Schorndorf

Ist der Kreisel-Maulwurf verkehrsgefährdend?

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Nur noch die Farbe fehlt, dann ist der Kreisel-Maulwurf fertig. © Laura Edenberger
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Das Maulwurf-Team zeigt stolz die Figur, die entstanden ist.
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Der ursprüngliche Maulwurf im Sommer 2017, als er schon vom Hügel im Kreisverkehr (Bildhintergrund) geweht worden war. © Alexandra Palmizi

Remshalden. Seit mehr als zwei Monaten baut eine Gruppe von Remshaldenern einen Maulwurf für den Kreisverkehr am Grunbacher Ortsrand. Dass dabei verkehrsrechtliche Fragen geklärt werden müssen, das war von Anfang an klar. Jetzt prescht das Landratsamt zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt mit einer Pressemitteilung vor und fragt: „Untergräbt der Remshaldener Maulwurf die Verkehrssicherheit?“

Er ist etwa 1,50 Meter hoch und etwa 150 Kilo schwer, so schätzt es Peter Schuster ein, einer aus der Gruppe, die den Maulwurf in den vergangenen Monaten aus Styroporplatten gesägt, geschliffen und mit Fliesenkleber überzogen hat. Jetzt soll die Figur noch Farbe bekommen und dann auf dem Kreisverkehr im Westen von Grunbach, der das Gewerbegebiet Breitwiesen erschließt, platziert werden, das ist zumindest weiterhin der Plan der Maulwurf-Macher, die sich Anfang September dafür spontan zusammenfanden. Jetzt hat das Landratsamt jedoch eine Pressemitteilung verschickt, die dem Ganzen deutlich die Grenzen aufzeigt.

Maulwurf könnte zur Gefahr werden

Das Landratsamt spricht darin von einer „charmanten Idee, die aber zu einer Gefahr werden könnte“ und verweist auf einen Erlass des baden-württembergischen Innenministeriums aus dem Jahr 2007, der festlegt, dass „starre Hindernisse auf der Kreisinsel gegenüber den Knotenpunktzufahrten aus Gründen der Verkehrssicherheit untersagt sind“. Auslöser sei „eine Vielzahl von schweren Unfällen in Kreisverkehr mit teilweise tödlichem Ausgang“ gewesen, die sich auch in einer EU-Verordnung zur Reduzierung der Verkehrstoten (nicht nur in Kreisverkehren) Niederschlag fand.

Landratsamt lädt zu Vor-Ort-Termin ein

Deswegen, so der Schluss in der Pressemitteilung müssten Verkehrsbehörde, Gemeinde und Polizei gemeinsam beurteilen, wie die Risiken des jeweiligen Kunstwerks im Kreisverkehr im Einzelfall zu bewerten seien. Dabei soll laut Verordnung ein „sehr strenger Maßstab“ Anwendung finden. Deswegen lädt das Landratsamt nun zu einem Vor-Ort-Termin (für den es noch keinen Termin gibt), zu dem auch die Maulwurf-Gruppe und alle weiteren Interessierten eingeladen werden sollen.

Nicht als langfristige Installation gedacht

Die Mitglieder der Gruppe, die den Maulwurf in vielen Stunden nun bereits fast fertig gebaut hat, fühlen sich vom öffentlichen Vorstoß des Landratsamts nun allerdings ziemlich vor den Kopf gestoßen. Sollte der Maulwurf nicht auf den Kreisel dürfen, dann wäre das für Peter Schuster „der größte Schildbürgerstreich, der in Baden-Württemberg je passiert ist.“ Die Figur sei aus Styropor gebaut und definitiv keine Verkehrsgefährdung. Außerdem sei der Maulwurf gar nicht als langfristige Installation gedacht, wenn die Figur drei Jahre halte, dann sei es viel.

Sie hätten sehr viel Zuspruch bekommen und viele Spender hätten Geld gegeben, damit die Idee realisiert werden könne, erzählt Peter Schuster. „Die möchten das Ding da oben sehen. Wie soll man das denen erklären?“ Seine eigene ungläubige Reaktion fasst er deutlich zusammen: „Ein Styroporblock soll die Verkehrssicherheit gefährden – das muss ein Witz sein!“

Das Landratsamt erfuhr vom Maulwurf aus der Zeitung

Überrascht von der Pressemitteilung des Landratsamts wurde auch der Remshaldener Bürgermeister Reinhard Molt. Er war es, der praktisch den Startschuss für das Maulwurf-Projekt gegeben hatte, als er öffentlich wörtlich sagte: „Wenn jemand einen geeigneten Maulwurf im Rathaus abgibt, dann setzen wir den da drauf.“ Daraufhin machten sich die Maulwurf-Fans daran, ihn beim Wort zu nehmen.

Molt sagte auch von Anfang an: Das muss man mit dem Landratsamt abklären, weil dieses für Straße und Kreisverkehr zuständig ist und es besagte Verordnung gibt. Nun hat das Landratsamt jedoch nach eigener Aussage (zwei Monate nach dem ersten Artikel in unserer Zeitung) durch einen Zeitungsbericht Anfang November von dem Thema erfahren. Erst am Tag danach hat laut Peter Zaar, dem zuständigen Dezernenten, Bürgermeister Molt das Thema zum ersten Mal ihm gegenüber erwähnt.

Molt: Installation müsste möglich sein

Molt sagt, er habe gebeten, dass die Fachleute aus der Verkehrsbehörde des Landratsamts einmal vor Ort kommen und den Maulwurf in Augenschein nehmen. Er habe den Eindruck, dass man da in einem guten Austausch sei. „Mir war wichtig, dass das ein temporäres Objekt sein soll“, betont er. „Für die Gartenschau oder möglicherweise etwas länger.“ Der Bürgermeister ist immer noch der Meinung, „dass die Installation möglich sein müsste“.

"Wir wollen keinem den Spaß verderben"

Das Landratsamt erklärt die Pressemitteilung zum jetzigen Zeitpunkt als einen Hinweis auf die Problematik und als Signal, „dass man darüber reden muss“. Dezernent Peter Zaar sagt: „Wir wollen keinem den Spaß verderben. Es ist toll, wenn sich Bürger so einsetzen.“ Er sagt jedoch auch: „Wir haben auch die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“ Für eine genaue Beurteilung hätten bisher Infos über Bauart und Material des Maulwurfs gefehlt. Aber: „Nach allem, was ich weiß, ist es doch eher kritisch zu beurteilen.“


Die Vorgeschichte des Maulwurfs

„Dieser hässliche Erdhügel war eine Steilvorlage. Ich dachte, da muss ein Maulwurf hin.“ So erklärte die anonyme Künstlerin im Sommer 2017 ihre Aktion: Plötzlich war damals auf dem neuen Kreisverkehr am Rande des Gewerbegebiets in Grunbach eine überlebensgroße Maulwurf-Figur aufgetaucht – und dann vom Wind heruntergeweht worden.

Das Tier hatte in der kurzen Zeit jedoch viele Fans gefunden. Sogar der damalige Bürgermeister Stefan Breiter bezeichnete die Idee als „genial“. Rufe nach einer dauerhaften Maulwurf-Installation wurden laut.

Klar war, dass die ursprüngliche, aus Pappmaché gefertigte Figur dafür nicht taugte. Und die Gemeindeverwaltung beerdigte schließlich für sich das Thema, wohl auch beim Gedanken an die Kosten so einer Skulptur.

Doch totzukriegen war der Maulwurf nicht und immer wieder Thema in Diskussionen, zumal der Kreiselhügel bis heute so unansehlich als westliches Eingangstor der Gemeinde dasteht wie eh und je. Erst im Frühjahr vor der Remstal-Gartenschau 2019 will Bürgermeister Reinhard Molt in gemeinsam mit Bürgern bepflanzen.