Schorndorf

Jogger von freilaufenden Hunden genervt: Wie Läufer und Hunde stressfrei aneinander vorbeikommen

Hund & Jogger
So sieht der Idealfall aus: Die Hundebesitzerin geht zwischen ihrem Hund und der Läuferin. © Gabriel Habermann

Bevölkert wie nie sind die Rad- und Spazierwege seit Beginn des erneuten Lockdowns. Immerhin, wer Sport machen will, muss raus. Fitnessstudios, Kurse an der Volkshochschule, das Training im Sportverein – all das ist nur noch eine Erinnerung an längst vergangene sportliche Zeiten. Also heißt’s, Laufschuhe an und raus auf die Rennbahn. Allerdings, je weiter die Sportler die Siedlungen verlassen, umso häufiger begegnen sie Hunden, gerne auch ohne Leine, die mehrere Hundert Meter entfernt von ihren Besitzern über die Wiesen tollen.

Wer kein begeisterter Hundefreund ist, wird spätestens dann angespannt. So ein Hund ist schnell, in jedem Fall schneller als die hier schreibende Läuferin. Die arbeitet sich aktuell noch an der „neun Kilometer pro Stunde“-Marke ab. Also verfolgt sie unsicher, was die großen Hunde da hinten so vorhaben, sie sprinten mit großen Schritten auf sie zu. Der Joggerpuls wird schneller, die Anspannung größer. Das Frauchen ist noch immer weit entfernt, zu weit, um sie zu bitten, ihre Tiere zu sich zu rufen. Also rennen die Hunde weiter. Die Joggerin wird langsamer, bleibt schließlich stehen, der größere der beiden Hund stürmt weiter, bellt, berührt mit seiner Schnauze beinahe die Hüfte.

Klassiker: „Der will doch nur spielen!“

Dann endlich kommt die Besitzerin dazu. Der täte nix, wolle nur spielen. Der Joggerin ist’s eigentlich zu viel. Soll die Besitzerin doch selbst mit ihrem Hund spielen. Woher soll ein Sportler wissen, ob der Hund nicht doch beißen will? Noch immer ist’s ein Tier. Für Nicht-Hundeexperten unberechenbar. Eine kurze Nachfrage bei anderen laufenden Freunden ergibt: Ja, viele fühlen sich unsicher in der Begegnung mit Hunden, freuen sich, wenn sie möglichst wenige von ihnen auf der Laufstrecke treffen.

Ganz lässt sich der Hundekontakt auf der Sportstrecke aber nicht vermeiden. Drum haben wir bei Hundetrainerin Sonja Pfaff nachgefragt, wie sich joggende und radfahrende Passanten am besten verhalten können, um selbst keine unangenehmen Situationen zu provozieren. Das Verhalten der Hundebesitzer können schließlich nur diese selbst verändern.

Dem Hund Desinteresse signalisieren

Die Trainerin erklärt: Bei einem unvermeidbaren Hundekontakt sei es tatsächlich schon mal richtig, langsamer zu werden, eventuell sogar stehen zu bleiben. „Hunde finden erst mal alles spannend, was sich bewegt.“ Viele von ihnen würden dann auch schnell das Interesse an der fremden Person verlieren. Wenn nicht, sollte der Passant selbst versuchen, Desinteresse dem Hund gegenüber zu heucheln, sich wegdrehen und vor allen Dingen dem Tier nicht in die Augen blicken.

Das könnte der Hund nämlich wiederum als Angriff verstehen. Im besten Fall ist in der Zwischenzeit der Hundebesitzer an der Seite seines vierbeinigen Begleiters. Spitzt sich aber die Lage weiter zu, zeigt der Hund eine aggressive Haltung (angespannte Muskeln, Kopf nach vorne gestreckt, aufgerichtete Rute), beißt er tatsächlich zu, bleibt weiterhin nur eins: passiv bleiben. Selbst in dem, wie Sonja Pfaff meint, sehr unwahrscheinlichen Fall eines Bisses. Wer sich wehrt, lässt sich auf einen Kampf ein. Das sei wenig ratsam.

Kaum ein Hund will wirklich beißen

Allerdings stellt sie klar: Dass Hunde tatsächlich und mit böser Absicht beißen, komme sehr selten vor. Die wenigsten der Vierbeiner hätten daran Interesse. Hundebesitzer, deren Tiere eine Neigung zum Beißen hätten, wüssten das in der Regel und führten sie deshalb auch an der kurzen Leine. Deshalb müsse man bei allen anderen Tieren keinesfalls von einem grundsätzlichen Beiß-Interesse ausgehen. Vielmehr sei es ratsam, Situationen von vornherein nicht allzu eng werden zu lassen. Dies wenngleich zuallererst die Hundebesitzer gefordert seien, die Situation auf dem jeweiligen Spazierweg im Blick zu behalten und ihr Tier zu sich zu rufen, sobald sich eine unbekannte Person nähere.

Geschehe dies nicht, sei es ratsam von alleine beim Passieren einen coronakonformen Abstand von eineinhalb bis zwei Metern einzuhalten. Wer sich sehr unsicher fühlt, sollte den Hundebesitzer freundlich bitten, das Tier zu sich zu rufen, um dann so lange zu warten, bis der Hund von seinem Besitzer abgeholt wird. Das gelte natürlich vor allen Dingen für den Fall, dass der Sportler sich von hinten nähert.

Rennradfahrer sorgen wiederum bei Gassigehern für Stress

Nach dem Dafürhalten von Sonja Pfaff ist es nicht unbedingt nötig, dass der Hund an die Leine genommen wird, weil ein Sportler vorbeikommt. Hunde, die folgsam neben Herrchen oder Frauchen liefen, blieben dort auch für gewöhnlich. Dann können unsichere Fremde einfach weitergehen.

Aus Perspektive der Hundebesitzer sind übrigens schnelle Radfahrer das größere Problem. Auch sie sind aktuell häufiger denn je auf den Waldwegen unterwegs und schießen oft von hinten und ohne Ankündigung in wirklich hoher Geschwindigkeit an Hundebesitzern und ihren Tieren vorbei. „So schnell kann man dem Hund gar keine Kommandos geben“, weiß Sonja Pfaff. Das berge auch eine gewisse Unfallgefahr, wenn beispielsweise der Vierbeiner spontan die Seite wechsele oder den Weg quere. Auch für Radler gelte deshalb: Auf sich aufmerksam machen und in einem vernünftigen Tempo an Hund und Hundebesitzer vorbeifahren.

Bevölkert wie nie sind die Rad- und Spazierwege seit Beginn des erneuten Lockdowns. Immerhin, wer Sport machen will, muss raus. Fitnessstudios, Kurse an der Volkshochschule, das Training im Sportverein – all das ist nur noch eine Erinnerung an längst vergangene sportliche Zeiten. Also heißt’s, Laufschuhe an und raus auf die Rennbahn. Allerdings, je weiter die Sportler die Siedlungen verlassen, umso häufiger begegnen sie Hunden, gerne auch ohne Leine, die mehrere Hundert Meter entfernt von

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