Mit der „Bucki-Hose“ in die Modewelt
Schorndorf. Mit der „Bucki“-Schlaghose ging’s 1968 los, vor 40 Jahren dann hat Jürgen Buckenmaier die Firma Riani gegründet – und seither nahtlos an seinen Anfangserfolg angeknüpft: Mittlerweile hat die Riani GmbH, die er mit seiner Frau Martina Buckenmaier und Maren Segrt-Guba führt, 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein architektonisch preisgekröntes Headquarter mit Grafenberg-Blick und seit fünf Jahren auf der Berlin-Fashion-Week eine eigene Show.
Dass Riani einen exklusiven Platz in der Modewelt hat – spätestens beim Eintritt ins Headquarter, wie der Neubau im Steinwasen firmenintern heißt, werden die Dimensionen klar: 10 000 Quadratmeter in einem vom Laerer Architekten Franz Werger entworfenen und der Immobilienwirtschaft Stuttgart (IWS) ausgezeichneten Gebäude, strahlend hell, mit schwarzem Flügel im Eingangsbereich und flauschigen Teppichböden in den Büros. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
Obwohl Riani erst 2015 mit damals 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von der Gmünder Straße ins Gewerbegebiet gezogen ist, wird der Platz schon wieder knapp: Bei der Stadt liegt der Antrag für einen Erweiterungsbau für Büros und einen Werksverkauf sowie neue Stellplätze bereits vor. „Wir warten noch auf ein Signal“, sagt Martina Buckenmaier, die seit dem Umzug jeden Tag von ihrem Bürofenster aus den herrlichen Blick auf die Weinberge genießt.
„Mit Maß und Ziel“ – und ohne Kredite und Verbindlichkeiten
Kontinuierlich – „mit Maß und Ziel“ und ohne je Kredite oder Bankverbindlichkeiten in Anspruch genommen zu haben – ist die Riani GmbH, die bei ihrer Gründung noch Riani Bucki Mode GmbH hieß, gewachsen. 1991 bezog die Modefirma ihr Domizil an der Gmünder Straße – und gehörte 20 Jahre später bereits zu den Global Playern in der Mode-Branche: In Schorndorf ist bis heute – vom Entwurf und Schnitt, von Qualitätskontrolle bis Logistik – alles vereint, was die Kollektion betrifft. Fertigen lässt Riani seit Jahrzehnten bei den gleichen Partnern in Polen, Ungarn, der Türkei und Tschechien, von bis zu 350 fest angestellten Mitarbeitern. Die Stoffe kommen, wie schon in den 1970ern, zum überwiegenden Teil aus Italien.
Seit 2007 gehört Martina Buckenmaier zur Geschäftsführung, drei Jahre später folgte als Key-Account- und Export-Sales-Managerin Maren Segrt-Guba. 2011 hat die Modefirma in Schorndorf, Jürgen Buckenmaiers geliebter Heimatstadt, ihren ersten Riani-Store eröffnet: Im denkmalgeschützten, alten Badhaus an der Höllgasse kaufen mittlerweile Kundinnen aus Stuttgart, Ulm und München ein und werden dann zur Abrundung ihres Einkaufserlebnisses von den Mitarbeiterinnen oft in die Altstadt geschickt. Diese Woche folgte die Eröffnung des vierten Riani-Geschäfts in Münster, Martina Buckenmaiers Heimatstadt. Ihre Lederbekleidungsfirma, die Cruse Leather Sportswear GmbH, seit drei Generationen in Familienbesitz, ging Anfang dieses Jahres in der Riani GmbH auf.
Schritt für Schritt, so ist Riani seit 40 Jahren stetig gewachsen. Und will es weiter tun: Als nächstes Projekt soll der Online-Handel ausgebaut werden, von Buckenmaiers Tochter Mona verantwortet, die vergangenes Jahr ihren Master im Fach Fashion an der Universität Bocconi in Mailand gemacht und zwei Jahre lang bei einem Online-Händler Erfahrungen gesammelt hat. „Das ist die Abteilung mit dem größten Wachstum“, sagt Martina Buckenmaier. Geplant ist am Standort am Steinwasen außerdem ein Werksverkauf: Von Outlet-Centern in der Vergangenheit immer wieder umworben, hat sich Riani entschlossen, einen eigenen Verkauf von Mode aus dem Vorjahr, die von den Händlern zurückgenommen wird, im Headquarter zu eröffnen. Vielleicht verbunden mit einem Begegnungsplatz und einem Café.
Ein Spa für die Mitarbeiter
Im Firmensitz sind im Erdgeschoss und ersten Stock Lager und Vertrieb untergebracht, darüber befinden sich die Büros der Geschäftsleitung, die Räume des Chefdesigners Ulrich Schulte und seines Teams, der PR-, Marketing- und IT-Abteilung, das Stoffmuster-Lager und die Konfektionierung. Mit dem Einzug vor drei Jahren wurde im zweiten Obergeschoss aber auch das „Riani Day Spa“ eröffnet, in dem auch die Mitarbeiterinnen zum halben Preis Massagen und Gesichtsbehandlungen genießen sowie an Yoga- und Rückenschulkursen teilnehmen können. Für sie gibt es auch die „cosy kitchen“, eine von der Metzgerei Winter betriebene Kantine, in der sich auch schon Mitarbeiterinnen der Vogue die Maultaschen haben schmecken lassen – und eine fast 600 Quadratmeter große Dachterrasse mit Rasenflächen und Loungemöbeln, auf der Riani im Juli sein 40-jähriges Bestehen mit einer Fashion Show und einem „Dinner under the Stars“ gefeiert hat.
Zum Wohlfühlfaktor gehört bei Riani aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Wann und wo die Mitarbeiterinnen in der neuen Lebenssituation ihre Arbeit erledigen, ist für Martina Buckenmaier zweitrangig. An erster Stelle steht für sie der „Respekt vor der Doppelbelastung“. Und der ist bei Buckenmaiers familienbedingt: Mit einer Mode-Boutique an der Neuen Straße, bei alten Schorndorfern noch bestens bekannt, hat Jürgen Buckenmaiers Mutter die Familie nach dem Krieg auch mit dem Verkauf von hochwertigen Mänteln über Wasser gehalten. Der absolute Verkaufsschlager war der Mantel „Rialto“. Und der kam Jürgen Buckenmaier in den Sinn, als er einen italienisch klingenden Namen für seine Modefirma suchte – und von Rialto auf Riani kam.
Heimat Schorndorf
Schorndorf ist für Jürgen Buckenmaier und seine Frau Martina – auch wenn sie aus Münster kommt und die Daimlerstadt erst im Jahr 1999 kennengelernt hat – „Heimat“. Und die Liebe so groß, dass der Firmensitz für das Ehepaar anderswo nicht denkbar ist. „Schorndorf“, sagt Martina Buckenmaier, „fand ich von Anfang an heimelig und einladend.“
Dass sie sich für die Stadt engagieren, ist für Buckenmaiers selbstverständlich und darum bringen sie sich nicht nur als „Sponsoring Partner“ für die Remstal-Gartenschau ein, sondern statten die Hostessen mit Blusen aus, die mit einem Botanik-Print zur Blumen-Schau passen sollen.
