Schorndorf

Kreativ in Corona-Zeiten: Keramik reist im Koffer durchs Land

ZinkundZauber
Kathrin Buhl-Bereket macht mit ihren Kindern vor, wie viel Spaß Keramik bringen kann. © Gaby Schneider

Immer samstags werden die Koffer gepackt. Mit Farben, Pinsel, Schablonen und einer Auswahl an Müslischalen, Bechern oder Väschen. Ein wenig Bullerbü in Form einer Keramikwerkstatt, die auf Reisen geht, verheißt die Website. Und diese Idee erfreut sich, geboren in Coronazeiten, guter Nachfrage. Sehr zur Erleichterung der Inhaberin von „Zink und Zauber“.

Kathrin Buhl-Bereket trug die Idee einer „Keramik2go“ schon länger mit sich herum und nun war unversehens die Zeit, quasi über Nacht, dazu reif. Was sonst tun? Die „zauberhafte“ Malwerkstatt, seit rund einem Jahrzehnt in Haubersbronn etabliert, liegt verwaist und darf nicht geöffnet werden. Ordnungsamt und IHK haben sehr freundlich reagiert, eine wirkliche Einordnung und konkretes Vorgehen: Fehlanzeige. Die Mutter zweier Kinder und verantwortlich für zwei Minijobberinnen musste handeln.

Jetzt reisen seither über zehn dieser gepackten Koffer durch die Bundesrepublik. „Ja, bis aus Frankfurt und weiter kommen Kunden“, sagt Buhl-Bereket. „Das Glück kommt eben beim Malen“, sagt sie und warnt verschmitzt: „Das Malen, das hat Suchtfaktor.“

Retour kommen die Kunstwerke am besten donnerstags, denn da ist Brenntag. Die beiden großen Öfen müssen reichlich bestückt werden, lehrt die Erfahrung. Freitags werden die Klappkoffer geputzt, aufgefüllt und ergänzt um die individuellen Wünsche und Stücke, dann wieder samstags versandt oder auf Wunsch an der Tür zur Abholung bereitgestellt. Ganze Familien, auf der Suche nach sinnvollen und sinnstiftenden Tätigkeiten in diesen Zeiten, ordern für zu Hause. „Sie sitzen um den Tisch und malen. Auch diejenigen, die glaubten, dies gar nicht zu können“ so die Inhaberin. Ein ganzes „Coronageschirr“ ist schon auf diese Weise entstanden.

Schablonen und Stempel

Unterstützung bekommt, wer möchte: Motive, Schablonen, Stempel stehen bereit. Ein kurzer Anruf und Anregungen gibt’s zuhauf. Auch Kim Hoss, die mit ihrem Blog berühmt gewordene Grafikdesignerin aus Stuttgart hat eine kleine Serie entworfen.

Nachhaltig das Material und aus kleinen Manufakturen, ungiftig die Farben und Möglichkeiten ohne Grenzen, so lädt die Website der Malwerkstatt zur Kreativität ein. „Die fertig lasierten Arbeiten in der Hand zu halten, zaubert immer ein Lächeln ins Gesicht“, freut sich Buhl-Bereket. Denn nach dem Brand sehen die Tassen, Tortenplatten, Schalen und Geburtstagsgeschenke einfach noch schöner aus.

Die Nachfrage zeigt, dass die Menschen offensichtlich nach solch kreativen Beschäftigungen suchen. „Jetzt dürfen ja auch zwei Familien zusammensitzen und malen“, so die Manufakturinhaberin.

Die Realität in Zahlen lautet allerdings ernüchternd: Rund ein Drittel des üblichen Umsatzes lässt sich so generieren. Ein Schicksal, das „Zink und Zauber“ mit vielen in diesen Tagen gemein hat. „Doch im Nachhinein weiß man, für was das gut war“, fügt sie tapfer hinzu und lächelt.