Schorndorf

Nach Kita-Brand in Oberberken: Noch sind Fragen offen

KinderdorfBrand
Hier haben einmal Kinder gespielt – das ist kaum zu glauben. So schnell wie möglich soll die Brandruine abgerissen werden. Das Foto zeigt die Rückseite des Hauses. Am Brandabend waren die Feuerwehrabteilungen Oberberken, Stadt, Weiler und Haubersbronn (zur Wachbesetzung) im Einsatz. © Gaby Schneider

Diesen Sonntagabend wird man in Oberberken wohl nicht so schnell vergessen: Es war der 16. Mai, als im Kindergarten am Wasserturm im SOS-Kinderdorf ein Feuer ausbrach. Als die Feuerwehr um 17.42 Uhr mit sieben Fahrzeugen ankam, brannte der Kindergarten schon lichterloh. Schnell war klar, dass das Gebäude mit seinen vielen Teilen aus Holz nicht zu retten war. Fast drei Wochen später ist der einstige Kindergarten nur noch eine ausgebrannte Ruine. 117 Feuerwehrleute waren an diesem Abend beteiligt, 14 Fahrzeuge, sechs Löschrohre, 50 Atemluftflaschen und zweimal 200 Meter Schlauchleitung im Einsatz. Die Feuerwehr kann den Brand in Zahlen konkret beziffern. Andere Fragen sind noch ungeklärt.

Die Sonne scheint an diesem Nachmittag auf das zerstörte Gebäude. Wer vor der Absperrung steht, kann den beißenden Geruch von Rauch und Ruß noch immer wahrnehmen. „Herzlich willkommen“ steht in großen bunten Buchstaben über der Eingangstür, die dem Brand standgehalten hat. Auch das Büro neben dem Eingangsbereich hat das Feuer überstanden. Einige Unterlagen und ein paar Wertgegenstände konnten sogar gerettet werden. Der Rest des Kindergartens: zerstört. Das Dach ist stark einsturzgefährdet – wann es endgültig zusammenbrechen wird, vermögen die Feuerwehrmänner Jochen Niemann (Abteilungskommandant in Oberberken), Feuerwehrpressesprecher Patrick Bellon und sein Stellvertreter Steffen Heckel nicht zu sagen. Doch an jenem Abend hat die Katastrophe sehr schnell ihren Lauf genommen. Entdeckt hatte das Feuer eine Erzieherin des Kindergartens, die in Oberberken zu Hause ist. Auf einem Spaziergang war sie mit ihrem Mann am Kindergarten vorbeigekommen, hatte zunächst nur ein Schimmern bemerkt und dann die Feuerwehr verständigt. Die war gerade mal neun Minuten später vor Ort gewesen. „Sehr viel schneller geht es nicht“, sagt Patrick Bellon.

Die Feuerwehr erkundete, ob sich Personen im Innern aufhielten

Ein Teil der Wehr war aus Oberberken angerückt, ein anderer direkt von einem Brand in der Baumwasenstraße. „Als wir kamen, hat es schon lichterloh gebrannt“, erzählt Patrick Bellon. Ein Stück weit sei die Wehr in das Gebäude eingedrungen, um zu erkunden, ob sich noch Personen darin aufhalten, was aber zum Glück nicht der Fall gewesen sei. Am Morgen war der Brand gelöscht. Doch noch bis 17 Uhr mussten Glutnester beseitigt werden.

Wo genau das Feuer ausbrach und unter welchen Umständen, ist noch ungeklärt – die Kriminalpolizei ermittelt. Bereits am Tag nach dem Feuer hatte die Polizei mitgeteilt, dass es am Einsatzort Hinweise auf Brandstiftung gegeben habe. Schnell richtete sich der Tatverdacht gegen ein Kind und einen Jugendlichen, die offenbar beide aus dem Kinderdorf kommen sollen. Mittlerweile sind die Ermittlungen am Brandort abgeschlossen.  Doch noch immer sind die Hintergründe nicht geklärt. „Ein Gutachten und weitere Vernehmungen stehen aber noch aus“, sagt Polizeisprecher Robert Kreidler. Diverse Zeugen müssten noch befragt werden.

Der abgebrannte Kindergarten ist ein bedrückender Anblick, den die Kinder und Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf seit fast drei Wochen vor Augen haben. „Sie sind sehr betroffen“, sagt Bereichsleiter Volker Grimm. Vor allem die Kinder, die den Kindergarten aktuell selbst besuchen oder mal besucht haben, könnten die Situation nicht begreifen. So schnell wie möglich soll das Gebäude abgebrochen werden. „Am liebsten morgen“, sagt er, bleibt aber realistisch: Das Baugewerbe sei gerade stark beansprucht. Die Versicherung hat bereits signalisiert, dass sie den Schaden übernehmen wird, ein neuer Kindergarten wird gebaut. Gemeinsam mit der Stadt soll ausgelotet werden, wo Bedarf besteht, sagt Grimm. Bisher waren im kleinen Kindergarten am Wasserturm zwei Gruppen untergebracht, bei einem Neubau sei aber vieles denkbar. Eine dritte Gruppe oder Ganztagsbetreuung – seit dem Bau des Kindergartens habe sich viel getan. „Die Kindergartenlandschaft ist heute anders.“ Auch für die Kindergartenkinder und ihre Eltern war das Feuer ein schlimmer Einschnitt. Nach dem Brand war im Gemeinschaftshaus auf dem Gelände des Kinderdorfs eine Notgruppe eingerichtet worden. Diese hat nun ausgedient. Von 7. Juni an soll der Betrieb des Kindergartens durch Umzüge in andere Einrichtungen wieder möglich sein. Die Kinder aus dem abgebrannten Kindergarten gehen in den „Kindergarten in den Geißhecken“. Dort werden dann 50 Kinder über drei Jahren in zwei Gruppen betreut. Um Platz zu machen, ziehen die Kinder unter drei Jahren, die bisher in den Geißhecken waren, in die „Krippe Hermann-Gmeiner-Straße“ im Kinderdorf um. Dort werden dann 14 Kinder in zwei Gruppen betreut. „Die Eltern sind informiert“, sagt Volker Grimm. Damit könnten alle Kinder in Oberberken bleiben.

Diesen Sonntagabend wird man in Oberberken wohl nicht so schnell vergessen: Es war der 16. Mai, als im Kindergarten am Wasserturm im SOS-Kinderdorf ein Feuer ausbrach. Als die Feuerwehr um 17.42 Uhr mit sieben Fahrzeugen ankam, brannte der Kindergarten schon lichterloh. Schnell war klar, dass das Gebäude mit seinen vielen Teilen aus Holz nicht zu retten war. Fast drei Wochen später ist der einstige Kindergarten nur noch eine ausgebrannte Ruine. 117 Feuerwehrleute waren an diesem Abend

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