Schorndorf

Keine Fuchs-Schäden mehr am Friedhof

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Lagebesprechung auf dem neuen Friedhof: (von links) Rainer Hackspacher, Hans-Jörg Kaifel und KurtMächtlen. © Benjamin Büttner

Schorndorf. Zufriedene Gesichter beim Ortstermin auf dem neuen Friedhof. „Wir hatten definitiv keinen Schaden mehr“, sagt Friedhofsgärtner und Gemeinderat Kurt Mächtlen beim Ortstermin mit Hans-Jörg Kaifel vom Tierschutzverein und Rainer Hackspacher vom Ordnungsamt. Kaifel: „Die kleinen Füchse haben gelernt, dass es hier Ecken gibt, wo sie nicht graben sollen.“

Eigentlich kann er es gar nicht so recht glauben. „Haben wir jetzt keine Fuchslöcher mehr auf den Gräbern, weil die Maßnahmen gegriffen haben oder weil die Füchse letztes Jahr bejagt wurden?“, fragt FDP-FW-Gemeinderat Kurt Mächtlen. Schätzungsweise 50 Fuchslöcher hatte Mächtlen vergangenes Frühjahr auf dem neuen Friedhof gefunden - immer auf frisch gepflanzten Gräbern. Die Stadt hatte daher Lebendfallen aufstellen lassen und dabei fünf junge Füchse, einen Marder und einen Waschbären gefangen. Die Tiere wurden getötet.

Das wiederum hat den Schorndorfer Tierschutzverein auf den Plan gerufen. „Nicht nachhaltig“ sei dieses Vorgehen, so die Kritik von Hans-Jörg Kaifel. Wie jeder Wildtierexperte weiß: Werden die Füchse getötet oder vertrieben, bezieht im Folgejahr eine neue Fuchsfamilie das Revier. So ist es wohl auch in Schorndorf geschehen, vermutet Hans-Jörg Kaifel. „Nachdem die Jungtiere getötet wurden, sind die Eltern abgewandert, eine neue Familie ist hier eingezogen.“

Und deren Welpen haben im Juni wieder munter begonnen, den Friedhof unsicher zu machen. Denn in der sechsten Woche werden sie abgestillt und bekommen von ihren Eltern zum ersten Mal tote Mäuse vorgesetzt. Die müssen vor den Geschwistern versteckt werden - am besten in lockerer Erde, da gräbt es sich am leichtesten. Mit anderen Worten: in den frisch bepflanzten Gräbern.

Genau hier hat Hans-Jörg Kaifel deshalb seine Maßnahmen in Absprache mit Fuchs-Experten wie Dag Frommhold aus Neuffen angesetzt. Sechs Ultraschallgeräte mit Bewegungsmelder wurden in der Nähe der frisch bepflanzten Gräber aufgestellt. Alle zwei bis drei Tage wurde die Frequenz gewechselt. Für den Menschen sind die Töne nicht zu hören, aber den Füchsen klingt es schrill im Ohr - „das ist sehr unangenehm“, erklärt Kaifel. Die Tiere fühlen sich nicht wohl und suchen sich lieber einen anderen Spielplatz.

Drei solcher „Spielplätze“ hat Hans-Jörg Kaifel den Fuchskindern zusammen mit Kurt Mächtlen vor die Nase gesetzt. „Köderhaufen mit lockerer Erde, in denen sie prima graben können.“ Nicht jedermanns Sache, aber ungemein effektiv: In jedem Erdhaufen werden tote Tagesküken versteckt. Als Belohnung sozusagen. „Und Füchse sind ungemein intelligent. Die merken sich das.“

Vier Wochen im Jahr dauert der Spuk

Vier Wochen im Jahr dauert der Spuk. Dann sind die Fuchswelpen groß genug, um lebende Mäuse zu fressen, und graben keine Blumenbeete mehr auf. Vergangene Woche hat Kaifel die Geräte und Erdhaufen wieder abgebaut.

Der Lerneffekt reicht übrigens bis ins nächste Jahr. Füchse leben nämlich in Familienverbänden aus einem Rüden, einer Füchsin und zwei bis drei weiblichen Tieren, die im Vorjahr geboren wurden, die sich gemeinsam um die Jungen kümmern. „Diese sogenannten Tanten geben das Wissen an die Welpen im nächsten Jahr weiter“, sagt Kaifel. Im nächsten Jahr sollten daher noch mal Köderhaufen angelegt werden, empfiehlt er. „Die Ultraschallgeräte brauchen wir wahrscheinlich nicht mehr.“ Zwei davon wurden ohnehin gleich in der ersten Nacht gestohlen.

Ist das also das Happy End nach der Tötungsaktion im vergangenen Jahr? „Es hat sich bewährt, wir sehen zunächst also erst mal keinen Grund, es künftig anders zu machen“, sagt Rainer Hackspacher, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung. Zumal die Jagd auf Füchse nach dem neuen Jagdgesetz eh bis 1. August verboten ist. Im August richten die Tiere aber längst keinen Schaden mehr an.

Noch einen Schritt weiter geht Gemeinderat Kurt Mächtlen: „Unsere Erfahrungen sind vielleicht auch für andere Kommunen interessant.“ Im Ältestenrat will er das Thema besprechen.

„Die Mäuselöcher waren der Auslöser“

Einiges dazugelernt hat auch Hans-Jörg Kaifel, erzählt er. „In der achten Lebenswoche haben die Welpen die Köderhaufen plötzlich nicht mehr angenommen.“ Kaifel hat die Tiere aber beobachten können - wie die Eltern mit den Jungen in Richtung der Mächtlen-Gewächshäuser marschiert sind und ihnen das Mäusefangen beigebracht haben. „Die Mäuselöcher waren der Auslöser.“ Also hat Kaifel auch in die Köderhaufen ein Loch gegraben und die kleinen Füchse kamen wieder.

Kaifel ist gut vernetzt. Seine Beobachtung hat er den Biologen einer Tierauffangstation in Bayern gemeldet. Die haben es im Versuch mit Jungtieren nachgestellt - und bestätigt. Für Friedhofsbesucher gilt daher: Wer sein Grab gießt, sollte auf jeden Fall eine Gießkanne mit Brauseaufsatz benutzen. Ohne den Aufsatz entsteht leicht ein Loch in der Erde. „Junge Füchse denken, das ist ein Mäuseloch, und fangen an, nach den Mäusen zu graben.“ Ohne Rücksicht auf das frisch gepflanzte Beet.