Schorndorf

Kleinstfahrzeuge für den Stadtverkehr

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Ein E-Scooter. © ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf.
Das Projekt „Reallabor“, bei dem es um den flexiblen Einsatz von Bussen ging, ist Vergangenheit und fürs erste tot, es lebe das Projekt „Mikromobilität“, mit dem die Stadt wieder einmal zumindest konzeptioneller Vorreiter sein könnte, wenn es um „nachhaltige Mobilitätslösungen für die Stadt von morgen“ geht. So nämlich die genaue Betitelung des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen Projekts, bei dem die Stadt Schorndorf zum Zug gekommen ist und bei dem es darum geht, gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Forschung ein Konzept für den Einsatz von Mikromobilität als Ersatz für den innerstädtischen Autoverkehr zu erarbeiten und dieses anschließend möglichst auch zu erproben.

Es gehe, so Bürgermeister Thorsten Englert im Rahmen eines Pressegesprächs, darum, wie – zumal in einer Stadt wie Schorndorf mit einem ganz zentral platzierten Bahnhof – die berühmte „letzte Meile“ zwischen Bahn und Bus und dem gewünschten Ziel und umgekehrt bewältigt werden könne. Welche Mikromobile da und mit welcher Organisationsform sinnvollerweise zum Einsatz kommen könnten, das soll zunächst einmal im Rahmen einer mit knapp 100 000 Euro geförderten Konzeptphase untersucht und diskutiert werden. Außer Fahrrädern, Pedelecs und weiteren Kleinstfahrzeugen sind auch E-Scooter eine denkbare Alternative, weshalb zu den Projektpartnern außer dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt, das auch schon beim Reallabor federführend dabei war, der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, der „e-mobil BW“ GmbH, der Gruppe Verkehr der Lokalen Agenda, der SG Schorndorf und dem VVS auch die in München beziehungsweise Leonberg sitzende Firma Yorks – FELE GmbH & Co. KG gehört, die als ursprünglich sehr automobillastiger Ingenieur-Dienstleister für sich in Anspruch nimmt, den „kompaktesten E-Scooter made in Germany“ anbieten zu können. Wobei das Unternehmen laut Dominik Neyer bislang noch stark auf den Endkunden fixiert und selber gespannt ist, wie eine auf eine Stadt wie Schorndorf zugeschnittene Lösung – eventuell mit festen Verleih- und Abgabestationen – aussehen könnte. Eine Verbindung nach Schorndorf gibt es schon: Der Antrieb für den Yorks-E-Scooter kommt von der Firma Akku Power.

Bei der Mikromobilität sollte es anders laufen als beim Reallabor

„Ein Stück weit stolz“ und „dankbar für die hochkarätige Besetzung des Projekts“ seien er und die Stadt, sagte Bürgermeister Thorsten Englert, der wie alle Beteiligten hofft, dass es nach der Konzeptphase auch Fördermittel für die Erprobungsphase gibt. Der Schorndorfer Dr. Rolf Reiner von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart ist da ganz optimistisch: „Wenn es aus diesem Topf nicht geht, finden wir einen anderen für die Anschubfinanzierung“, meinte er und verwies darauf, dass das Thema Mikromobilität bei Städten in der Größenordnung von Schorndorf noch nirgends in dieser Tiefe untersucht worden sei, wie es bei diesem Projekt möglich sei. Man habe aber gerade beim Reallabor mit dem System „Bus auf Anforderung“ gesehen, wie lange es dauere, bis so ein nachhaltiges Angebot akzeptiert sei, und was es bedeute, wenn so ein Konzept dann erst einmal wieder in der Schublade verschwinde. „Das sollte bei der Mikromobilität anders laufen“, sagte Reiner – ganz im Sinne auch von Diana Gallego Carrera und Maite Galagorri, die das Projekt auf Seiten der Stadt betreuen.

Am 31. Januar gibt es eine Auftaktveranstaltung

Vier Arbeitspakete gilt es laut Diana Gallego Carrera zu bearbeiten. Beim ersten geht es um die Bestandsaufnahme und die Erörterung der Ausgangssituation mit Blick auf Mobilitätsangebote, Soziodemografie, Mobilitätsbedarfe und Akteurskonstellationen in Schorndorf. Darüber hinaus soll in dieser frühen Phase auch schon das Interesse der Bevölkerung an der aktiven Mitwirkung geweckt werden. Aus diesem Grund wird sich das Projektteam auch am Sonntag, 22. März, beim Frühlingserwachen unter dem Themenschwerpunkt „Rund ums Rad“ vorstellen und Mikromobile zum Testen und Anschauen mitbringen. Und schon vorher, nämlich am Freitag, 31. Mai, von 16 bis 17.30 Uhr gibt es im Rathaus eine Projektauftaktveranstaltung mit einer von Dr. Rolf Reiner moderierten Podiumsdiskussion, auf die Prof. Dr. Barbara Lenz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit einem Impuls zum Thema „Mikromobilität als Baustein für zukünftige urbane Mobilität“ hinführt.

In einem zweiten Schritt sollen mittels der Betrachtung von Beispielen aus anderen Städten Barrieren und Erfolgsfaktoren für die Einführung von Mikromobilen und Kleinstfahrzeugen identifiziert und mit Blick auf einen potenziellen Einsatz in Schorndorf analysiert und bewertet werden. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sollen dann die Grundlage sein für die Durchführung einer Bürgerbeteiligungskonferenz, bei der es darum gehen soll, die Mobilitätsbedürfnisse der Bürger zu eruieren und zu erörtern und diese zu Mobilitätsszenarien zu verarbeiten. Und dabei soll sich dann im weiteren Verlauf ein Szenario herauskristallisieren, das in der Projektphase 2 real erprobt werden könnte. Der Vorbereitung dieser Erprobungsphase dienen auch die Arbeitspakete 3 und 4, bei denen es unter anderem um die Auswahl von geeigneten Fahrzeugen sowie um Kommunikation – intern wie extern – und um Öffentlichkeitsarbeit geht.

Was die möglichen Auswirkungen dieses Projekts angeht, so könnte sich Thorsten Donn vom Fachbereich „Stadtentwicklung und Baurecht“ durchaus vorstellen, dass auch das Baurecht tangiert wird. In der Form nämlich, dass künftig ganz anders diskutiert und entschieden werden könnte, wenn es bei Bauprojekten um die erforderliche Anzahl von Stellplätzen geht.

Schorndorf.
Das Projekt „Reallabor“, bei dem es um den flexiblen Einsatz von Bussen ging, ist Vergangenheit und fürs erste tot, es lebe das Projekt „Mikromobilität“, mit dem die Stadt wieder einmal zumindest konzeptioneller Vorreiter sein könnte, wenn es um „nachhaltige Mobilitätslösungen für die Stadt von morgen“ geht. So nämlich die genaue Betitelung des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen Projekts, bei dem die Stadt

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