Schorndorf

Mit Jump Fit in die Selbstständigkeit

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Eine Stunde Trampolin-Workout mit Tanja Schäfer: Das Jumpen ist so anstrengend, wie es aussieht – aber darum auch sehr effektiv. © Sarah Utz
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Oliver Kettner von der IHK Region Stuttgart und Moderatorin Agnes Baldauf im Gespräch mit „Jump to Move“-Gründerin Tanja Schäfer (Mitte). © Sarah Utz

Schorndorf. Der Markt lässt sich in Ruhe beobachten, das Risiko ist überschaubar, Fehler wirken sich nicht gleich existenzbedrohend aus: Eigentlich logisch, dass die Hälfte der Unternehmen im Nebenerwerb startet. Beim Existenzgründertreffen hat Tanja Schäfer in ihrem Trampolin-Fitnessstudio im Röhm-Areal von ihren Erfahrungen berichtet – als Jungunternehmerin und Vollzeitbeschäftigte bei den Stadtwerken.

Kraftvoll und sehr energisch springt Tanja Schäfer ins Trampolin, im Takt der lauten Musik tritt sie auf die weiche Unterlage, bis der Schweiß rinnt. Mindestens genauso sportlich war die Gründung ihres Unternehmens: „Ich bin stur. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann mache ich es auch“, sagte sie beim Existenzgründertreffen, zu dem sie und die Stadt Schorndorf ins „Jump to Move“ im Röhm-Areal eingeladen hatten. Und tatsächlich hat Tanja Schäfer – von der Idee bis zur Eröffnung des eigenen Fitnessstudios – nicht lange gefackelt.

Nachdem sie im Internet den Trampolin-Sport entdeckt hatte und auch einige Zeit in einem Stuttgarter Studio gejumpt war, fragte sich die 36-Jährige bald: Warum gibt’s das Ausdauertraining, bei dem auch stark Übergewichtige mithalten können, nicht in Schorndorf? Und damit war ihre Entscheidung eigentlich gefallen: „Das mach’ ich.“ Ihre zweite Frage führte sie zu ihrem Chef: „Darf ich das?“ Immerhin hat Tanja Schäfer einen Vollzeitjob bei den Stadtwerken – und will ihn auch behalten.

Mit 24 Trampolins hat sie im Oktober 2015 begonnen, inzwischen sind 50 im Einsatz. Die elf Kurse, die ohne Mitgliedsbeitrag über ein Buchungssystem im Internet belegt werden können, sind voll. Mittlerweile gibt es sogar Wartelisten, die Tanja Schäfer bequem von zu Hause oder von der Eisdiele aus pflegen kann. Zusätzlich zu den Trainingsstunden im Röhm-Areal bietet sie – mit sechs angestellten Trainerinnen – im Bürgerhaus Buhlbronn vormittags Kurse an und veranstaltet Kindergeburtstage.

Von dieser atemberaubenden Gründung im Nebenerwerb zeigte sich beim Existenzgründertreffen nicht zuletzt auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer beeindruckt – wenn auch mit gemischten Gefühlen: „Ich würde Sie ungern verlieren.“ Aber im Moment hat Tanja Schäfer gar nicht vor, ihre Selbstständigkeit in Richtung Vollerwerb auszubauen. Ihr festes Standbein im Schichtbetrieb bei den Stadtwerken und im Buhlbronner Bädle will sie behalten – und nimmt sich dabei ihren Partner Oliver Schacherl zum Vorbild: Auch er arbeitet in Vollzeit als Saunameister bei den Stadtwerken und führt nebenbei zwei Kleinunternehmen. Von seiner Erfahrung konnte die Jungunternehmerin profitieren – vom Businessplan bis zum Banktermin.

IHK: Reichlich Informationen für Existenzgründer

Angestellten, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen, empfiehlt auch Oliver Kettner, der als Vertreter der IHK Region Stuttgart ins „Jump to Move“ gekommen war, sich erst mal möglichst viele Informationen einzuholen. Aus diesem Grund bietet die IHK monatliche Existenzgründerveranstaltungen und Finanzierungssprechtage an. Kettner macht – bei konkreten Fragen – auch Einzelberatung. Außerdem veranstaltet die IHK Grillabende und Business-Brunchs für Gründer.

Und auch beim Existenzgründertreffen der Stadt Schorndorf gab es erste Informationen: Eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb muss nicht unbedingt vom Arbeitgeber genehmigt sein – solange man nicht in Konkurrenz geht, die Pflichten als Arbeitnehmer nicht vernachlässigt und sich in der arbeitsreichen Freizeit nicht völlig verausgabt. Ein Blick in den Arbeits- oder Tarifvertrag lohnt sich dennoch – schließlich gibt es Nebentätigkeitsklauseln. Um den Arbeitsplatz nicht unnötig zu gefährden, sollte im Idealfall, so die Empfehlung, der Vorgesetzte im Bilde sein.

Angemeldet werden muss die Neugründung aber in jedem Fall – Kleingewerbe (für 19,80 Euro) bei der Stadt, Freiberufler müssen den Beginn ihrer nebenberuflichen Tätigkeit beim Finanzamt melden. Auch die Krankenversicherung und die Sozialversicherungsträger sollten über die Selbstständigkeit informiert sein, immerhin gibt es Grenzen des Nebenverdienstes. Und empfiehlt Kettner auch grundsätzlich, sich als Unternehmer auf das zu konzentrieren, was man kann, und im Zweifelsfall lieber die Buchhaltung aus der Hand zu geben, ist er der Meinung: „Unternehmer sollten auch ihre Zahlen lesen können.“

Von der Gründung eines Online-Shops rät Kettner indes eher ab. „Da fangen die Probleme erst richtig an“: falsches Impressum, mangelhafte AGBs, Warenretouren, die 14 Tage lang möglich sind. Wer Selbstgenähtes verkaufen möchte, muss Textilkennzeichen und Verpackungsverordnungen beachten, wer Eingemachtes vertreiben will, Lebensmittelkennzeichnungen. Darum gilt für IHK-Referatsleiter Kettner die eiserne Existenzgründer-Regel: „Im Vorfeld informieren.“ Das gilt nicht zuletzt auch für Unfall- oder Haftpflichtversicherungen, mit denen Unternehmer Risiken überschaubar halten sollten.

Gründertreffen
Der Termin für das nächste Existenzgründertreffen der Stadt Schorndorf steht bereits fest: Montag, 21. November. Ort und Thema werden noch bekanntgegeben.