Schorndorf

Jugendliche feiern und stecken das Haus in Brand

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Ein Jugendlicher wird über die Steckleiter aus dem brennenden Haus gerettet, die Schorndorfer Drehleiter bringt weitere Menschen aus dem oberen Stockwerk in Sicherheit, das DRK steht schon bereit: Großes Aufgebot in der Urbacher Mitte bei der Übung von Feuerwehr und DRK. © Schneider/ZVW
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Feuerwehruebung
Beleuchtungstechnik aus dem neuen Gerätewagen (hinten im Bild), der bei der Übung seine Einsatz-Premiere hatte. © Gaby Schneider

Urbach. Die Urbacher Feuerwehr hatte in diesem Jahr bereits viel zu tun. Schon 34 Mal wurden die Einsatzkräfte der freiwilligen Truppe alarmiert, dabei auch zu zwei Großbränden. Der Rauch, der am Samstag im Urbacher Zentrum waberte, war aber nur Theaterrauch. Die Feuerwehr und das DRK übten mit großem Aufgebot und boten dabei zahlreichen Zuschauern ein Spektakel.

Immer wieder faszinierend, zu erleben, wie zutreffend die Redewendung „schnell wie die Feuerwehr“ ist: Schon um 16.06 Uhr, sechs Minuten nach der Alarmierung, rauscht das erste rote Fahrzeug die Urbacher Hauptstraße entlang und biegt in der Ortsmitte in die Schießgasse ein, wo Qualm aus den Fenstern des verlassenen Gebäudekomplexes vor dem Parkplatz am Rathaus quillt. Aus dem Fahrzeug springt Einsatzleiter Kai Schneider, er wird gleich von einem mit den Armen rudernden jungen Mann in Empfang genommen, der aufgeregt in Richtung der Fenster des qualmenden Hauses gestikuliert. Dort sind weitere Jugendliche zu sehen, die eingeschlossen sind.

Danach geht es Schlag auf Schlag, im Minutentakt treffen unter lautstarkem Sirenengeheul weitere Fahrzeuge ein, darunter auch zwei des DRK, die Drehleiter der Feuerwehr Schorndorf und mit einer Premiere: der neue Gerätewagen Logistik der Urbacher. Dieser steht erst seit Mai im Gerätehaus der Feuerwehr. „Er hat heute seine Feuertaufe“, sagt Zugführer Peter Braun, der am Mikrofon das Übungsgeschehen für die Zuschauer kommentiert und erläutert.

Das Szenario ist Folgendes: Jugendliche haben gefeiert, wollten sich zu später Stunde noch etwas kochen, haben aber das Essen auf dem Herd vergessen. Realistischerweise geht das Szenario davon aus, dass es sich um einen Nachteinsatz handelt. Aus dem neuen Gerätewagen werden daher unter anderem auch Scheinwerfer geladen und aufgebaut, um den Einsatzort auszuleuchten.

Mit den Rollcontainern aus dem Gerätewagen, die die Ausrüstung enthalten, sind die Feuerwehrleute, wie Kommentator Peter Braun erklärt, hochflexibel und können, zum Beispiel bei einem Unwetter, mehrere Einsatzorte gleichzeitig bedienen. Außerdem können die Einsatzkräfte einfacher längere Löschstrecken aufbauen, das heißt, lange Leitungen legen, um entlegenere Teile Urbachs auch gut zu erreichen.

„Nicht, dass sie beim ersten Blutstropfen umfallen“

Für Realismus sorgt bei der Übung in Urbach auch das Spiel der sechs Opfer-Darsteller, die aus der Jugendfeuerwehr rekrutiert wurden. Sie gehen voll in ihren Rollen auf, auch die Optik stimmt: „Wir haben die Verletzten als Rauchgasvergiftungen geschminkt“, sagt Sabine Wünsch vom DRK, die auf realistische Notfalldarstellung spezialisiert ist und Darsteller bei Übungen präpariert. „Um den Einsatzkräften die Möglichkeit zu geben, sich bei den Übungen an die Aufgaben zu gewöhnen“, erklärt sie. „Nicht, dass sie beim ersten Blutstropfen umfallen.“

Bei der Übung in Urbach bleiben alle standhaft. Alles läuft so, wie es soll, die Verletzten werden gerettet, mit Steckleiter und Drehleiter, und vom DRK in einem Zelt erstversorgt, der Brand gelöscht.

Retter zeigen ihre Schlagkraft

Beeindruckt zeigen sich Kämmerer Markus Schwarz und die ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreterin Ursula Jud, die für die Gemeinde bei der Übung dabei sind. Jud meint: Es sei mal wieder demonstriert worden, „was für eine schlagkräftige Feuerwehr wir haben. „Wenn etwas passiert, können wir sicher sein, dass alles getan wird, um uns aus einer unsicheren Lage wieder eine sichere zu geleiten.“

Das verspricht auch Kommandant Michael Hurlebaus: „Wir sind für sie da: 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr.“ Er hoffe aber, sagt er an die Zuschauer gewandt, „dass wir nie zu Ihnen nach Hause kommen müssen.“

34-mal musste die Feuerwehr Urbach in diesem Jahr bereits ausrücken, darunter waren zwei große Brände und mehrere schwere Verkehrsunfälle. Es ist jetzt schon ein extrem einsatzreiches Jahr (zum Vergleich: 2017 waren es insgesamt 37 Einsätze). Hurlebaus rät jedoch: „Lieber einmal zu früh die Feuerwehr rufen.“ Bevor man selbst Löschversuche unternehme, solle man zunächst immer den Notruf wählen.

Schwenkbratenfest

Am Sonntag, 26. August, kann man die Urbacher Feuerwehr wieder in Aktion erleben: Dann gibt es im Rahmen des jedes Jahr stattfindenden Schwenkbratenfests auch wieder eine Schauübung. Festbeginn ist um 11 Uhr.