Schorndorf

Mittelmühle Adelberg: Kuschelschafe, Glühwein und besondere Weihnachtsbäume

Weihnachtsbäume
Familienausflug Weihnachtsbaumkauf: Hier lässt es sich vortrefflich abschalten und genießen. © Gabriel Habermann

Tannenduft, Glühweindampf, wollige Schafe und glitzernder Christbaumschmuck – wer so richtig Weihnachtsstimmung tanken will, ist hier gut aufgehoben: Rund um die Mittelmühle in Adelberg ist einer der stimmungsvollsten Baumverkäufe der Region zu finden. Seit mehr als 45 Jahren züchtet Familie Müller Tannenbäume nach ökologischem Ansatz, aber ohne Zertifikat. Das bringe nicht mehr Geld, dafür aber erheblich mehr Bürokram, findet Harald Müller.

Ein Herz für Tannen mit dem gewissen Etwas

Wer ein Herz für das Besondere hat, wird an der Mittelmühle in jedem Fall fündig. Natürlich gibt’s auch hier die klassischen Bäume, die jede Norm erfüllen würden. Oben eine elegante Spitze, nach unten hin ein klassisch buschiges Dreieck. Premium quasi. Und dann gibt’s da noch die Speziellen.

Liebhaber kommen alleine ihretwegen jedes Jahr in das Tal bei Adelberg. „Von der Natur geküsst“, steht über dem Eingang in diese Extraausstellung. Hier warten all jene Tannen, die im Laufe ihres Wachstums durch einen Vogel, durch Frost oder Hagelschlag einen kleinen Schaden abbekommen haben.

Bäume für jeden Geldbeutel: Top-Bäume, Spezial-Tannen, Fundgrube

Mal ist die Spitze abgebrochen und es sind gleich drei nachgewachsen, mal wächst der Baum in Kurven oder besonders lang. Derlei vermeintliche Macken kultiviert Müller ganz besonders. „Wenn Sie die bewusst in Szene setzen, wird das ein Weihnachtsbaum, über den man noch lange spricht“, da ist er sich sicher.

Wie wäre es also mit drei Sternen auf drei Christbaumspitzen? „Das ist ja keine Entscheidung fürs Leben", macht Müller Mut. In jedem Fall sind diese Charakterbäume seine absoluten Lieblinge.

Jeder Baum wird einzeln bewertet

Und dann gibt’s in der Fundgrube natürlich noch die Exemplare, die an einer Seite ein kleines Loch haben und daher etwas günstiger sind, die etwas schief gewachsen sind und Ähnliches. „Das ist mir vor allem in diesem Jahr wichtig, wo manche Leute wirklich aufs Geld gucken müssen.“

Grundsätzlich orientiere er sich an den Preisempfehlungen, mit 21 bis 27 Euro pro Laufmeter. Erhöht hat er heuer nicht. Schließlich hätten sich seine eigenen Produktionskosten auch kaum verändert.

Punsch und Glühwein nach Christbaumkauf

Allerdings bewertet er jeden Baum einzeln, so dass besonders prachtvolle Tannen auch mal mehr kosten können. Dafür sind andere eben auch günstiger. Während die Bäume noch in der Kultur stehen, bekommen sie entsprechende Etiketten verpasst. Sind die Exemplare der entsprechenden Kategorie aus, bittet er einfach einen Mitarbeiter, Nachschub zu holen. „So muss ich auch nur wenige Bäume wegschmeißen, wenn die Saison vorbei ist.“

Wer einen Baum kauft, bekommt hinterher noch einen Punsch oder Glühwein. Endlich wieder. Wegen der Corona-Pandemie sei das lange nicht möglich gewesen. „Jetzt feiern die Leute das richtig.“ In einer kleinen Ausstellung gibt es außerdem Baumschmuck zu kaufen, und ein Christbaumlehrpfad (mit Start am 500 Meter entfernten Wanderparkplatz) lädt zu einer informativen Wanderung durch die Tannenbaumkultur ein. Die 24 reichlich bebilderten Tafeln sind kurz und informativ gestaltet.

Müllers Baumkulturen bieten vielen Tieren Lebensräume

Harald Müller züchtet seine Bäume mit Leidenschaft und Köpfchen. „Es gibt ja immer wieder Leute, die Schwierigkeiten damit haben, einen Baum umzusägen, nur um ihn für drei Wochen im Wohnzimmer stehen zu haben“, weiß er. Die kann er allerdings beruhigen. Die Bäume, die bei ihm in der Kultur wachsen, bieten einen Lebensraum über Jahrzehnte hinweg.

Wie das? Er erklärt: Sägt er einen Baum ab, lässt er den Stumpf samt der Wurzel im Boden, das neue Tännchen, das zu diesem Zeitpunkt etwa 15 Zentimeter groß und drei Jahre alt ist, setzt er daneben. Nun wächst der Folgebaum über die nächsten acht bis neun Jahre. „Währenddessen beherbergt er etliche Tiere“, erklärt Müller.

Shropshireschafe: Futtern keine Tanne, nur Unkraut, Gras und Hafer

Wenn er den Baum dann ernte, könne er noch immer den Stumpf des Vorgängers sehen. „Und der ist dann wirklich ein Biotop für Kleinstlebewesen“, freut sich der Landwirt. Nie werden die Kulturen komplett abgeräumt, das freut die Tierpopulationen.

Ein Grund für die enorme Belebtheit des Bodens sei auch die Beweidung der Fläche durch die Shropshireschafe. Sie halten die umgebende Wiese kurz und düngen gleichzeitig. Ihre Rasse ist die einzige, die alles außer Nadelbäume frisst. „Alle anderen Rassen würden es umgekehrt machen“, erklärt er.

„Die würden erst die Bäumchen fressen und dann den Rest.“ Aber es gibt noch einen positiven Nebeneffekt, während das Unkraut kurz und der Boden vital gehalten wird: Auf diese Weise kann das Wasser besser in der Fläche gespeichert werden.

Liebeserklärung an Schaf Nummer 67: Kleine Schmusewolke

Zu seinen Schafen hat er eine wirklich enge Bindung: „Das sind ganz tolle Helfer, die nicht meckern.“ Jetzt zur Weihnachtszeit sind sie auf der Wiese direkt neben dem Verkaufsplatz untergebracht. Hauptsächlich knabbern sie ihr Futter in Form von Grashalmen vom Boden ab.

Aber einmal am Tag kommt Müller mit einem Eimer voll gequetschten Hafers. „Das ist für sie wie Schokolade, da kommen sie gleich angerannt.“ Dabei lasse sich bestens kontrollieren, ob es den Tieren gut geht. Namen haben seine Schafe keine. Nummern tun es auch.

In der Herde: Jedes Schaf ein Individuum

Und Nummer 67 ist besonders verschmust. Hat sie sich ihr Leckerchen abgeholt, fordert sie zunächst mal ein paar Streicheleinheiten ein. Und dann gibt’s noch die „Chefin“. Die sagt ihren Kolleginnen und Kollegen, wo es langgeht. Wechseln sie ihren Einsatzort, läuft sie neben dem Chef her.

Die Herde folgt. Und da sei eben keins wie das andere: Manche sind schüchtern, andere draufgängerisch. Zwölf bis 13 Mutterschafe hat er, gegen Februar kommen die Lämmer. Hund, Katze und ein Huhn, das mit Vorliebe auf dem Kundenparkplatz spazieren geht, gibt es außerdem.

Tannenduft, Glühweindampf, wollige Schafe und glitzernder Christbaumschmuck – wer so richtig Weihnachtsstimmung tanken will, ist hier gut aufgehoben: Rund um die Mittelmühle in Adelberg ist einer der stimmungsvollsten Baumverkäufe der Region zu finden. Seit mehr als 45 Jahren züchtet Familie Müller Tannenbäume nach ökologischem Ansatz, aber ohne Zertifikat. Das bringe nicht mehr Geld, dafür aber erheblich mehr Bürokram, findet Harald Müller.

Ein Herz für Tannen mit dem gewissen

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