Schorndorf

Mehr Wohnungen für das Areal Wiesenstraße geplant

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So soll’s aussehen, wenn irgendwann einmal das ganze Areal neu bebaut ist. © Gabriel Habermann
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Die Jury mit Oberbürgermeister Matthias Klopfer (links) und dem Vorstandsvorsitzenden der Remstalbaugenossenschaft, Jörg Hetzinger (rechts) im Vordergrund präsentiert den Siegerentwurf mit dem Ausschnitt, den die Remstalbaugenossenschaft als erstes entwickeln will.

Schorndorf. Der Zweikampf um den Planungsauftrag für das Areal Wiesenstraße ist entschieden: Im zweiten Anlauf hat sich die Jury für den stärker experimentellen Entwurf entschieden. Die Konzeption der Project GmbH Planungsgesellschaft für Städtebau, Architektur und Freianlagen aus Esslingen soll realisiert werden. Im Areal sollen 91 Wohnungen entstehen - ursprünglich waren nur 80 geplant.

Es sei „selten, dass Bauherren so experimentell drauf sind“, lobte der Vorsitzende des Preisgerichts, Prof. Dipl.-Ing. Hans-Dieter Kaiser, den Mut der Beteiligten. Allen voran den der Remstalbaugenossenschaft, die den ersten Bauabschnitt des Quartiers Wiesenstraße mit Hilfe der Kreisbau realisieren wird. Die Zahl der Wohnungen wird auf 91 erhöht. Diese Wohnungen und alle weiteren verteilen sich auf zwischen drei und sechs Geschosse hohe Punkthäuser. Die Sechsgeschossigkeit ist überhaupt erst deshalb möglich, weil bei den Höhen differenziert und sie nur sehr punktuell eingesetzt wird. Unter den Gebäuden ist eine Tiefgarage geplant, die nach beiden Seiten hin erweitert und mit zusätzlichen Zufahrten versehen werden kann.

Untypisch für das, was man als sozialen Wohnungsbau kennt

Während Hans-Dieter Kaiser den jetzt zweitbesten Entwurf mit den Attributen „konservativ“ und „traditionell“ versah, stufte er den Siegerentwurf mit seinen winkelförmigen Punkthäusern als „unkonventionell“, „modern“ und „experimentell“ ein – und in ihrer Anmutung als eher untypisch für das, was man hierzulande als sozialen Wohnungsbau kennt. Eine Einschätzung, der sich der ehemalige Urbacher Bürgermeister Jörg Hetzinger in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Remstalbaugenossenschaft ohne Abstriche anschließen kann. Der fast einstimmig gekürte Siegerentwurf biete die Chance auf modernes und zeitloses Wohnen „ohne den typischen Mietwohnungscharakter“, sagte Hetzinger. Er entspreche dem Ziel der Remstalbaugenossenschaft, das Areal städtebaulich aufzuwerten und für eine weitere und bessere soziale Durchmischung zu sorgen. Mit Blick auf die Zukunft von „deutlich mehr Menschen in deutlich besseren Wohnungen“ sprach bei der Vorstellung des Siegerentwurfs der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Ihm ist es ebenso wie Jörg Hetzinger wichtig, dass auch innerhalb des ersten Abschnitts so gebaut wird, dass den Bewohnern, die im Quartier wohnenbleiben wollen, nicht mehr als ein Umzug zugemutet wird.

In zwei Jahren könnte es losgehen

Ein wichtiges Argument für den Entwurf sei auch gewesen, dass schon die Bebauung des ersten Abschnitts eine zusammenhänge Bebauung ergebe. Sie lasse erkennen, wohin die Quartiersentwicklung insgesamt gehe, sagte der Vorsitzende des Preisgerichts. Aus Sicht von Bettina Klinge ist den Verfassern bei der Nachbearbeitung des ursprünglichen Entwurfs der Nachweis gelungen für eine Differenzierung von Räumen, die der öffentlichen Durchwegung dienen, und solchen, die stärker den Anwohnern zugeordnet werden sollen. Gleichwohl sei der Freiraumplaner noch sehr gefragt, wenn es um die Bearbeitung der Schnittstellen gehe.

Kreisbau-Geschäftsführer Johannes Berner geht davon aus, dass etwa ein Jahr ins Land geht, bis der Bebauungsplan in trockenen Tüchern ist. Parallel dazu wird sich die Remstalbaugenossenschaft, die für den ersten Bauabschnitt mit einem Invest von rund fünf Millionen Euro rechnet, um die Finanzierung des Projekts kümmern. Schließlich, so Jörg Hetzinger, sei dieses Vorhaben durchaus „ein Kraftakt für eine so kleine Gesellschaft“. Etwa in zwei Jahren, schätzt Berner, könne es dann losgehen. Mit den Abbrucharbeiten teilweise natürlich schon früher. Stadtbau-Geschäftsführer Martin Schmidt, dessen Unternehmen erst zu einem viel späteren Zeitpunkt auf dem Areal aktiv werden wird, ist jedenfalls schon „sehr gespannt, wie der erste Abschnitt aussieht“.


Die Ziele der Remstalbaugenossenschaft

Wie berichtet, will die Remstalbaugenossenschaft das nicht mehr benötigte Flüchtlingswohnheim und eine benachbarte Gebäudereihe abbrechen und in einem ersten Bauabschnitt den ihr gehörenden mittleren Teil des Areals neu bebauen.

Nachdem andere Teile des Areals und des Gebäudebestandes im Besitz der Stadtbau Schorndorf sind, hatten sich die Stadt, die Remstalbaugenossenschaft und die von ihr mit der Geschäftsbesorgung betraute Kreisbau darauf verständigt, eine Planung für den gesamten Bereich Wiesenstraße zu machen, damit das Quartier - wenn auch teilweise erst auf sehr lange Sicht - einheitlich entwickelt wird.

Wobei es, so der Vorstandsvorsitzende Jörg Hetzinger, Ziel der Remstalbaugenossenschaft sei, auf der ihr gehörenden Fläche preiswerte Mietwohnungen in Kombination mit städtebaulicher Qualität zu schaffen, was ihr deswegen möglich sei, weil es ein neues Wohnbauförderprogramm des Landes gebe, wodurch gewährleistet sei, dass öffentlich geförderte Wohnungen – und das gilt laut Kreisbau-Geschäftsführer Johannes Berner für 80 Prozent der geplanten Wohnungen – für die Dauer von 30 Jahren um 33 Prozent unter den laut Mietspiegel üblichen Werten liegen.

Im Übrigen sollen, wie Hetzinger und Berner sagen, nicht alle Gebäude gleichzeitig abgerissen werden, sondern so koordiniert, dass die jetzt dort lebenden Mieter erst in ihren Wohnungen verbleiben und dann in die an Stelle der seitherigen Flüchtlingsunterkunft erstellten neuen Gebäude umziehen können.