Schorndorf

Laubsauger gefährden Tiere

Igel im Laub
Laubhaufen sind für Igel optimale Winterquartiere. © Pixabay.com

„Whooooom“, ein Laubbläser und -sauger kommt auf rund 100 Dezibel und ist damit fast so laut wie ein Presslufthammer. Manch einer wird damit morgens von seinem Nachbarn aus dem Schlaf gerissen. Doch für kleine Tiere wie Igel, Vögel oder Insekten sind besonders Laubsauger nicht nur ein Ärgernis, sondern eine echte Gefahr.

Laubsauger funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie der heimische Staubsauger, nur eben in der Natur. Mit dem Luftstrom werden allerdings nicht nur Blätter, sondern auch Käfer, Spinnen, Tausendfüßer, Asseln und andere Kleintiere hineingesaugt. In Geräten mit Häckselfunktion werden die Tiere außerdem sogar zerstückelt. Naturschutzverbände äußern sich daher oft kritisch gegenüber solchen Gerätschaften. Der Schorndorfer Naturschutzverband (Nabu) hält besonders von den Saugern wenig. Nabu-Sprecher Wolfgang Bogusch erklärt: „Laubsauger sind grundsätzlich schädlich und überwiegend tödlich für alle Kleinlebewesen, die sich im Herbst im Laub aufhalten.“

„Ich persönlich verwende Besen und Schaufel und lasse aber auch viel Laub einfach liegen“, erklärt er. Denn diversen Lebewesen diene das Laub als Unterschlupf und einigen Vögeln als Nahrungsquelle. Der Naturschützer beobachtet in der Natur, wie etwa Amseln jedes Laubblatt umdrehen und dort nach Nahrung suchen.

Aus Sicht von Naturschützern sind die Tiere die besten Freunde des Gartens, weil sie dort für einen gesunden Boden sorgen. Denn auch wenn das Laub so manchem Hobby-Gärtner ein Dorn im Auge ist, gelten die vielen Blätter als guter Dünger und schützen den Boden und die Lebewesen vor Frost. Es sei für viele kleine Gartenbewohner vorteilhaft, wenn nicht das ganze Laub wegkomme. Bogusch rät: „Ruhig mal eine Ecke mit verblühten Blumen und Altgräsern stehen lassen“. Dann könnte man auch mal beobachten, wie ein Fink an einer Distel die Samenkörner herauspickt.

Für den Einsatz von Laubbläsern hat Bogusch Verständnis

Weniger streng bewertet Bogusch den Einsatz von Laubbläsern, mit denen das Laub einfach zusammengetragen werden kann. Sie wirbeln die Blätter auf, anstatt sie einzusaugen. Dass größere Betriebe wie der Betriebsbauhof der Stadt (Zentrale Dienste) nicht auf sie verzichten können, kann Bogusch nachvollziehen. Schließlich gebe es dort gewisse wirtschaftliche Zwänge.

Dort greift man derzeit aber nicht nur auf die Bläser zurück. Beide Gerätearten seien im Alltag unverzichtbar, erklärt Marek Lihotan, Gärtnermeister bei den Zentralen Diensten. Derzeit sorgen rund 15 Mitarbeiter mit zwei Laubsaugern und einem Dutzend Laubbläsern dafür, dass auch die kleinen Wege, etwa im alten Friedhof, von Laub geräumt werden. Schließlich sei das auch für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger wichtig. In den nächsten vier Wochen seien die Zentralen Dienste tagtäglich mit dem vielen Laub beschäftigt, erklärt Lihotan. Mit den Laubbläsern befördern seine Mitarbeiter das Laub an die Straßenränder und saugen es von dort mit den großen Laubsaugern auf.

Doch nicht nur auf den Wegen und Straßen müsse das Laub beseitigt werden. Auch auf einigen Grünflächen der Parks sei man dazu gezwungen, im großen Stil Laub zu beseitigen. Denn dort könnten die Blätter in Kombination mit der herbstlichen Nässe zu einem Fäulnisprozess führen. Solche Schäden sollten möglichst verhindert werden. Gärtnermeister Marek Lihotan weiß aber auch, welche Bedeutung das Laub für die Ökologie hat. Deshalb laute die Anweisung an seine Mitarbeiter, dort, wo es keinen störe, auch mal ein Laubhäufchen, etwa für Igel, zurückzulassen. Außerdem überprüften die Mitarbeiter, bevor die Geräte angeschaltet werden, ob auf den Flächen etwas herumliege, dabei werde auch auf Tiere geachtet, meint Lihotan.

Zentrale Dienste versuchen, morgens wenig Lärm zu machen

Auch in Sachen Lärm würden die Zentralen Dienste ihr Möglichstes tun. Der Betrieb nutzt heute schon einzelne Akkugeräte, die deutlich leiser seien. Doch ganz auf Laubsauger mit Motor könne nicht verzichtet werden. Die Laufzeiten der Akkus seien bislang nicht ausreichend. Die Schicht der Mitarbeiter beginnt um sieben Uhr morgens. Zu diesem Zeitpunkt versuchten die Mitarbeiter, möglichst wenig Lärm zu machen. Sie starten ihre Tour dort, wo nur wenige Menschen wohnen. Denn erst ab neun Uhr dürfen die Trupps mit der richtig lauten Arbeit beginnen.

„Whooooom“, ein Laubbläser und -sauger kommt auf rund 100 Dezibel und ist damit fast so laut wie ein Presslufthammer. Manch einer wird damit morgens von seinem Nachbarn aus dem Schlaf gerissen. Doch für kleine Tiere wie Igel, Vögel oder Insekten sind besonders Laubsauger nicht nur ein Ärgernis, sondern eine echte Gefahr.

Laubsauger funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie der heimische Staubsauger, nur eben in der Natur. Mit dem Luftstrom

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