Schorndorf

Markus Jatzko neuer Revierleiter

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Polizeirat Markus Jatzko wurde am Mittwoch offiziell in sein Amt als Leiter des Polizeireviers Schorndorf eingesetzt. Rechts seine Frau Sandra, links Personalratsvertreter Manfred Ripberger. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Die fast einjährige Interimszeit ist vorbei, das Polizeirevier Schorndorf hat wieder einen Leiter. Am Mittwoch wurde der 41-jährige Polizeirat Markus Jatzko im Rahmen einer Feierstunde im Feuerwehrgerätehaus von Polizeipräsident Roland Eisele offiziell in sein Amt eingesetzt. Die Leitung des Schorndorfer Reviers hat Jatzko bereits Mitte Oktober übernommen.

Video: Markus Jatzko, der neue Leiter des Polizeireviers Schorndorf

In den 25 Jahren, die er jetzt schon bei der Polizei ist, hat der 41-Jährige einerseits die gesamte polizeiliche Basisarbeit er- und durchlebt und anderseits sämtliche Laufbahnen absolviert – unter anderem mit dem Besuch der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen und mit dem Masterstudium in Münster. Dazwischen und danach war er, nach einem kurzen Intermezzo bei der Landespolizeidirektion I, damals noch unter Konrad Jelden, überwiegend im Innenministerium eingesetzt und als Referent mit unterschiedlichen strategischen Aufgaben betraut.

Revier habe einen ausgezeichneten Ruf

Mit der Bewerbung auf die Stelle in Schorndorf habe er ganz bewusst einen Perspektivwechsel vollziehen wollen, sagt Jatzko im Gespräch mit der Redaktion und bezeichnet die Revierführerfunktion als „Königsfunktion innerhalb der Polizei“.

Und warum gerade Schorndorf? Weil das Revier in Polizeikreisen und bei der Bevölkerung einen ausgezeichneten Ruf habe, und dass das zu Recht so sei, das sehe er nach seinen ersten vier Wochen als Revierleiter in vollem Umfang bestätigt, sagt der 41-Jährige, der von der „guten Mischung zwischen alten Hasen und jungen Motivierten“ in seinem Revierbereich genauso angetan ist wie von den guten Verbindungen der Polizei zur Stadt und zu den anderen Blaulichtfraktionen, was, wie er wisse, nicht überall so sei. Und dass es in Schorndorf einen Polizeisportförderverein gibt, der nicht nur sehr rührig, sondern durch sein soziales Engagement auch bestens in der Gesellschaft verankert ist, begeistert Jatzko ebenfalls.

Schorndorf habe ihm schon immer gefallen, sagt der Polizeirat, der das Remstal vor allem deswegen gut kennt, weil seine Frau aus Waiblingen stammt und seine Schwiegereltern immer noch dort leben. „Jetzt bin ich hier und ich will so schnell nicht wieder weg“, versichert Markus Jatzko, wohl wissend, dass es einem Beamten im höheren Dienst immer mal wieder passieren kann, dass er zu Höherem berufen wird. So war’s ja auch bei Jatzkos Vorgänger Thomas Georgi.

Jatzkos Bestreben: Die Polizei soll mehr Präsenz zeigen

Besondere polizeiliche Problemlagen hat der neue Revierleiter in Schorndorf noch nicht erkannt, aber auch er weiß natürlich um das subjektiv mitunter stark beeinträchtigte Sicherheitsgefühl – bedingt nicht zuletzt durch die in der jetzigen dunklen Jahreszeit zahlenmäßig wieder stark zunehmenden Einbrüche. Dem wolle er Rechnung tragen, indem – teilweise auch in Zivil – mehr Beamte eingesetzt würden, die gegebenenfalls auch von der Bereitschaftspolizei angefordert würden.

Überhaupt, so Jatzko, sei es sein Bestreben, dass die Polizei im öffentlichen Leben und vor allem an stark frequentierten Orten stärker präsent und für die Bürger ansprechbar sein muss, weil auch das dazu beitrage, dass subjektives und objektives Sicherheitsgefühl nicht so weit auseinanderklafften. Er habe aber, sagte der 41-Jährige bei der gestrigen Amtseinsetzung, ohnehin das Gefühl, dass die Polizei in Schorndorf und in den zum Revier gehörenden Umlandgemeinden als Freund und Helfer wahrgenommen werde. Die mit seinem Amtsantritt verbundenen Erwartungen und den ihm entgegengebrachten Vertrauensvorschuss betrachte er als Verpflichtung, sagte Jatzko.

Auf ihre Kernaufgaben konzentrieren

„Ich lege die Geschicke des Reviers in Ihre Hände und Ihnen Ihre Kolleginnen und Kollegen ans Herz“, sagte Polizeipräsident Roland Eisele, als er Markus Jatzko offiziell in sein neues Amt einsetzte und ihn daran erinnerte, dass er dieses Amt in einer anspruchsvollen Zeit antrete. Ein Amt aber auch, dass eines der schönsten sei, das bei der Polizei vergeben werde. Auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer versicherte dem neuen Revierleiter aus eigenem Erleben, wie viel schöner es ist, an der Basis zu arbeiten als irgendwo an einer Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung.

Einig weiß sich Klopfer mit Jatzko, dass die Polizei nach der Polizeistrukturreform endlich wieder in ruhiges Fahrwasser kommen und sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können muss. „Die Ränkespiele zwischen Waiblingen und Aalen müssen aufhören“, meinte der Oberbürgermeister, der Jatzko unter anderem mit einer Flasche Schorndorfer Stadtwein und einer Einladung zu einer Daimler-Gruppenführung willkommen hieß und der natürlich ebenfalls hofft, dass der 41-Jährige dem Schorndorfer Revier möglichst lange erhalten bleibt.

Die tätlichen Angriffe auf Polizeibeamte nehmen zu

Manfred Ripberger als Vertreter des Personalrats beklagte in seinem Grußwort die personell kritische Situation speziell im Bereich des Polizeireviers Aalen. Es komme, appellierte Ripberger an den neuen Revierleiter, darauf an, mit diesen knappen Ressourcen das Machbare und Erforderliche zu tun, ohne die an der Belastbarkeitsgrenze – und teilweise darüber hinaus – arbeitenden Kolleginnen und Kollegen dauerhaft zu überlasten. Als zweites, in diesem Fall nur gesamtgesellschaftlich zu lösendes Problem benannte Manfred Ripberger die Zunahme der tätlichen Angriffe auf Polizisten, die mittlerweile ein erschreckend hohes Niveau erreicht hätten und von einer unbeschreiblichen Respektlosigkeit gegenüber Amtspersonen zeugten. Dieser Entwicklung müsse dringend Einhalt geboten werden.

Klopfer kritisiert Einsätze bei Abschiebungen

Am Beispiel eines Gambiers, der in Haubersbronn bereits bestens integriert war und einen Job und eine klare Bleibeperspektive hatte, hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer kritisiert, dass ohnehin nicht im Überschuss vorhandene Polizeikapazitäten für zweifelhafte Abschiebeaktionen in Anspruch genommen würden. Der abgeschobene Gambier, so Klopfer, sitze jetzt in Mailand zusammen mit Tauenden von anderen Flüchtlingen fest und sehe ungewisser Zukunft entgegen.

Im persönlichen Vorabgespräch mit unserer Redaktion machte Markus Jatzko, der als Vertreter des Innenministeriums in einer bundesweiten Arbeitsgruppe das Flüchtlingsthema in allen Facetten kennengelernt hat, deutlich, „dass die subjektiven Befürchtungen, die es bezüglich krimineller Handlungen von Flüchtlingen gibt, statistisch nicht zu belegen sind“. Anders gesagt: „Es gibt ein krasses Missverhältnis zwischen der objektiven Kriminalitätslage und dem subjektiven Bedrohungsgefühl.“ Allenfalls bei kleineren Vergehen wie einfachen Ladendiebstählen oder Schwarzfahren sei eine den Flüchtlingen zuzurechnende Zunahme von Delikten festzustellen.

Deshalb gilt für den neuen Leiter des Polizeireviers: Schorndorf ist nicht nur eine liebenswerte, sondern auch eine lebenswerte Stadt – gerade auch, was die Sicherheit angeht.


Jatzko privat

Markus Jatzko ist verheiratet – seine Frau Sandra ist ebenfalls Polizeibeamtin –, Vater zweier Kinder im Vorschulalter und lebt mit seiner Familie in Kirchheim/Teck.

Er ist ein leidenschaftlicher Radfahrer und generell sehr sportinteressiert. Er kocht sehr gerne und hat eine frankophile Neigung – beim Wein und beim Urlaubmachen.

Darüber hinaus schreibt er in seiner Freizeit gerne wissenschaftliche Fachartikel zur Polizeiarbeit. 2005 hat er die Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen als Jahrgangsbester verlassen. In seiner preisgekrönten Diplomarbeit hat er sich mit der „Neurolinguistischen Programmierung bei polizeilichen Vernehmungen“ befasst. Er ist also, wie Polizeipräsident Eisele bei der Amtseinsetzung sagte, „ein kluger Kopf und ein Cleverle“.