Schorndorf

Neu in der Q-Galerie: Kunst aus Samen und Haarspray

Neue Ausstellung
Angela M. Flaigs Objekte bestehen aus Samen. An Fäden hängt ein großes schüsselartiges Objekt von der Decke. © Alexandra Palmizi

Harte Kanten und weiche Formen zeigen zwei Künstler in der neuen Ausstellung „Bewegung – Zeit – Zufall“ in der Q-Galerie. Wlodzimierz Szwed präsentiert seine Arbeit zwischen Malerei und Bildhauerei. Angela M. Flaig zeigt ihre Objekte aus Samen. Für den notwendigen Halt sorgt dabei ein Stoff, der bei den meisten nur im Badezimmer oder beim Frisörbesuch zum Einsatz kommt.

Plüschige Körper schweben, hängen und stehen in der großen Eingangshalle der Q-Galerie. Kesselartig schwebt eine Skulptur über dem Boden. Sie besteht aus Samen und wird lediglich von feinen Fäden gehalten. Ein kesselartiges Objekt aus Samen, in das sich die Betrachter in ihrer Fantasie betten können. Von weitem wirken die verschiedenen Samenansammlungen als einheitliche Körper. Bei näherem Hinsehen zeigen sich allerdings die feinen Unterschiede zwischen den glänzenden kleinen Schirmchen.

Künstlerin arbeitet seit 20 Jahren mit Samen

Die Künstlerin hinter der Arbeit: Angela M. Flaig aus Rottweil. Seit 20 Jahren hat sie sich der Arbeit mit Samen verschrieben. „Die Zartheit der Samen und die Federn sind einfach schön“, sagt sie. Flugsamen, wie etwa von Silberdisteln oder vom Löwenzahn, setzt sie ein. Die Künstlerin kauft diese Samen nicht, sie sammelt die kleinen natürlichen Objekte alle alleine.

Ein besonderer Anblick: Samen der Weidenröschen

Natur und Kunst treffen bei ihrer Arbeit zusammen. Auf einem quadratischen weißen Block sind die feinen Samen von Weidenröschen in gleichmäßigem Abstand befestigt. Flaig muss die Samen zum richtigen Zeitpunkt sammeln und geschlossen anordnen. Es ist eine feine Arbeit, die viel Geduld verlangt. Denn beim kleinsten Windhauch fliegen die Teilchen normalerweise weg.


Durch ihre Arbeiten verändert sich der Blick auf die Natur. Die vielen kleinen Teilchen, die auf den Wiesen und Wäldern herumwirbeln, sehen nicht mehr nur nach bloßem Zufall der Natur aus, sondern vielmehr wie kleine Kunstwerke. „Die Samen stehen am Anfang“, erklärt Flaig ihre Faszination für die kleinen Teilchen.

Teilweise arbeitet sie mit Rahmen und Fäden, doch viele ihrer Objekte bestehen ausschließlich aus Samen. Doch die Künstlerin verrät, wie sie es schafft, dass sie beim ersten Luftstoß durch den Raum nicht davonfliegen: Haarspray. Was Haare zu einer Frisur formt, sorgt auch bei ihren Samen für den notwendigen Halt. Nur manchmal löst sich ein Samen und fliegt über den schwarzen Boden der Galerie.

Verblüffend: Kein Kern 

Selbst ein großes Objekt in Form eines Hauses in der Mitte des großen Ausstellungssaales besteht komplett aus Samen, es gibt keinen Kern im Inneren des Objektes.

Es ist erstaunlich, welche Formen Flaig aus den Samen erschafft. Die Künstlerin aus Rottweil nutzt keine Farben, ihre Samen sind naturbelassen.


Für Kontrast sorgen Wlodzimierz Szweds Bilder

Wlodzimierz Szwed, der in Urbach lebt und arbeitet, sorgt für den Kontrast dazu. Mit dunklen Tönen zeigt er Formen und Strukturen. Unter anderem arbeitet Szwed mit schwarzer Cellulose, die in senkrechten Linien aus seinen Bildern hervorsteht. Durch eine Bespannung auf der Grundfläche sei die Struktur entstanden, erklärt Szwed. Auch hier verändert sich das Kunstwerk maßgeblich mit der Entfernung zum Bild. Von weitem wirken die verschiedenen Flächen, erst von nahem werden die einzelnen Fasern sichtbar. Je länger der Betrachter sich Zeit nimmt, desto mehr Feinheiten werden sichtbar, sie wirken, als seien sie zufällig entstanden.

Bildhauer und Maler in einem

Bei einem anderen Bild arbeitete er etwa mit verschiedenen Lagen von Ölfarben, um schließlich Teile davon wieder abzunehmen. Verschiedene gelbe und schwarze Strukturen, die ineinander verlaufen, sind bei Nähe zu sehen. Fehler darf er sich nicht erlauben. Ist einmal etwas entfernt, lässt es sich nicht rückgängig machen. Der in Polen geborene Szwed ist Maler und Bildhauer zugleich. Doch vieles ist bei seiner Kunst auch dem Zufall überlassen, wie er selbst erklärt.

Außerdem arbeitet der Künstler, der Mitglied im Schorndorfer Kunstverein ist, mit Graphitpulver, das grafische Elemente sichtbar macht. Die geradlinigen Kanten entstanden durch vorheriges Abkleben, erklärt der Künstler. Szwed arbeitet mit starken Kontrasten, die Grundfläche bleibt weiß, dunkle Rechtecke mit dunkelroten und -blauen Schattierungen treten scheinbar aus dem Bild heraus.

Unter dem Motto Heimspiel zeigt die Q-Galerie regelmäßig die Arbeiten eines Künstlers aus dem Kunstverein uns eines auswärtigen Künstlers.

Harte Kanten und weiche Formen zeigen zwei Künstler in der neuen Ausstellung „Bewegung – Zeit – Zufall“ in der Q-Galerie. Wlodzimierz Szwed präsentiert seine Arbeit zwischen Malerei und Bildhauerei. Angela M. Flaig zeigt ihre Objekte aus Samen. Für den notwendigen Halt sorgt dabei ein Stoff, der bei den meisten nur im Badezimmer oder beim Frisörbesuch zum Einsatz kommt.

Plüschige Körper schweben, hängen und stehen in der großen Eingangshalle der Q-Galerie. Kesselartig schwebt eine

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