Schorndorf

Millionen-Investition in Schorndorf: So soll die neue Klinik aussehen

Klinik Schorndorf wird erweitert
So soll das neue Klinikgebäude an der Schlichtener Straße aussehen. © Rems-Murr-Kreis

Bis vor fünf Jahren stand der Krankenhausstandort Schorndorf noch auf der Kippe. 2017 kam aus dem Sozialministerium dann die erlösende Standortgarantie, nachdem das Medizinkonzept des Rems-Murr-Kreises grünes Licht bekommen hatte und, wie Landrat Richard Sigel sagt, die Rolle von Schorndorf neu definiert worden war. Jetzt wird kräftig in den Standort an der Schlichtener Straße investiert: Geplant ist ein neuer Funktionsbau mit einer Intensivstation, einem OP-Trakt mit acht Tageslicht-Sälen, einem Kreißsaal und einer interdisziplinären Notaufnahme. Die voraussichtlichen Kosten liegen aktuell bei 118 bis 120 Millionen Euro. Vor zwei Jahren war man noch davon ausgegangen, unter der Hundert-Millionen-Grenze bleiben zu können. Doch wie überall haben Inflation und Energiekostensteigerungen die Kosten in die Höhe getrieben.

Der Plan liegt fertig in der Schublade

Die Planung läuft in enger Abstimmung mit dem Land, und sie ist großzügig gefördert worden, so Landrat Sigel bei einem Pressegespräch. Aktuell gehen der Landrat, der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken GmbH André Mertel, der Schorndorfer Klinikleiter Dr. Rainer Pfrommer und Ärztlicher Direktor Dr. Christoph Ulmer davon aus, dass der Krankenhausausschuss im Dezember dem Bau grünes Licht geben wird. Damit könnten die Arbeiten im zweiten Quartal 2023 gestartet werden. Konzipiert wurde der Neubau mehrere Monate lang in klinikübergreifenden Teams, nun liegt der Plan fertig in der Schublade: „Wir könnten morgen loslegen“, sagt Sigel.

Während das neue Haus gebaut wird, kann im bestehenden Funktionsgebäude normal weitergearbeitet werden. Geht alles wie vorgesehen, soll der Neubau Mitte 2026 eingeweiht werden. Anschließend soll der Altbau außer Betrieb genommen werden. Unklar ist, was damit passieren soll. Auf jeden Fall soll das alte Gebäude weitergenutzt werden. „Es hat Entwicklungspotenzial“, sagt der Landrat: „Quadratisch, praktisch gut.“

Nach dem Bau des Winnender Klinikums war die Zukunft des Standorts Schorndorf zunächst fraglich. „Die Verzahnung zwischen Winnenden und Schorndorf hatte man vergessen“, erinnert Richard Sigel. Ein tragfähiges Medizinkonzept zu entwickeln, sei die Aufgabe der vergangenen Jahre gewesen. Im Zuge der medizinischen Weiterentwicklung war in den Standort an der Schlichtener Straße immer wieder investiert worden: 2017 wurde die besonders ausgestattete Komfortstation eröffnet, 2018 folgten der Aufbau der Aufnahmestation und die Einweihung des Hubschrauberlandeplatzes. 2019 wurde Schorndorf mit der Einrichtung einer übergreifenden Kardiologie dann als Notfallversorgungsstufe 2 eingestuft und damit Teil des Corona-Rettungsschirms. Und auch aktuell wird gearbeitet: Die neue Patientenaufnahme befindet sich im Bau, ein hochmodernes MRT wird derzeit installiert.

Ein Herzkatheterlabor zur Behandlung von Infarkten

Klar ist für den Ärztlichen Direktor Christoph Ulmer, dass eine Grund- und Regelversorgung für die Entwicklung eines modernen Krankenhauses nicht mehr gereicht hätte. Mittlerweile ist das Krankenhaus mehrfach zertifiziert: als Schlaganfallzentrum sowie regionales Traumazentrum, bei der Hernienchirurgie, der Koloproktologie, als Kompetenzzentrum Minimal Invasive Chirurgie und als zertifiziertes Wirbelsäulenzentrum Level II. Mit einem eigenen Herzkatheterlabor wurde das Leistungsspektrum bei der Behandlung von Herzerkrankungen ausgeweitet.

Die Kliniken nicht vergessen!

2015 lag das Defizit der Rems-Murr-Kliniken bei mehr als 30 Millionen Euro. Bis zu der Zeit vor der Pandemie habe man dieses Defizit auf 15 Millionen Euro senken können, sagt Landrat Sigel. Insgesamt sei man gut durch die Corona-Krise gekommen, nun aber, betont der Schorndorfer Klinikleiter Dr. Rainer Pfrommer, seien die Krankenhäuser an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Während der ganzen Zeit habe man Personal eingestellt, gleichzeitig aber Schulden abgebaut. Geschäftsführer André Mertel geht aktuell von einer Lücke von zehn Millionen Euro aus, bei der Bund und Krankenkassen einspringen müssten. Die Gründe dafür seien steigende Energiekosten, weniger Patienten und rückläufige Einnahmen, zählt Sigel auf. Gleichzeitig erwarte man von den Kliniken, dass sie im Herbst Gewehr bei Fuß stehen. „Jetzt wünsche ich mir, dass man die Kliniken nicht vergisst und wir die Ausfälle und Mehrkosten finanziert bekommen.“ Klar ist es für Sigel schon jetzt: „Wenn wir keine Förderung bekommen, sieht es schlecht aus.“

Krankenhäuser können die steigenden Kosten nicht weitergeben

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Landkreistag auf die prekäre Lage der Krankenhäuser hingewiesen, die aufgrund der unzureichenden Finanzierung der Pandemiefolgen und den verschärften Fachkräftemangel entstanden war. Nun haben sich die baden-württembergischen Landräte erneut an Bundes- und Landespolitik gewandt. „Als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist das Krankenhauswesen zusätzlich mit rasant steigenden Sachkosten konfrontiert“, schreiben die Landräte. Diese massiven Preissteigerungen könnten die Krankenhäuser im Unterschied zu anderen Unternehmen aber nicht durch Entgeltanpassungen weiterreichen. Ohne Inflationsausgleich bestehe daher die reelle Gefahr, dass die medizinisch-pflegerische Leistungsfähigkeit von Krankenhäusern aufgrund des Kostendrucks nachhaltig Schaden nimmt und sich wirtschaftlich sogar die Existenzfrage stelle.

Die baden-württembergischen Landkreise appellieren daher eindringlich an die Bundes- und Landespolitik: „Ohne rasche und nachhaltige Lösungen droht das gesamte Gesundheitssystem im Land auf eine abschüssige Bahn zu geraten.“

Bis vor fünf Jahren stand der Krankenhausstandort Schorndorf noch auf der Kippe. 2017 kam aus dem Sozialministerium dann die erlösende Standortgarantie, nachdem das Medizinkonzept des Rems-Murr-Kreises grünes Licht bekommen hatte und, wie Landrat Richard Sigel sagt, die Rolle von Schorndorf neu definiert worden war. Jetzt wird kräftig in den Standort an der Schlichtener Straße investiert: Geplant ist ein neuer Funktionsbau mit einer Intensivstation, einem OP-Trakt mit acht Tageslicht-Sälen,

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