Schorndorf

Mit dem Auto-Sofa ins  Schorndorfer Open-Air-Kino ist ein Publikumsrenner

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Autokino in Schorndorf
Ehrenamtliche Car-Girls und Car-Boys weisen den erwartungsvollen Kinobesuchern freundlich ihre Stellplätze zu. © Büttner
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Autokino in Schorndorf
Auto an Auto im dicht gedrängten Abstand an der Bildertränke des Traumpalast-Autokinos auf dem ehemaligen Gartenschau-Parkplatz in der Gottlob-Bauknecht-Straße. Fotos: Büttner © Büttner

Es ist zur Zeit der allmählich im Westen untergehenden Sonne, als nach und nach die vierrädrigen Tierchen mit ihren schimmernden Blech-Fellen langsam eintrudeln. Brav und geduldig lassen sie sich von einigen Car-Boys und Car-Girls vor einem großen LED-Screen einweisen.

Eine Herde Auto-Mustangs an der Bilder-Tränke

Denn die anrollende PS-Herde ist zur Bilder-Tränke erschienen. Sie ist abgezehrt event- und moviedürstig. Es ist Samstagabend und wir befinden uns auf einem Parkplatz im Industriegebiet an der Bauknechtstraße. Draußen vor der Stadt. Dort gibt es endlich wieder Kino! Autokino.

Und das schien doch viele Leute, die nach gefühlt ewigem Daheimbleiben mal wieder raus und mit anderen – wenn auch in geschützter Autohülle – gemeinsam etwas erleben wollten, nach Schorndorf zu locken. Der Einzugsbereich reichte, wie die Nummernschilder zeigten, von Ulm, Tübingen, Calw, Heilbronn und Backnang bis nach Aalen und Gmünd.

Mitgebrachtes Knabberzeugs statt Popcorn

In den Autos machten es sich meistens Paare jedes Alters gemütlich. Sitze nach hinten gestellt. Füße lässig ausgestreckt. Statt Popcorn vor Ort hatten sich die meisten mit mitgebrachtem Knabberzeugs und Getränken selbst versorgt. Großes Auto-Sofa im Freien mit Pizzaschachteln auf den Knien. Es konnte losgehen.

Und so glühten denn – zu Beginn noch im Wettstreit mit der sich versenkenden Abendsonne – von der hochauflöslichen modernen LED-Leinwand die Bilder, begleitet vom Ton, der über UKW-Frequenz aus dem Autoradio blubberte.

„Das perfekte Geheimnis“ hieß der Film, eine deutsche Komödie mit einem Staraufgebot von Elyas M’Barek (Fack ju Göhte) über Karoline Herfurth bis hin zu Jella Haase. Ein Film darüber, was für Abgründe offenbar werden, wenn sich die hippen, aufgeklärt-liberalen Teilnehmer eines ausgelassenen Abendessens versprechen, alle auf ihrem Handy eingehenden Mails und Nachrichten auch den anderen Freunden vorbehaltlos und sofort mitzuteilen.

„Wohlfühlzucker“ über Gefühlschaos und Lebenslügen

Gefühlschaos eben und Lebenslügen, über die der Regisseur Bora Dagtekin, wie ein Kritiker befand, vor allem am Ende reichlich „Wohlfühlzucker“ geschüttet habe. Aber sind es nicht oft genug Schein und Illusion, die den besonderen Reiz des Kinos ausmachen? Die Zeiten sind grad eh bös-sauer, da darf es im Film ja mal wohl bäbbig-süß sein.

Die Menschen sind froh, dass sie wieder rauskommen

„Es ist atmosphärisch alles extrem locker und super fröhlich“, fasst denn auch Marius Lochmannn, Betriebsleiter und Sohn des Rudersberger Kinomachers Heinz Lochmann, die Stimmung am inzwischen dritten Tag des Auto-Kinos in Coronazeiten zusammen. „Die Menschen sind froh, dass sie wieder rauskommen. Nach den Vorstellungen verabschieden sich viele mit dem Daumen-hoch-Zeichen. Es macht Spaß, hier zu arbeiten.“ Probleme? Na ja, gesteht Marius Lochmann: „Pro Abend bleiben so etwa drei bis vier Autos stehen, weil die Batterien durch den Radio-Empfang leer geworden sind.“ Aber auch hier wurde vorgesorgt. „Wir haben Schnellstarter angeschafft und können so in fünf Minuten wieder fünf Autos zum Laufen bringen.“

Es gibt auch ein Film-Virus, das einen ergreifen kann

Gibt es auch ein Film-Virus, das einen ergreifen kann?. „Ja, das gibt’s!“, sagt Marius Lochmann, ohne zu zögern. „Ich wollte immer schon Kinobesitzer werden. Ich bin mit all dem aufgewachsen. Hab’ es von Grund auf mitbekommen. Wir hatten zwei Millionen Besucher mit allen unseren Kinos im letzten Jahr!“ Da ist durchaus Stolz mitzuhören. Und die Lochmanns halten Schritt, investieren immer wider innovativ in neueste Technik.

Das Autokino als Ort des Begehrens und der Sehnsüchte

Nun aber wieder das gute alte Autokino. Geschichte, die wieder auftaucht. Das erste „Drive-in-Theater“ wurde 1933 in New Jersey eröffnet. Schon damals ging es vor allem den jüngeren Besuchern nicht zuallererst um den Film. Das Auto wurde zur elternfernen Schmusekammer. „Love Lane“, also „Liebes-Straße“ wurde die hinterste Reihe der Autos genannt. Dort gab es verbotenen Alkohol, verborgenes Schmusen und tastendes Petting. Das Kino als heimlich öffentlicher Ort des Begehrens und der Sehnsüchte.

„Bis jetzt ist uns noch nichts aufgefallen“, lacht Marius Lochmann über diesen historischen Rückblick. „Wir haben noch kein wackelndes Auto bemerkt.“

Es ist zur Zeit der allmählich im Westen untergehenden Sonne, als nach und nach die vierrädrigen Tierchen mit ihren schimmernden Blech-Fellen langsam eintrudeln. Brav und geduldig lassen sie sich von einigen Car-Boys und Car-Girls vor einem großen LED-Screen einweisen.

Eine Herde Auto-Mustangs an der Bilder-Tränke

Denn die anrollende PS-Herde ist zur Bilder-Tränke erschienen. Sie ist abgezehrt event- und moviedürstig. Es ist Samstagabend und wir befinden uns auf einem

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