Schorndorf

Kleines Weihnachtswunder hinterm Hundesalon: Wie Betreiberin Sabine Fänder Künstlern aus der Region eine Plattform für einen Adventsmarkt bietet

Adventsmarkt Fänder
Sabine Fänder hat mit Künstlern und Handwerkern einen kleinen Adventsmarkt im Event-Glashaus auf die Beine gestellt. © Benjamin Büttner

Der erste Lockdown wegen der Corona-Pandemie ist Sabine Fänder, die ihren Hundesalon Fellwechsel im Gewerbegebiet Siechenfeld betreibt, noch sehr präsent: „Wir waren verunsichert, weil wir überhaupt nicht wussten, was das für uns bedeutet und in welche Sparte wir überhaupt gehören.“ Fakt war: Termine mussten auf unbestimmte Zeit abgesagt, der Hundesalon zunächst geschlossen werden. Zum Glück sei die Schließung nur von kurzer Dauer gewesen: Eine Woche war der Hundesalon dicht. Fänder war bewusst, dass viele Hundebesitzer ihre Vierbeiner selbst scheren. „Ich habe zig E-Mails an die Regierung verfasst und auch aus Sicht des Tierschutzes gesprochen, was man bedenken sollte, wenn man ein Hundefell nicht richtig pflegen kann“, erzählt Sabine Fänder. Auf Unwissenheit und Erstaunen sei sie gestoßen.

Als dann die Lockerungen ausgesprochen wurden, und der Hundesalon wieder öffnen durfte – „wir gelten als gestattet“, fügt Fänder ein – seien die Kunden mehr als dankbar gewesen, dass ihr Tier wieder den nötigen Fellschnitt bekommt. Aber es sei auch ein Kraftakt gewesen. Mitarbeiterin Steffi Sauer organisierte teilweise von zu Hause aus die abgesagten Termine neu, kontaktierte die Kunden und versuchte, all das, was aufgeschoben werden musste, ordentlich zu koordinieren. „Ein Kraftakt, aber wir haben es geschafft.“

Blickkontakt mit Welpen durchs Fenster

Hygienemaßnahmen und Vorkehrungen, keinen Kundenkontakt zu haben, konnten ohne weiteres umgesetzt werden. „Wir haben im hinteren Bereich des Hundesalons zum Glück zwei Türen. Das funktionierte wie eine Art Schleuse“, beschreibt Fänder die Umsetzung. Die Tierhalter hätten die Außentür geöffnet, den Hund im Übergang platziert, die Türe wieder geschlossen, so dass dann Sabine Fänder die Innentür öffnete und den Hund in Empfang nahm. „Das lief super. Auch wenn das Tier erst manchmal sein Herrchen vermisst hat.“ Für die Behandlung von Welpen oder neuen Hunden hatte das Team zudem einen tollen Einfall: Die Besitzer konnten während der Behandlung durch ein Fenster von außen zuschauen, was mit dem Tier passiert und das Tier konnte somit immer Blickkontakt halten, wenn es verängstigt war. „Das hat sowohl dem Tier wie auch dem Besitzer gutgetan“, hat Fänder beobachtet.


Sie selbst sei dankbar, wie es für sie laufe. „Andere Branchen haben sehr zu kämpfen.“ Besonders merke sie das auch, was Veranstaltungsbuchungen angeht. Denn angrenzend an den Hundesalon befindet sich das Event-Glashaus, das in diesem Jahr so gut wie nicht genutzt oder vermietet werden konnte. Was tun mit dem Raum, der ansonsten Platz für Hochzeiten, Familienfeiern, Business-Veranstaltungen oder Feste bietet? „Das lag und liegt ja alles brach, weil nichts gemacht werden darf.“

Also haben Sabine Fänder und ihr Mitarbeiter-Team Ende Oktober, Anfang November eine Maschinerie in Gang gesetzt und Künstler aus der Region kontaktiert, um eine kleine Adventsverkaufsausstellung auf die Beine zu stellen. „Dann war es fast ein Selbstläufer, weil die Künstler untereinander vernetzt sind. So hatten wir dann schnell eine schöne Auswahl zusammen“, erzählt Steffi Sauer.

Rund elf Stände sind nun im Glashaus hinter dem Hundesalon aufgebaut – liebevoll geschmückt und mit allerlei Hinguckern. „Hundehalter, die nicht bei der Behandlung ihres Tieres dabei sein möchten, haben die Möglichkeit, sich währenddessen das Adventsmärktle anzuschauen“, sagt Fänder. Derzeit ist es wieder möglich, dass Hundebesitzer im Behandlungsraum mit dabei sein können – allerdings nur mit Mund-Nasen-Schutz. „Das ist anstrengend“, gibt Sabine Fänder zu. Denn dann müsse auch sie den Mundschutz tragen: „Da lässt es sich gar nicht vermeiden, dass ich dann auch Hundehaare in die Maske bekomme, die muss ich dann immer zwischendrin ausschütteln.“ Viele der Kunden hätten „das aber aus der strengen Corona-Zeit mitgenommen, dass sie in der Zeit, in der ihr Hund behandelt wird, einiges erledigen können“. Auf dem Adventsmärktle lasse sich das eine oder andere Weihnachtspräsent sicher noch finden, sagt Fänder und betont: „Und für die Handwerker und Künstler ist es eine große Unterstützung, denn vieles ist bei dieser Branche weggebrochen.“ Unteranderem stehen kleine Engelchen der Remstal-Werkstätten am Eingang der Ausstellung, daneben ausgefallene LED-Flaschenlichter mit Verziehrungen. Das Start-up-Unternehmen von Adeline und Dominique präsentiert individuelle Grußkarten und Papeterie. „Manche haben natürlich ihren Betrieb“, sagt Steffi Sauer und verweist auf „Mias Feinkost“ aus Rudersberg. Das Genussunternehmen ist mit Bruschetta, Dips und Essig vertreten. „Solchen Firmen fehlen natürlich Märkte und so weiter“, sagt Sauer. Sie selbst findet die Taschen aus Chipstüten kurios, die in verschiedenen Größen aufgestellt sind. Für eine kleine eindrucksvolle Bilderausstellung sorgt Petra Doppelbauer. Die Schorndorfer Künstlerin bietet einige ihrer Werke an. Unter dem Titel „Waldglanz“ gibt es Schmuck und Deko aus recycelten Edelhölzern und Liegendhölzern der Schreinerin und Schmuckkünstlerin Lea-Philine Ruoss aus Berglen. Liebevolle Holzfiguren und selbst gestrickte Socken gibt es ebenso wie Marmelade und Honig. Ein Dufterlebnis wird außerdem geboten: Familie Marotta bietet „Kronseifen aus Cronhütte“ – in jeglichen Farben und Formen. „Das Schöne ist: Hier ist viel Nachhaltiges auf dem Adventsmärktle zu finden“, sagt Sabine Fänder abschließend.

Der erste Lockdown wegen der Corona-Pandemie ist Sabine Fänder, die ihren Hundesalon Fellwechsel im Gewerbegebiet Siechenfeld betreibt, noch sehr präsent: „Wir waren verunsichert, weil wir überhaupt nicht wussten, was das für uns bedeutet und in welche Sparte wir überhaupt gehören.“ Fakt war: Termine mussten auf unbestimmte Zeit abgesagt, der Hundesalon zunächst geschlossen werden. Zum Glück sei die Schließung nur von kurzer Dauer gewesen: Eine Woche war der Hundesalon dicht. Fänder war

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