Schorndorf

Modellbau: Ein vielseitiges, kreatives Hobby

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Der Jugend-Modellbahn-Club Remshalden lässt die Züge auf seiner Modulanlage laufen (von links): Jannis Lütgarth, der stellvertretende Vorsitzende Dominik Föhl, Noah Nickisch, der Vorsitzende Oliver Gollub, Dieter Föhl, Luisa Ragwitz und Schriftführer Adrian Zeyher. © Palmizi / ZVW
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Liebevoll gestaltete Details und Züge aus verschiedenen Epochen machen die Modulanlage des JMC zu einem Hingucker. © Palmizi / ZVW
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Ein Zug ist aus der Spur geraten, Jannis Lütgarth, 14, und Dominik Föhl, 25, suchen den Fehler. © Palmizi / ZVW

Remshalden. Der Name ist Programm: Der Jugend-Modellbahn-Club Remshalden ist kein normaler Verein, der unter anderem auch Jugendarbeit macht. Nein, die Jugendarbeit ist hier der Hauptzweck. Nach der Renovierung des Kellers der Geradstettener Grundschule hat der JMC jetzt wieder Raum, sein kreatives Potenzial umzusetzen. Und er zeigt dort: Modellbahnbau hat Zukunft.

Video: Im Jugend-Modellbahn-Club Remshalden

„Im Prinzip“, sagt Dominik Föhl, „ist das hier das gleiche System wie bei der Deutschen Bahn.“ Der 25-Jährige steht an der Steuerungseinheit der Modulanlage, die sich über die ganze Länge des Flurs im Keller der Grundschule Geradstetten ausbreitet. Auf mehr als 50 Metern Gleisen sind dort bis zu acht Züge gleichzeitig unterwegs. Damit sie dabei nicht zusammenstoßen, hängt an jedem ein kleiner Magnet, über den der Zug verortet wird. Sobald er dann an einem Signal vorbeifährt, springt das auf Rot und blockiert den entsprechenden Streckenabschnitt für andere Züge.

So läuft der Verkehr rund – zumindest größtenteils. Denn hier ist es auch wie bei der Bahn: Kleinere und größere Störungen kommen schon mal vor. Da muss nur ein Wagen aus den Modellgleisen springen und schon geht gar nichts mehr. Aber: Problem erkannt, Problem gebannt. Schnell rollt alles wieder mehr oder weniger flüssig.

Perfektionismus, das betont allerdings der Vereinsvorsitzende Oliver Gollub, ist nichts, was der Verein verbissen anstrebt. „Es darf auch mal was schiefgehen“, sagt er. Denn: Das Konzept des Jugendmodellbahnclubs ist es eben nicht, dass die alten Hasen machen, die es eh schon können, und die Jungen schauen andächtig zu, sondern es ist andersrum: Die Jungen machen und die Alten sind dabei, leiten an und geben Hilfestellung. „Die müssen erst ihre Erfahrungen sammeln“, sagt Dieter Föhl, einer der alten Hasen. „Deswegen ist bei uns auch nicht alles perfekt.“

Es gehört zum Konzept, die jungen Leute ihr Ding machen zu lassen

Mit diesem Konzept ist der Club ziemlich einzigartig. Normalerweise haben die Modellbahn-Vereine, wenn überhaupt, eine Jugendabteilung, die im normalen Betrieb mitläuft. Doch der JMC Remshalden wurde von Anfang an mit dem Ziel gegründet, junge Menschen für den Modellbahnbau zu begeistern. Und dazu gehört es eben, sie ihr Ding machen zu lassen.

Gerade ist der Verein noch dabei, die neuen Räume, die die Gemeinde zur Verfügung stellt, richtig einzurichten. Obwohl Ferien sind, sind beim Clubabend einige Mitglieder zugange. Vor der Tür auf dem Schulhof der Grundschule sägen zwei Jungs Regalbretter zu und schleifen die Kanten ab. Die handwerkliche Seite gehört natürlich auch dazu, wenn es an den Anlagenbau geht. Dazu kommen Elektronik und zunehmend auch IT und Programmieren. Außerdem eine sehr wichtige Fähigkeit, die man nur schwer lernen kann: Kreativität. Die Anlagen entwerfen die Modellbahner selber, überlegen sich, wie sie Landschaften anlegen wollen, wie sie mit kleinen Plastik-Menschlein bevölkert sein sollen und was diese machen sollen.

Gemeinschaftliches Planen

Die Modulanlage, die den Flur im Keller der Grundschule ausfüllt, ist voll mit liebevoll gestalteten Details und Hinguckern. Beispiel? Eine dramatische Situation: An einer Stelle ist ein Auto verunglückt. Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen sind blinkend im Einsatz. Zwei Sanitäter kümmern sich um ein Unfallopfer, das auf der Straße liegt. Wenn man einen Knopf vorne an der Anlage drückt, dann beginnt einer der beiden mit einer Herzdruckmassage.

Während die schon fertige Modulanlage jederzeit abgebaut, zu Ausstellungen transportiert und dort wieder zusammengesetzt werden kann, kommt in einen der neuen Räume nun auch eine neue, feste Anlage. Auf dem Boden sind dort schon die Verläufe der Gleise aufgezeichnet, an der Wand hängt ein Entwurf für das Ganze.

„Hier kommt ein großer Bahnhof hin, hier eine Stadt“, erklärt Adrian Zeyher, 22, und schreitet den Raum ab. Entstanden ist der Entwurf in Gemeinschaftsarbeit. Die Zeit, in der sie keine Vereinsräume hatten, haben sie gut genutzt und sich regelmäßig trotzdem getroffen. Jeder hat Pläne gemacht, wie er sich die neue Anlage vorstellt, und daraus entstand in der Kombination der besten Teilstücke der Gesamtplan.

„Entscheidend ist“, sagt Oliver Gollub, „dass die jungen Leute die Anlage federführend planen.“ Sie früh in die Verantwortung zu nehmen und Dinge selbst machen zu lassen, das fördere Identifikation und Engagement, und das baue Selbstbewusstsein auf. Teamgeist, Verantwortungsgefühl, Disziplin und Ordnung, das seien Tugenden, die man im Verein vermitteln wolle.

Modellbahnbau ist Technik und Handwerk, aber auch Kunst

Gegründet wurde der Club 1999. Gründungsmitglieder, die damals kleine Jungs waren, sind heute im Vorstand, wie zum Beispiel der jetzt 25-jährige Dominik Föhl. Auch schon etwa vier Jahre dabei ist der 14-jährige Jannis Lütgarth aus Grunbach. Ihm mache besonders die Landschaftsgestaltung Spaß, sagt er. Die meisten spezialisieren sich im JMC irgendwann auf ein bestimmtes Gebiet, das ihnen liegt und in dem sie gut sind.

Ziemlich vielseitig ist die 18-jährige Luisa Ragwitz. Sie ist seit drei Jahren dabei und war das erste weibliche Wesen im Verein (mittlerweile sind zwei Mädels dabei). „Ich habe mich schon als kleines Kind für Technik und Arbeiten mit Holz interessiert“, sagt sie. Außerdem bauen auch Vater und Bruder zu Hause an Modellbahnen herum. Eigentlich komme sie aus dem IT-Bereich, sagt sie, aber: „Kunst liegt mir total.“

Ein Haus auf alt trimmen oder es von Efeu bewuchern lassen: „Dazu braucht man ein Händchen und das nötige Auge“, sagt Oliver Gollub. Modellbahnbau ist also ein ziemlich vielseitiges Hobby, Modellbauer müssen zugleich gute Handwerker, Techniker und zudem künstlerisch veranlagt sein – und dabei ständig auf dem Laufenden bleiben. „Man muss neugierig sein“, sagt Oliver Gollub. Denn: Die Standards entwickeln sich fort, neueste Technologien halten Einzug. Als Nächstes wollen sie ein eigenes System aufbauen, das sie am Computer selbst programmieren. Da sage noch einer, Modellbahnbau sei von gestern.

Der Club:

Der Jugend-Modellbahn-Club Remshalden hat die Club-Räumlichkeiten für seine derzeit 44 Mitglieder im Keller der Grundschule Geradstetten. Wer mitmachen möchte, sollte mindestens zehn Jahre alt sein. Bei Interesse ist es der beste Weg, einfach beim Club-Abend vorbeizukommen, der ist jeden Freitag von 18 bis 20 Uhr (falls der Abend in den Ferien mal ausfällt, wird vorher im Mitteilungsblatt informiert).

Mehr Infos und Kontaktadressen gibt es auf www.jmc-remshalden.de. Auch auf Facebook ist der JMC zu finden. Wer Fragen hat, kann auch Adrian Zeyher anrufen, unter  01 78/3 41 58 19.

Live erleben kann man den JMC auch bei Festen in Remshalden, zum Beispiel dieses Jahr wieder mit seiner Modulanlage beim Weihnachtsmarkt im Rathaus.