. Auch die zukünftige Lebensplanung sollte bei der Entscheidung eine Rolle spielen, schließlich sei es in vielen Mietwohnungen nicht gestattet, ein Tier zu halten, gibt Töllner zu bedenken.