Schorndorf

Lebensmittel retten und dabei Geld sparen: Metzgerei Wolz aus Schorndorf bei "Too good to go" dabei

Metzgerei Wolz
Metzger Christian Wolz ist begeistert davon, wie viele seiner mit Restlebensmitteln gefüllten Tüten er schon verkaufen konnte. © ALEXANDRA PALMIZI

In Deutschland werden viel zu viele Lebensmittel einfach weggeworfen. Dem entgegenzuwirken, hat sich die App „too good to go“, was frei übersetzt so viel bedeutet wie „zu gut zum Wegwerfen“, auf die Fahnen geschrieben. Auch die Metzgerei Wolz mit Filialen in Schorndorf, Plüderhausen und Winterbach macht dabei mit. Geschäftsführer Christian Wolz erzählt, warum er so begeistert von dem Konzept ist.

Aber zunächst zum Hintergrund: Rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Müll. Der Großteil, ja mehr als die Hälfte der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten. Aber auch die „Außer Haus"-Verpflegung trägt 1,7 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle im Jahr bei. Eine beachtliche Zahl, bedenkt man, wie viel Energie die Erzeugung der Produkte benötigt und wie viele Menschen weltweit noch immer Hunger leiden. Aber wo kommt nun „Too good to go“ ins Spiel?

Ungeliebte Lebensmittel retten

Viele Betriebe, die Lebensmittel verkaufen, haben am Ende des Tages noch Lebensmittel übrig, die sie wegwerfen müssen. „Too good to go“ bringt diese Betriebe mit Menschen zusammen, die die Waren für einen geringeren Preis als normalerweise noch abholen wollen. Die entsprechende App können sich Verbraucher ganz einfach auf ihr Handy herunterladen. Dort können sie dann einen Ort und einen Umkreis einstellen, in dem sie Lebensmittel „retten“ wollen. Je nach Ort erscheint eine Auswahl an teilnehmenden Geschäften, darunter Restaurants, Bäckereien, Hotels, Tankstellen und Supermärkte. Und in Schorndorf nun eben auch die Metzgerei Wolz.

Interessierte können die Angebote der Unternehmen dann in der App reservieren und zu einem festgelegten Zeitpunkt vor Ort abholen. Dabei zahlen sie weniger, als sie sonst für die Produkte entrichten müssten, die Unternehmer bekommen aber immerhin noch mehr, als wenn sie die Waren einfach wegwerfen müssten. So haben beide einen Vorteil von der Transaktion. Auch die App als Vermittler bekommt einen Anteil am verbilligten Preis.

Erst vorsichtig, dann begeistert

„Ich war am Anfang erst mal vorsichtig“, erinnert Christian Wolz sich an die erste Kontaktaufnahme von „Too good to go“ mit seiner Metzgerei. Ein junger Mann habe ihm erklärt, wie die App funktioniere. „Als ich gehört habe, dass es keine Vertragsbindung gibt und alles ganz leicht zu bedienen ist, bin ich hellhörig geworden.“ Seit drei Wochen testet er das Konzept jetzt und ist komplett begeistert. „Alles, was ich reingestellt habe, habe ich zu 100 Prozent verkauft.“ Und die Handhabung der Plattform sei wirklich sehr einfach.

Der Metzger bietet auf „Too good to go“ Produkte an, die bei ihm „sonst herausfliegen würden“. Größtenteils handelt es sich dabei um Reste des täglichen Mittagessenangebots; in die sogenannten „magic bags“ packt er aber auch andere Produkte wie Wurstenden. Zwischen 17.30 und 18 Uhr verkauft er die Tüten in seinem Laden im Rehhaldenweg für vier Euro, von denen drei Euro am Ende bei ihm landen. Das decke annähernd seine Kosten, auf jeden Fall mehr, als wenn er nichts mehr für die Lebensmittel bekommen würde, und die Kunden erhalten Produkte, die sonst zwölf Euro gekostet hätten.

Mittagessensverkauf variiert stark

„Abgesehen vom Finanziellen schmerzt es einen als Produzent von Lebensmitteln einfach, Lebensmittel, die noch gut sind, wegzuwerfen“, sagt Christian Wolz. Schließlich habe man zuvor Zeit in gute Qualität investiert. Gerade beim Mittagessen sei es sehr schwer, abzuschätzen, wie viel am Ende tatsächlich verkauft werde. „Man kann das nie genau sagen“, so Wolz. Manchmal seien um halb zwölf alle Mittagessen ausverkauft, manchmal habe er um 13 Uhr noch zehn übrig. Auf „Too good to go“ bietet er deshalb standardmäßig zwei „magic bags“ an, die immer schnell ausverkauft seien. Wenn an einem Tag aber einmal mehr übrig bleibt, dann kann er die Anzahl auch unkompliziert von zwei auf zehn erhöhen.

„86 Tüten wurden bis jetzt gerettet“, freut sich Christian Wolz. Ganz unterschiedliche Menschen kommen dafür in seine Metzgerei. „Meistens sind es jüngere, aber es kam zum Beispiel auch schon ein 80-Jähriger vorbei“, erzählt der Metzger. Und auch eine Frau, die eigentlich gar nicht in Schorndorf, sondern in Göppingen wohnt, aber einen Arbeitstermin in Schorndorf hatte und dann schnell ein Abendessen für ihre Familie abholen wollte. Ab und an kaufen die Kunden sogar noch mehr bei ihm einoder kommen zum ersten Mal in die Metzgerei, ebenso ein Vorteil.

Auch in Plüderhausen und Winterbach?

Wenn es weiterhin so gut läuft, will er das Angebot ausweiten und nicht nur in Schorndorf, sondern auch in seinen Filialen in Plüderhausen und Winterbach anbieten. Allerdings erst nach den Sommerferien.

Neben dem Metzger gibt es in Schorndorf auch noch andere Anbieter in der App. Bei einem Test am Dienstagnachmittag bieten zum Beispiel auch die Shell-Tankstelle in der Wieslauftalstraße und die Total-Tankstelle in der Stuttgarter Straße Überraschungstüten an. Wer sparen und gleichzeitig Lebensmittel vor dem Wegwurf bewahren will, für den lohnt es sich also, in die App zu schauen – und vielleicht gibt es in Zukunft auch noch mehr Anbieter.

In Deutschland werden viel zu viele Lebensmittel einfach weggeworfen. Dem entgegenzuwirken, hat sich die App „too good to go“, was frei übersetzt so viel bedeutet wie „zu gut zum Wegwerfen“, auf die Fahnen geschrieben. Auch die Metzgerei Wolz mit Filialen in Schorndorf, Plüderhausen und Winterbach macht dabei mit. Geschäftsführer Christian Wolz erzählt, warum er so begeistert von dem Konzept ist.

Aber zunächst zum Hintergrund: Rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in

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