Schorndorf

Mack-Betreiber Capurso übernimmt den Marktkauf

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Rocco Capurso ist der neue Inhaber des Marktkaufs in der Mittleren Uferstraße. Als Statthalter in Schorndorf fungiert Michael Schiele, der bislang schon Marktkauf-Geschäftsführer ist. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Frische und Regionalität zeichnen den Remstalmarkt Mack aus und sollen auch im Marktkauf zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Schorndorf/Weinstadt. Vor drei Jahren hat Rocco Capurso den Remstalmarkt Mack in Endersbach übernommen, jetzt macht er in Schorndorf einen weiteren großen Schritt: Offiziell zum 5. Juni übernimmt er den Marktkauf in der Mittleren Uferstraße und macht somit aus einem bislang konzerngeführten einen privatisierten und inhabergeführten Einkaufsmarkt. Der aber, darauf legt Capurso wert, seine Identität behalten und kein zweiter Feinkostmarkt wie der in Endersbach werden soll.

Edeka, ein genossenschaftlich organisierter Unternehmensverbund im Einzelhandel, habe sich vorgenommen, jedes Jahr einen bestimmten Anteil seiner Märkte zu privatisieren, sagt Rocco Capurso, der als Inhaber des Remstalmarktes Mack zwar Kunde, aber kein genossenschaftliches Mitglied von Edeka ist. Als Edeka im Spätsommer vergangenen Jahres mit dem Ansinnen, den Marktkauf in Schorndorf zu privatisieren, auf Capurso zugekommen ist, da hat der sich zunächst einmal die Zeit genommen, sich den Einkaufsmarkt genau anschauen. Und dabei, so der neue Inhaber, habe er festgestellt, dass der Marktkauf, der seinen Namen zumindest vorläufig behalten soll, sowohl vom Standort als auch von der Personalsituation her ein guter sei.

„Das hat mich motiviert“, sagt Rocco Capurso, der die Verhandlungen mit Edeka daraufhin intensiviert hat. Ende März dieses Jahres war dann die Entscheidung, dass er den Marktkauf offiziell zum 5. Juni übernimmt, gefallen. Was bedeutet, dass Capurso Edeka das Inventar und die Ware abkauft und sich in die weiterhin Edeka gehörenden Räumlichkeiten einmietet. Und selbstverständlich, so Capurso, behalten auch die insgesamt 106 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von ihm zum frühestmöglichen Zeitpunkt über den Betreiberwechsel informiert worden sind, ihren Arbeitsplatz. Zusammen mit dem Remstalmarkt Mack in Endersbach führt Rocco Capurso künftig ein durchaus ansehnliches mittelständisches Unternehmen mit rund 260 Angestellten.

„Ein gut geführter Markt mit einer tollen Mannschaft“

Drei Gründe, die ihn hauptsächlich bewogen hätten, den Marktkauf zu übernehmen, nennt der neue Inhaber. Zum einen sei der Remstalmarkt Mack in Endersbach ziemlich überlaufen, unter anderen auch wegen starker Kundenfrequenz aus Schorndorf und Umgebung. Und da hoffe er ungeachtet dessen, dass er aus dem Marktkauf kein zweites Feinkostgeschäft à la Remstalmarkt machen wolle – was schon wegen der Größe des Marktkaufs, der mit einer Verkaufsfläche von 4700 Quadratmetern fast dreimal so groß ist wie der Markt in Endersbach (1700), nicht möglich wäre –, dass sich die Kundenströme und die Umsätze etwas verlagern. Zweiter und nicht ganz unwichtiger Punkt: Der Marktkauf sei „ein gut geführter Markt mit einer tollen Mannschaft“. Der dritte Grund ist eher privater Natur: Sein Junior, so Rocco Capurso, mache jetzt eine kaufmännische Ausbildung, und da könne es ja nichts schaden, für dessen berufliche Zukunft schon mal ein bisschen vorzusorgen. Dazu komme, und darin ist Capurso in einem „sehr sympathischen“ Gespräch mit Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Wirtschaftsförderin Gabriele Koch bestärkt worden, dass Schorndorf für so ein Projekt mit einem inhabergeführten Einkaufsmarkt ein ausgesprochen interessantes Pflaster sei. Zumal er, Capurso, in Schorndorf der Erste und bislang Einzige sei, der so etwas wage.

Nicht zu vergessen natürlich auch die Rahmenbedingungen, die so einen Schritt leichter machten: die günstigen Kreditbedingungen etwa und die gute konjunkturelle Lage. Im Übrigen aber, so der neue Marktkauf-Inhaber, könne er den Schritt nach Schorndorf nur machen, weil der Markt in Endersbach so gut aufgestellt sei – nicht zuletzt personell. Weshalb es ihm möglich sein werde, am Anfang öfters mal in Schorndorf zu sein. Nicht, wie Capurso betont, weil er Sorge habe, dass der Laden unter dem alten und neuen Geschäftsführer Michael Schiele nicht laufen könnte, sondern „mehr aus Neugierde“. Und was seine beiden Märkte in Schorndorf und Endersbach angeht, so könnten sie sich auch gerade dadurch befruchten, dass sie so verschieden seien, glaubt Capurso.

Das Thema „Frische“ soll eine andere Gewichtung bekommen

„Der Marktkauf hat jetzt schon eine gute Strahlkraft nach außen, aber die kann noch ein bisschen aufpoliert werden“, sagt Rocco Capurso und macht deutlich, dass er einerseits an der Marktkauf-Philosophie und -Identität nichts Grundlegendes ändern, dass er andererseits aber doch sukzessive ein paar Korrekturen und Modernisierungen vornehmen und das eine oder andere übertragen will, was sich im Remstalmarkt in Endersbach bewährt hat. Wichtig in diesem Zusammenhang ist Rocco Capurso vor allem das Thema „Frische“ vor allem bei Obst und Gemüse, dem er im Marktkauf eine andere Gewichtung geben will, indem er, wenn er nicht mehr auf die Abnahme aus dem Edeka-Zentrallager angewiesen ist, stärker auf Regionalität und auf den Einkauf auf dem Stuttgarter Großmarkt setzt.

Capurso verweist auf den Remstalmarkt Mack, wo es Usus sei, dass er etwa zur Spargel- und zur Erdbeerzeit zweimal am Tag mit frischer Ware beliefert werde – bei den Erdbeeren sogar direkt von Weinstädter Direktvermarktern. Schon spruchreif ist, dass der Backwarenstand im Eingangsbereich, den derzeit noch ein Filialist betreibt, künftig mit Marktkauf-Personal besetzt und mit Waren aus einer Schorndorfer Bäckerei bestückt wird. Und noch etwas hat sich Rocco Capurso vorgenommen: „Wir wollen nicht nur Lebensmittel verkaufen, sondern wir wollen auch Events veranstalten und ein Treffpunkt für alle Generationen sein.“

Kunden sind zufrieden, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind

Im Übrigen wolle er aber in den nächsten Wochen auch erspüren, was die Kunden wollten, meint Rocco Capurso, der bei allem, was er vorhat, ganz stark auf das Marktkauf-Team und auf den menschlichen Faktor setzt. Es sei sein Bestreben, ein guter mittelständischer Arbeitgeber zu sein und „über Menschen zum Erfolg zu kommen“, sagt Capurso, der davon überzeugt ist, dass es sich auf den Kunden überträgt, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind. Wobei der neue Chef von seinen Mitarbeitern erwartet, „dass sie nicht nur die Ware verteilen, sondern auch gute Verkäufer sind“. Und nach dieser Philosophie wird auch ausgebildet – jetzt schon verstärkt in Endersbach und künftig auch in Schorndorf. Denn schließlich, so Capurso, gehe es beim Ein- und Verkaufen auch „um Emotionen“.


Riesenveränderung

Auch wenn der Wechsel vom konzern- zum inhabergeführten Geschäft eine „Riesenveränderung“ sei, sei er von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern positiv aufgenommen worden, sagt Geschäftsführer Michael Schiele.

„Er hat uns aufgezeigt, was er mit dem Geschäft und vor allem, was er mit den Menschen vorhat, und dass er uns will und braucht“, sagte Schiele über Capurso und ist überzeugt: „Das wird eine tolle Geschichte.“ Wobei sich Schiele darüber im Klaren ist, dass auch auf ihn Neuerungen zukommen, die er aber allesamt begrüßt. Weil er künftig nur noch einen Ansprechpartner hat und weil die Entscheidungswege kürzer und schneller werden.

Und, sind sich Capurso und Schiele einig: Der Geschäftsführer hat künftig viel mehr Verantwortung – und mehr Gelegenheit, sich mit seinem Team einzubringen.