Schorndorf

Karl Winkler hat schon 45 Mäusen das Leben gerettet

Mäuse
Im ehemaligen Wohnzimmer im ersten Stock seines Hauses bietet Karl Winkler im Moment fünf Mäusen ein großzügiges Zuhause und Abenteuerspielplatz in einem. © ALEXANDRA PALMIZI

Für Karl Winkler sind Mäuse kein Hobby, sie sind für ihn eine Lebenseinstellung. Und das wäre ihm womöglich selbst nie klar geworden, wenn seinem Sohn vor ein paar Jahren nicht der Computer wichtiger gewesen wäre als seine vier kleinen Nagetierchen. „Ich habe mein Herz dran verloren“, sagt der 62-Jährige, der 45 Jahre lang als Statistiker beim Land Baden-Württemberg beschäftigt war und zu Hause eigentlich immer Katzen hatte. Seit einem Jahr ist er pensioniert – und kann sich endlich voll und ganz den Mäusen widmen.

Zwei Stunden am Tag hat er mit ihnen zu tun, mit der Gehegepflege, mit dem Füttern und dem Beschäftigungsprogramm. Da alle vier Wochen ein einwöchiger Putzeinsatz nötig ist, sind Urlaubsfahrten mittlerweile gestrichen. Und beim Tierarzt, sagt Winkler, „habe ich ein Abo“. Welcher enorme Aufwand mit den kleinen Tieren verbunden ist, das klarzumachen, ist Winkler wichtig. Schließlich will er alles, nur keinen Mäuse-Boom auslösen.

Suche nach Gebraucht-Mäusen

In Tierheimen, in Zeitungsanzeigen und im Internet macht er sich auf die Suche nach Gebraucht-Mäusen, die er retten kann. In sechs Jahren hat er schon 45 bei sich aufgenommen – und, wenn’s so weit war, auf seinem Gütle beerdigt. Im Moment kümmert er sich um fünf ältere Mäusedamen: Nicki, Melanie, Nelly, Betsy und Lilly sind alle ein Jahr und einen Monat alt. Im Mäusezimmer im ersten Stock seines Hauses in Haubersbronn können sie es sich in den Gehegen mit den Holzhüttchen, den Nischen, Holzleitern, Brücken, Laufrädern, Kork- und Plastikrohren auf drei Etagen gutgehen lassen. Mäuse in Mini-Boxen und dann auch noch ohne Artgenossen zu halten, das ist für Karl Winkler ein Unding: „Eine Maus braucht mindestens einen Quadratmeter Platz.“ Genauso wenig haben die Tiere aus seiner Sicht etwas in Kinderzimmern zu suchen: „Mäuse sind kein Spielzeug, das sind Persönlichkeiten.“ Als Dämmerungstiere, die tagsüber und fast die ganze Nacht schlafen, sind sie sowieso nur kurze Zeit wach. Und: „Sie mögen kein Geschrei.“

Dabei, sagt Winkler, sind die Tiere selbst sehr redselig. Ihr Piepsen, das sich meist im Ultraschallbereich bewegt, allerdings ist für das menschliche Ohr kaum wahrnehmbar. Doch der Haubersbronner Mäusefreund weiß: Es hört sich an wie Vogelgezwitscher – „nur vielfältiger“. Wenn er nach Hause kommt und die Tiere aufgeregt piepsen hört – „es könnte ja der böse Wolf sein“ – antwortet er ihnen mit einem vertrauten Fiepen: alles okay.

Mäuse: Extrem sauber, intelligent und ohne Ende neugierig

Für ihn sind die kleinen Nager, vor denen andere sich womöglich ekeln, äußerst faszinierende Tiere: Mäuse, sagt Karl Winkler, sind „extrem sauber“, sehr reinlich und riechen nur, „wenn man die Gehegepflege vernachlässigt“. Außerdem sind sie intelligent – „aber nur, wenn man ihnen genug Platz gibt“. Sie sind vorsichtig, „ohne Ende neugierig“ und unbestechlich: Von Leckerlis, weiß Winkler, lassen sie sich nicht beeindrucken. Wobei: Die Menüs, die der 62-Jährige den Mäusedamen Tag für Tag kredenzt, sorgen vermutlich schon für eine positive Grundstimmung. Auf kleinen Tellerchen und Schüsselchen angerichtet, gibt es allerlei Körner und Nüsse, Mehlwürmer und Salatblättchen. Tatsächlich fressen ihm die Kleinen sogar aus der Hand. Nur Schokolade steht nie auf dem Speiseplan: Wegen des darin enthaltenen Theobromins, das die Tierchen nicht abbauen können, wär’s für sie ein tödlicher Nachtisch.

Karl Winkler möchte, dass sich die Mäuse bei ihm wohlfühlen. Und dafür legt er sich mächtig ins Zeug: Die drei Gehege in seinem ehemaligen Wohnzimmer, die Mäusestadt und Abenteuerspielplatz in einem sind, bieten Platz für insgesamt 30 Tiere. Damit es den Mäusen nicht langweilig wird, ist Winkler ständig am Umbauen. Um die Verletzungsgefahr zu minimieren, hat er alle Nägel aus den Hütten entfernt und diese dann frisch verleimt. Viele der Häuschen hat er selbst gebaut. Er gibt Kletterparcours und manchmal dürfen die Mäuse sogar einen Ausflug unternehmen – in seiner alten Fleecejacke, die er gerne trägt, wenn er Zeit mit ihnen verbringt. Ein Paradies auf Erden – für Mäuse, die vorher bestimmt kein schönes Leben hatten.

Für Karl Winkler sind Mäuse kein Hobby, sie sind für ihn eine Lebenseinstellung. Und das wäre ihm womöglich selbst nie klar geworden, wenn seinem Sohn vor ein paar Jahren nicht der Computer wichtiger gewesen wäre als seine vier kleinen Nagetierchen. „Ich habe mein Herz dran verloren“, sagt der 62-Jährige, der 45 Jahre lang als Statistiker beim Land Baden-Württemberg beschäftigt war und zu Hause eigentlich immer Katzen hatte. Seit einem Jahr ist er pensioniert – und kann sich endlich voll und

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper