Schorndorf

Kinder schon wieder ohne Betreuung: Eltern kritisieren den Kita-Streik mitten in der Pandemie

Streik in städtischen Kitas - Schild am Eingang Stadthaus Schorndorf, 07.10.2020.
Hier kommt heute keiner rein: Die meisten städtischen Kindergärten waren am Mittwoch geschlossen. Notgruppen gab es keine. © Benjamin Beytekin

Schon wieder waren etliche Schorndorfer Eltern am Mittwoch ins Home-Office oder zu unfreiwilligen Urlaubstagen verdonnert. Für manche eine kurze Zeitreise zurück in den tiefsten Corona-Lockdown. Acht Kindertageseinrichtungen waren geschlossen. Dies allerdings nicht wegen neuer Pandemie-Ausbrüche, sondern weil die beschäftigten Erzieherinnen und Erzieher am Warnstreik teilnahmen, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Teilweise recht kurzfristig waren die Informationen über den Kitastreik an die Eltern herausgegangen. Während einige Einrichtungen schon am Ende der vergangenen Woche per Aushang über die Schließungen informiert hatten, meldeten sich andere erst kurz vor knapp per E-Mail.

Schlimm für berufstätige Eltern in der Corona-Krise

Eine Mutter, deren Sohn üblicherweise in der Kita Wirbelwind betreut wird und die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist allerdings froh, dass es im Vorfeld überhaupt eine Info zum anstehenden Streik gab. In den Jahren zuvor sei sie auch schon morgens überraschend vor verschlossenen Türen gestanden. Am Dienstagabend um 19.30 Uhr sei die endgültige Mitteilung per E-Mail verschickt worden, dass die Kita am kommenden Tag nicht nur bestreikt werde, sondern dass außerdem auch keine Notgruppe angeboten werde.

So sehr sie sich auch freut, die Nachricht rechtzeitig erhalten zu haben - Verständnis für den Streik hat sie nicht. Immerhin seien die Kitas im Corona-Lockdown wochenlang geschlossen gewesen, gleichzeitig hätten die Erzieherinnen ihre Löhne weitergezahlt bekommen. Und die Eltern hätten in dieser Zeit schon genug Ausfälle zu schultern gehabt. Diesen einen heutigen Schließtag anlässlich des Warnstreiks könne sie aber gut im Home-Office überbrücken.

Abendschicht nach dem Sandmännchen

Weitere kritische Stimmen sind auf Schorndorfs Spielplätzen zu hören. So bringt der Streik eine Mutter, deren Kind sonst täglich im Konnenberg-Kindergarten betreut wird, durchaus in Bedrängnis. Am Vormittag kam der Kleine kurz mit ins Büro, sie wird am Abend nach der Zubettgeh-Zeit noch eine Abendschicht am Computer einlegen. Ihre Begeisterung darüber hält sich in Grenzen, auch wenn sie das Streikrecht natürlich respektiere. Ähnlich sieht’s eine weitere Mutter, die allerdings doch die Frage stellt, ob Streiks im Dienstleistungssektor, überhaupt die richtigen träfen. Immerhin könnten die Eltern, die die Auswirkungen des Streiks stark zu spüren bekämen, an den Umständen selbst nichts ändern. Für sie persönlich ist der Streik gleich auf einen der ersten Tage des Wiedereinstiegs in den Beruf gefallen - ein denkbar schlechter Zeitpunkt, ein spontaner freier Tag kommt da nicht gut an. Welch’ ein Glück, dass die Großeltern spontan einspringen konnten. Dies allerdings unter großem planerischen Einsatz.

Solidarität mit den anderen streikenden Berufsgruppen

Gabriele Schmidt-Klering, Leiterin des Kindergartens Stadthaus, berichtet, dass sie und ihre Kolleginnen es sich sehr lange überlegt hätten, ob sie sich dem Streik anschließen sollten oder nicht. Gerade weil sie wüssten, wie sehr die Familien während der Pandemie strapaziert worden seien. Letztendlich sei aber für die Entscheidung auch ausschlaggebend gewesen, Solidarität mit den anderen streikenden Gruppen zu zeigen. Schließlich gehe es an diesem Warnstreiktag auch um die Besoldung des Pflegepersonals, das während der strengsten Phase des Lockdowns euphorisch beklatscht worden war, inzwischen aber wieder beinahe in Vergessenheit geraten sei. Von den Eltern habe sie keine Kritik an ihrer Aktion gehört.

Sandra Vasilijevic, Vorsitzende des Elternbeirates des Kindergartens Stadthaus, weiß, dass der Schließtag für berufstätige Eltern eine große Herausforderung sei. Wenigstens sei die Information schon vergangene Woche an die Eltern herausgegangen, so dass viele ausreichend Zeit gehabt hätten, eine alternative Betreuungslösung zu finden. Grundsätzlich kann sie gut verstehen, wenn Erzieherinnen und Erzieher für mehr Lohn streikten. Schließlich leisteten sie wirklich gute und wichtige Arbeit, würden aber eindeutig zu schlecht bezahlt. Speziell in der Kita Stadthaus habe man auch in der Corona-Zeit vorbildlich den Kontakt mit den Kindern gehalten und sich viel Mühe gegeben.

Kritik vom Ministerpräsidenten am Zeitpunkt des Streiks

Außerdem geschlossen waren am Mittwoch die städtischen Kindergärten Burgstraße, Aichenbach, Ellenberg, Rasselbande, Konnenberg und Ziegelgraben. Notgruppen gab es keine. Teils hatten die Eltern in den Kindergärten keinen Bedarf angemeldet, hieß es aus den Einrichtungen, teils fehlte ohnehin das pädagogische Personal, um sie für jede Kita einzeln einrichten zu können. Pandemiebedingt können schließlich keine gruppenübergreifenden Lösungen gefunden werden.

Die Kindergärten und Kitas, die nicht städtisch, sondern von freien Trägern betrieben werden, haben in Schorndorf an diesem Mittwoch nicht gestreikt. Zwar orientiert sich die Vergütung ihrer Angestellten ebenfalls an den Löhnen, die im öffentlichen Dienst gelten, sie müssen aber an anderer Stelle verhandeln.

Zu dem Warnstreik an diesem Mittwoch hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Betroffen sind neben Kitas auch die kommunalen Eigenbetriebe und Zweckverbände wie Stadtwerke, Kliniken und Abfallwirtschaft. Verdi fordert für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen eine Anhebung der Einkommen um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte sollen um 100 Euro pro Monat angehoben werden.

Für Ministerpräsident Winfried Kretschmann stehen vor allem die Streiks in Kitas in keinem Verhältnis. Streiks müssten in Normalzeiten wehtun, sonst seien sie sinnlos und wirkten nicht. „In einer Pandemie Kindergärten zu bestreiken, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.“ Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich ist es wichtig, das Streikrecht zu respektieren, selbst wenn aufgrund der Pandemie die Eltern schon stark beansprucht seien. Er begrüßt die rechtzeitige Information der Betroffenen durchdie Kitas und versichert, dass man seitens der Stadt stets bemüht sei, den Betrieb der Kitas aufrecht zu erhalten, auch wenn dies nicht immer gelinge.

Schon wieder waren etliche Schorndorfer Eltern am Mittwoch ins Home-Office oder zu unfreiwilligen Urlaubstagen verdonnert. Für manche eine kurze Zeitreise zurück in den tiefsten Corona-Lockdown. Acht Kindertageseinrichtungen waren geschlossen. Dies allerdings nicht wegen neuer Pandemie-Ausbrüche, sondern weil die beschäftigten Erzieherinnen und Erzieher am Warnstreik teilnahmen, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Teilweise recht kurzfristig waren die Informationen über den

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