Schorndorf

Kanu-Route: Remshalden steigt aus

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Kanu-Route: Gibt es noch Hoffnung für Remshalden? © maps4news24.com / Gemeinde Remsh

Remshalden. Es hatte sich angedeutet, doch für manche war es trotzdem „unglaublich“: Eine Mehrheit im Remshaldener Gemeinderat will nicht, dass die Gemeinde beim Gartenschau-Projekt „Kanu-Wandern auf der Rems“ mitmacht. Die Bedenken betrafen die Kosten, den Naturschutz und die Frage: An wie vielen Tagen im Jahr kann man auf der Rems überhaupt Kanu fahren?

Das Projekt ist eigentlich kein typisches Gartenschauprojekt, die Pläne dazu gab es schon vorher, sie wurden unabhängig davon vorangetrieben. Das Großereignis 2019 und die Fördergelder, die es mitbringt, waren für die beteiligten Kommunen die willkommene Gelegenheit, das Projekt konkret anzugehen. Skeptische Stimmen gab es von Anfang an, auch in Remshalden. Sie haben sich jetzt im Gemeinderat am Ende durchgesetzt: knapp mit zehn zu acht Stimmen.

Bürgermeister Stefan Breiter sprach am Beginn der Diskussion von einer „fatalen Botschaft“, wenn Remshalden bei dem interkommunalen Projekt „den Stecker zieht“, und warb für die Zustimmung. Um die Skeptiker im Gemeinderat zu überzeugen, war noch mal vieles an der ursprünglichen Konzeption umgeplant und abgespeckt worden. Das Konzept sei im Bezug auf Remshalden „darauf ausgerichtet, dass die Kosten so gering wie möglich sind“, sagte Martin Groeger, der im Bauamt zuständig ist. Die Baukosten mit Baunebenkosten, die auf Remshalden zugekommen wären, beziffern sich der Kostenschätzung zufolge auf rund 50 000 Euro. Davon hätte die Region Stuttgart mit Fördermitteln voraussichtlich 50 Prozent übernommen. Ökologische Untersuchungen (geschätzt 10 000 Euro) und Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur (noch nicht bezifferbar) wären noch oben drauf gekommen.

Das ist zu viel Geld, fanden viele Gemeinderäte. Einerseits grundsätzlich in der aktuell angespannten Haushaltssituation. Andererseits in Bezug auf die Kosten-Nutzen-Rechnung. Denn das organisierte Kanu-Fahren auf der Rems ist nur unter Einschränkungen möglich. Aus Naturschutzgründen hat man sich während der Laich- und Schonzeit der Fische auf ein Fahrverbot von März bis Mitte Juni verständigt. Man gehe deswegen davon aus, so Martin Groeger, dass man von Mitte Juni bis Ende August auf der Rems unterwegs sein könnte. Außerdem sollen ein minimaler und ein maximaler Pegelstand festgelegt werden, innerhalb derer der Fluss freigegeben ist. Als Minimum ist laut Martin Groeger ein Pegelstand von 55 Zentimetern im Gespräch.

Mehrere Räte bezweifeln jedoch, dass so ein Pegelstand oft erreicht wird. „Juli und August sind trockene Monate“, sagte Sigrid Pressel (Freie Wähler/FDP). „Dann kann bei uns nicht gefahren werden.“ Da sehe sie den Nutzen nicht, so viel Geld zu investieren. Sie kennt außerdem einen Kanu-Fachmann, der sage: Das regelmäßige Befahren der Rems sei nicht möglich.

Es werde schon gespottet, dass es in Remshalden bald einen neuen Sport gebe, sagte Ursula Zeeb (Alternative Liste): Boottragen. Sie bezweifelte ebenfalls, dass sich die Rems eignet, um dort Kanu zu fahren. Die ALi ist außerdem aus Artenschutzgründen gegen das Projekt. „Wenn die Leute auf der Rems paddeln wollen, dann dürfen sie das auch heute schon“, so Zeeb. Wenn das nicht viele seien, dann stelle das für den Naturschutz kein Problem dar. Aber es werde eines, wenn es beworben werde und Veranstalter viele Menschen herholen würden. „Zu viel Rummel“, befürchtete auch Margret Single (SPD).

Schädel: Für ein Naturerlebnis müssen Menschen in die Natur

Die Befürworter der Kanu-Route saßen in den Reihen der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV). „Es ist klar: Wo ich ein Naturerlebnis schaffe, da muss ich Menschen in die Natur reinlassen, da wird die Natur beeinträchtigt“, sagte BWV-Rat Tobias Schädel. Er glaube jedoch, dass es so passen könnte. Selbst, wenn es nur zwei Monate wären: „Ich sehe es nicht so, dass es das Geld nicht wert wäre.“

Auch sein Fraktionskollege Roland Schanbacher erkannte einen „Mehrwert“, auch über die Gartenschau hinaus. Außerdem finde er es „schade, wenn die Gemeinde Remshalden den Stecker zieht und die umliegenden Kommunen im Regen stehenlässt“. Es gebe andere interkommunale Projekte, aus denen sich Remshalden ausklinken könnte, ohne dass diese gleich gefährdet wären.

Karl Angele (BWV) erinnerte an einen anderen Aspekt: Bei der Bürgerbeteiligung wäre eine große Zahl der Remshaldener Bürger für eine Kanu-Route gewesen. Angele bekundete nach der Abstimmung kopfschüttelnd sein Missfallen über die Haltung seiner Ratskollegen: „Unglaublich!“ Bürgermeister Stefan Breiter zog ein eher nüchternes Fazit: „Damit ist es erledigt.“

Kanu-Fahren auf der Rems

Die interkommunale Kanuroute sollte auf einer Länge von 14 Kilometern zwischen Winterbach und Waiblingen verlaufen.

Wie Waiblingen und Weinstadt nun weitermachen bleibt bislang offen. Waiblingen vertagte den Beschluss über die Kanustrecke. Mehr dazu lesen Sie in unserer Donnerstagsausgabe (29.9.) oder schon heute Abend ab 18.30 Uhr in unserem E-Paper.