Schorndorf

Naturfilmer: Blick in unzugängliche Welten

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Brian McClatchy bei der Arbeit, die ihn manchmal in ferne Länder führt, manchmal aber auch wie hier nur um die Ecke in die Grunbacher Streuobstwiesen. © Ralph Steinemann
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Standbild aus dem Filmmaterial, das Brian McClatchy in den Grunbacher Streuobstwiesen aufgenommen hat: Eine Hornisse entsorgt eine Larve, die nicht mehr gebraucht wird. © Brian McClatchy
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Auge in Auge mit einem Ohrwurm in seinem Nest: Der Ausschnitt auf diesem Bild ist in Wirklichkeit winzig, die traubenartigen Eier messen gerade mal eineinhalb Millimeter. © Brian McClatchy
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© Joachim Mogck
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© Joachim Mogck

Remshalden. Seine Arbeit läuft auf Sendern wie Arte und BBC. Brian McClatchy macht mit seiner Kamera Welten sichtbar, die die Menschen andernfalls entweder nicht beachten oder gar nicht sehen können. Sie liegen entweder in fernen, unzugänglichen Gegenden, in der Arktis, im Dschungel, oder sie sind zwar nah, aber so klein und verborgen, dass sie niemand zu Gesicht bekommt.

Video: Eindrucksvolle Filmaufnahmen von Brian McClatchy. (Auschnitt: Fledermäuse, Warte bis es Dunkle wird!)

Voraussichtlich Ende dieses Jahres werden einige Remshaldener im Fernsehen auf Arte zu sehen sein. Es sind Zeitgenossen, deren Existenz von den meisten ihrer menschlichen Nachbarn wenig beachtet wird. Brian McClatchy lässt auf seinem Laptop einige erste Ausschnitte aus einer Film-Dokumentation laufen, für die er vergangenes Jahr auch in den Streuobstwiesen rund um Grunbach gedreht hat. Hornissen sind zu sehen, die emsig an ihrem Nest bauen, die jagen und Nahrung sammeln; dann Schmetterlinge, die lange Zungen ausfahren, um aus Blüten zu trinken, schließlich Luftbilder: ein Flug über die Wipfel vollbehangener Apfelbäume in der Sonne.

Seit 13 Jahren im Remstal

Brian McClatchy ist Amerikaner, geboren und aufgewachsen an der Ostküste, in Philadelphia. Im Remstal lebt er seit etwa 13 Jahren, erst in Großheppach, jetzt seit drei Jahren in Grunbach. Die Liebe zu einem „Schwarzwaldmädel“, so sagt er, brachte ihn nach Deutschland: In Paris lernte er als Kunst- und Filmstudent bei einem Auslandssemester seine Frau kennen. Im Remstal wuchsen seine beiden Kinder auf. Mittlerweile sind sie erwachsen und reisen selbst durch die Welt.

Bevor er hier sesshaft wurde, war Brian McClatchy ein Vagabund. Oft war er beruflich unterwegs und hatte die Kamera dabei. Dokumentationen interessierten ihn schon immer, als Zuschauer und als Filmemacher. Warum? „Sie eröffnen einem Welten, in die man sonst im Alltag nie hineinkommen würde“, sagt er. Er hat auch schon Werbefilme, Regionalnachrichten und Sport gemacht, aber seit zehn Jahren ist der 52-Jährige auf Naturfilme spezialisiert. Er hat bei Dokus über sehr verschiedene Tiere mitgewirkt und vom Regenwald bis zur Arktis sehr verschiedene Lebensräume erkundet.

Mitten im Hornissennest und im Kinderzimmer der Ohrwürmer

Ein Leitthema wurde bei seiner Arbeit die Intelligenz und das Verhalten von Tieren, oft ging es bei seiner Arbeit um Vögel. Er filmte Schneeeulen in Alaska, Wanderfalken auf dem Heidelberger Kirchturm und zuletzt Krähen in Neukaledonien. Sein neuestes Lieblingstier ist jedoch die Hornisse. Über Monate hat er den Lebenszyklus seiner Protagonisten beobachtet.

Nicht alle, aber ein guter Teil der Bilder, die er für den Film liefert, sind in den Streuobstwiesen entstanden, in denen er auch sonst viel mit Hündin Sydney unterwegs ist. Die Filmbilder zeigen Remshalden und seine Umgebung aus Blickwinkeln, die sich sonst nicht so einfach bieten. Brian McClatchy nimmt den Zuschauer mit ins Hornissennest und ins Kinderzimmer bei Familie Ohrwurm.

Kamerataugliche Nester

Um den Insekten so nahe zu kommen, musste der Naturfilme ein bisschen nachhelfen. Für die Hornissen holte er sich die Unterstützung eines Grunbacher Imkers. Der hat ihm ein Hornissen-Volk verschafft, das er in freier Natur in einen hohlen Kirschbaumstamm eingebaut hat. Den Stamm hatte McClatchy mit einem Fenster versehen, durch das er die Tiere filmen konnte. Auch das Nest des Ohrwurms hat er mit Hilfe von Wissenschaftlern der Uni Mainz kameratauglich nachgebaut.

Es sind Projekte, die lange Zeit in Anspruch nehmen, für die Brian McClatchy immer wieder mit der Kamera auf der Lauer liegt. Wenn man mal anfange, die Stunden zu rechnen, dann komme man auf keinen grünen Zweig. Aber er habe immer mehrere Projekte parallel laufen, da komme er finanziell schon durch.

Allein die Suche nach den Protagonisten ist oft zeitaufwendig: „Es ist der Clou an der Sache, Tiere zu finden, die einem vertrauen“, sagt Brian McClatchy. Das gilt nun weniger für Insekten – obwohl sich zum Beispiel Ohrwürmer auch nicht so einfach filmen lassen, ohne sich gestört zu fühlen – als für größere Exemplare. „Ich will so nah ran wie möglich.“ Da müsse man Tiere finden, die das akzeptieren und sich trotzdem noch natürlich verhalten.

Wilde Tiere hautnah - ein gefährlicher Job?

Wenn man wilden Tieren so nahe kommt, dann wird es aber sicher auch mal gefährlich, oder? Brian McClatchy schüttelt den Kopf. „Wenn du dich normal verhältst und keinen Blödsinn machst, dann ist kein Tier wirklich gefährlich“, sagt er. Es sei leider eine Entwicklung bei den Naturfilmen, dass viele die Gefährlichkeit bestimmter Tiere überhöhen und dramatisieren. „Das ist ein Hype, weil es sich gut verkauft“, sagt er. Auch die Hornissen hätten ja ihren schlechten Ruf völlig zu Unrecht. „Die sind eher zurückhaltend und gar nicht aggressiv“, sagt er. Wenn man es genau nehme, dann sei das Reisen und dabei vor allem das Autofahren wahrscheinlich das Gefährlichste an seinem Job. „Ich war schon in drei Unfälle verwickelt, bei denen ich hätte sterben können“, sagt er.

Dann doch lieber zu Fuß in die heimischen Streuobstwiesen – na ja, meint Brian McClatchy: Ob er jetzt, wo die Kinder mit der Schule fertig sind, auf Dauer im Remstal sesshaft bleibe, sei nicht gesagt. Da gilt wohl auch der Satz, den er über seine Arbeit sagt: „Mir macht die Abwechslung Spaß. Immer das Gleiche zu machen, wird irgendwann immer öde.“

Kostproben

Die Dokumentation für den Fernsehsender Arte, in der auch die Remshaldener Hornissen vorkommen, wird voraussichtlich erst Ende des Jahres laufen.

Einige ältere Filme gibt es unter: https://vimeo.com/brianmcc/videos oder www.brianmcc.com.