Schorndorf

Massive Fällarbeiten im Schorndorfer Wald: Darum liegen Äste noch kreuz und quer

Waldbegehung
Seit sechs Jahren ist Julian Schmitt Revierförster in Schorndorf. Zum Waldbegang im Aichenbach hat er in dieser Zeit schon dreimal eingeladen. Das nächste Mal soll’s in ein anderes Waldstück auf Schorndorfer Gemarkung gehen. © ALEXANDRA PALMIZI

Schon vor der großen Holzernte, die sich im Stadtwald Schorndorf vom Hannes-Veil-Weg bis zur Aichenbachhütte bisher auf insgesamt 39 Hektar erstreckt hat und von dort auch noch weitergehen wird, hat Revierförster Julian Schmitt an Öffentlichkeitsarbeit gedacht. Er war im Gemeinderat, um über die massiven Fällarbeiten zu berichten, die der Stadt mehr als 200.000 Euro an Einnahmen aus gut 3000 Festmeter Holz bescheren sollen.

Im Wald hat er sieben aus Birkenholz gezimmerte Fenster mit Infotafeln aufstellen lassen. Und jetzt, fast ein Jahr nach Erntebeginn, hat er zum Waldbegang eingeladen. Ein Dutzend Interessierte sind am Samstagvormittag zur Wiedervereinigungseiche am Ende der Alten Steige gekommen, um mit ihm auf Tour zu gehen. Die Kritiker und Nörgler, denen die Ernte zu brachial, denen Wald und Wege im Nachgang noch zu unordentlich sind, waren nicht dabei – zu Julian Schmitts großem Bedauern.

Wer? Wann? Warum? Warum nicht? Wieso? Wohin? All diese Fragen sollten auf dem viereinhalb Kilometer langen Rundgang durch den Stadtwald beantwortet werden. Und da offenbar die Unordnung im Wald Spaziergänger, Jogger und Wanderer besonders beschäftigt, bleibt Julian Schmitt stehen, kaum ist die Gruppe über den Viehwaidweg im Stadtwald angekommen: Dass hier an einer Böschung abgeschnittene Äste und Totholz kreuz und quer liegen geblieben sind, ist nicht Ausdruck von Faulheit, sondern soll dem Nährstoffkreislauf dienen.

Nicht in Baumstämmen, sondern im Feinreisig, ist von ihm beim Waldbegang zu erfahren, sind die meisten Nährstoffe gespeichert. Dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Wälder auf der Suche nach Brennholz radikal ausgeräumt wurden, hat die Böden so nachhaltig geschwächt, dass sie – wie auch in diesem Jahr – gekalkt werden müssen, um einer Übersäuerung gegenzusteuern. Klimaschutz und Waldwirtschaft – beides geht für Schmitt also Hand in Hand.

Erst wenn die Stämme abgeholt sind, können die Wege gerichtet werden

Doch keine Sorge: Nicht überall bleiben Äste und Stämme einfach liegen. „Die Luft ist nach der Holzernte nicht raus“, versichert der Revierförster. Dass im Stadtwald noch immer Stämme nicht abgeholt sind, dass im Unterholz an manchen Stellen mehr Chaos als Waldfrieden ist, und es Wege gibt, die so tief gefurcht sind, dass sich trotz der Trockenheit nach dem Regenguss der vergangenen Woche große Pfützen gebildet haben – für all das hat Schmitt eine Erklärung.

Eine seiner Hauptbotschaften ist: Bevor die gefällten Stämme nicht abgeholt sind, werden die Wege nicht gerichtet – zu groß wären die Schäden, die durch die tonnenschweren Lastwagen angerichtet würden. Um den Mineralbeton auf den Wegen verteilen und verdichten zu können, braucht es obendrein feuchtes Wetter – „das ging im trockenen Sommer nicht“. Überhaupt sind Arbeiten im Wald gar nicht jederzeit möglich: Im März beginnt die Amphibienlaichzeit, während der Vogelbrut – und hier erwähnt Schmitt den besonders lärmempfindlichen Schwarzspecht – kann mit schwerem Gerät im ausgewiesenen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet sowieso nicht gearbeitet werden.

Apropos schweres Gerät. Bei dieser Gelegenheit erklärt Julian Schmitt, warum im Wald auch Laubblasgeräte zum Einsatz kommen: Weil einmal ein Lastwagen auf nassem Laub gerutscht und in den Graben gefahren ist, lässt Schmitt das Laub im Stadtwald von den Wegen in die Böschung pusten – „dort kann es dann verrotten“. Und auch dieses Phänomen ist immer wieder zu beobachten: Käufer, die die Holzstämme nicht abholen, obwohl sie schon längst bezahlt sind. „Die Stadt kann’s nur anmahnen“, sagt Schmitt, vergisst in Richtung Erntekritiker aber nicht zu betonen: „Den aufgeräumten Wald gibt es nicht.“

36 Kilometer illegale Mountainbiketrails: Wege sollen legalisiert werden

Konflikte, die es zwischen Waldwirtschaft, Naturschutz und Nutzern gibt, versucht die Stadt Schorndorf künftig mit einem vom Land geförderten Pilotprojekt zu lösen: In der sogenannten Forsteinrichtung sollen gemeinsam mit Vertretern von Vereinen, Verbänden, Organisationen und einigen ausgesuchten Bürgerinnen und Bürgern in einem Zehn-Jahres-Plan die Marschrichtung und die Schwerpunkte festgelegt werden. Geklärt werden muss aus Sicht von Julian Schmitt auch dringend der Umgang mit Mountainbikern im Wald: Allein auf Schorndorfer Gemarkung gibt es 36 Kilometer illegale Mountainbikewege. Gemeinsam mit dem Deutschen Alpenverein – und mit Rücksicht auf andere Interessensgruppen – soll das Wegenetz legalisiert werden. Anders die Gassen, über die sich Rückezugmaschinen, Forstspezialschlepper und Harvester bei der Holzernte bewegen: Diese Wege sind bereits digitalisiert: „Und wir fahren“, betont Schmitt, „auch nur auf diesen Gassen.“

Schon vor der großen Holzernte, die sich im Stadtwald Schorndorf vom Hannes-Veil-Weg bis zur Aichenbachhütte bisher auf insgesamt 39 Hektar erstreckt hat und von dort auch noch weitergehen wird, hat Revierförster Julian Schmitt an Öffentlichkeitsarbeit gedacht. Er war im Gemeinderat, um über die massiven Fällarbeiten zu berichten, die der Stadt mehr als 200.000 Euro an Einnahmen aus gut 3000 Festmeter Holz bescheren sollen.

Im Wald hat er sieben aus Birkenholz gezimmerte Fenster mit

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