Schorndorf

Lebensmittel verschenken: Fairteiler jetzt auch im Familienzentrum Schorndorf

Fairteiler
Bei allen Beteiligten herrscht Freude über den Fairteiler im Familienzentrum: Simone Halle-Bosch, Günther Daiß, Madeleine Schild (von links), davor Christian Bergmann und Dirk Schäfer. OB Bernd Hornikel spendet seine Panettone. © ALEXANDRA PALMIZI

Nicht mehr ganz so gelbe Bananen, leicht eingedellte Paprikaschoten oder etwas weichere Äpfel – wer hat sich nicht auch schon mal dabei erwischt: Schnell ist zu viel eingekauft, die Ware wird in den Kühlschrank gelegt, nach einigen Tagen ist beispielsweise beim Joghurt das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen und das Produkt landet im Abfall. Überschüssige Lebensmittel müssen aber nicht zwangsläufig weggeworfen werden. Die Lösung: ein Fairteiler. Und genau solch ein Fairteiler steht jetzt im Familienzentrum in Schorndorf, Karlstraße 19.

Wer steckt hinter der Initiative?

Dahinter steckt die Initiative „Foodsharing“ (englisch: Essen teilen), die auch im Rems-Murr-Kreis sehr aktiv ist. Am Montag sind der Kühlschrank und ein Schrank mit Waren offiziell eröffnet worden. „Die Idee eines solchen Angebots finde ich extrem wichtig. 30 Prozent aller Lebensmittel landen im Müll“, hat sich Oberbürgermeister Bernd Hornikel schlaugemacht. Er brachte zur offiziellen Eröffnung des Fairteilers eine Panettone (traditionelle Mailänder Backware) mit, die er direkt in den Schrank legte.

Die Leiterin des Familienzentrums, Simone Halle-Bosch, sowie Dirk Schäfer von Foodsharing Rems-Murr-Kreis sind froh, dass diese Kooperation geklappt hat. „Es passt gut zu uns, da wir ja mit dem Büchertauschangebot und mit dem sogenannten Schätzeregal schon zwei Tauschplattformen haben“, so Halle-Bosch.

Konzept gibt es schon länger

Der Kühlschrank und der danebenstehende Schrank – derzeit sind einige Packungen Tofu, Milchreis, viel Obst und Gemüse sowie Brot darin enthalten – stehen direkt an der Eingangstüre des Familienzentrums (zweiter Stock des Gebäudes in der Karlstraße 19). Die Öffnungszeiten zum Abholen am Fairteiler sind Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr, wie beim Familienzentrum auch. „Am Wochenende ist er also nicht zugänglich – zumindest vorerst nicht“, sagt Halle-Bosch.

Das Konzept der Fairteiler gibt es schon seit gut zehn Jahren und ist mittlerweile nicht nur in Deutschland an zahlreichen Standorten vertreten, sondern auch in Österreich und der Schweiz sowie in weiteren europäischen Ländern. Ziel der Initiative ist der nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln. Das Konzept soll Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht, die eine Alternative zur Tafel suchen oder die von Armut betroffen sind, unterstützen. „Die Fairteiler sind gemeinnützig und sollen keinesfalls eine Konkurrenz zur Tafel sein. Jeder kann so viel nehmen, wie er verbrauchen kann. Und wer Essen übrig hat, wird kurzerhand zum Lebensmittelretter“, sagt Dirk Schäfer und lächelt.

Ehrenamtliche Lebensmittelretter

„Die Lebensmittel, die im Fairteiler landen, beziehen wir von Unternehmen sowie von Privatpersonen.“ Hinzu kommen ehrenamtliche „Foodsaver“ (englisch: Lebensmittelretter), die überschüssige Ware in Supermärkten, Restaurants oder Kantinen abholen. In jedem Schrank gibt es eine Anleitung zu den Waren.

Ein Betriebsteam von rund 20 Personen wechselt sich täglich ab, um sich um den Bestand des Fairteilers zu kümmern. Zwei der Lebensmittelretter – Madeleine Schild und Günther Daiß – sind ebenfalls beim Eröffnungstermin anwesend. Beide erzählen von dieser ehrenamtlichen Tätigkeit und wie gut es ihnen tut, helfen zu können: „Meinen Aha-Effekt hatte ich, als ich zum ersten Mal gesehen habe, wie viel Brot in einer Bäckerei übrig bleibt. Mir macht es großen Spaß, mich auf diese Weise ehrenamtlich zu engagieren“, so Daiß.

Madeleine Schild stimmt zu und ergänzt: „Es ist wirklich schön zu sehen, wie sich die Menschen freuen, wenn sie sich etwas aus dem Fairteiler nehmen.“ Sie habe sich im Corona-Lockdown intensiver mit dem Thema beschäftigt.

„Das fing damit an, dass meine Tochter sagte, der Joghurt im Kühlschrank sei abgelaufen – um einen Tag.“ Da habe sie gesagt, die Tochter solle „mal dran riechen“. Und als der Duft noch für gut befunden wurde, stand es außer Frage, dass man den Joghurt noch essen kann.

Was beim Befüllen des Fairteilers beachtet werden muss

Derzeit würden viele Orangen und Mandarinen abgegeben: „Wenn eine Frucht im Netz matschig ist, wird das ganze Netz nicht mehr gekauft. Das sortieren wir dann aus, weil die anderen Früchte noch gut sind“, nennt Dirk Schäfer ein Beispiel. Beim Befüllen des Fairteilers sei zu beachten, dass die Güter noch zum Verzehr geeignet sind. Besonders passend sind dabei Backwaren, Gemüse und Obst sowie Salat. Von leicht verderblichen Waren sowie Kühlwaren rät Dirk Schäfer ab. Ein „No-Go“ sind zudem zubereitete Speisen.

Wer als Privatperson Lebensmittel abgeben möchte, sollte darauf achten, dass diese nicht abgelaufen und zur Aufbewahrung in den jeweiligen Schränken geeignet sind. Schäfer: „Es muss genau dokumentiert werden, was in den Schränken landet. Dazu tragen Spender die entsprechenden Infos in die Liste in der Schranktüre ein.“ Die Waren in den Schränken werden täglich kontrolliert. Verdorbenes und Ungenießbares wird sofort entfernt. Der Appell: Gerne könne man sich der „Foodsharing-Community“ anschließen, ebenfalls einen Schrank aufstellen oder als Ehrenamtlicher die Schränke befüllen.

Nicht mehr ganz so gelbe Bananen, leicht eingedellte Paprikaschoten oder etwas weichere Äpfel – wer hat sich nicht auch schon mal dabei erwischt: Schnell ist zu viel eingekauft, die Ware wird in den Kühlschrank gelegt, nach einigen Tagen ist beispielsweise beim Joghurt das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen und das Produkt landet im Abfall. Überschüssige Lebensmittel müssen aber nicht zwangsläufig weggeworfen werden. Die Lösung: ein Fairteiler. Und genau solch ein Fairteiler steht jetzt im

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