Schorndorf

Neue Werkstatt in Schorndorf: Rühle Motors ist spezialisiert auf US-Oldtimer

Rühle Motors
Christian Rühle in seiner Werkstatt. © Alexandra Palmizi

Bilder von rebellischen jungen Männern in Lederjacken, Frauen in Petticoats, Rock’n’Roll-Musik und Drive-in-Restaurants schießen einem durch den Kopf. Ungefähr so lässt sich das Gefühl beschreiben, das einen überkommt, wenn man die Werkstatt von Christian Rühle (45) betritt.

Zahlreiche amerikanische Oldtimer, darunter ein blau lackierter Chevrolet Elcamino oder ein rot-weißer Eldorado Biarritz, stehen im Showroom des 45-Jährigen.

Seit Anfang August hat sich der gebürtige Schorndorfer mit seiner Werkstatt Rühle Motors auf dem Schock-Areal niedergelassen. Davor hatte er 20 Jahre lang eine Werkstatt in Weinstatt betrieben. Warum der Wechsel? Zum einen hänge ein Neuanfang vom Vermieter ab. „Es ist sehr schwer, ein Gebäude zu finden, das jemand für eine Werkstatt freigibt“, erklärt Rühle. Eine Werkstatt sei die letzte Nutzung, bevor ein Gebäude abgerissen, entkernt oder saniert werde - folglich sei sie zeitlich begrenzt.

Für Christian Rühle hat das Restaurieren eine emotionale Bedeutung

Zum anderen wachse das Ganze im Laufe der Jahre und man brauche größere Räumlichkeiten. Mit dem jetzigen Umzug wollte Rühle sein Geschäft wieder etwas verkleinern. „Wir hatten relativ lange einen Betrieb, wo wir im Jahr bis zu 450 Autos gemacht haben. Das ist schon sehr nervenzehrend“, erklärt der Autoliebhaber. Wenn man so viele Autos mache, werde man irgendwann in seinem eigenen Betrieb fast nur noch zur Bürokraft, die damit beschäftigt ist, zu organisieren und Mitarbeitern Jobs zu besorgen. Das sei auf Dauer nichts für ihn gewesen.

Rühle, der 25 Jahre Erfahrung in seinem Beruf hat, möchte viel lieber mittendrin sein, mitarbeiten, sich mit Kunden unterhalten und herumführen - einfach ausgedrückt, emotional wieder näher dran sein. Nach dem jüngsten Umzug hofft der Familienvater, dass er die neuen Räumlichkeiten in Schorndorf wenigstens die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre nutzen darf.

Transparenz ist Christian Rühle sehr wichtig

Das Angebot seines Teams, das aus Dominik Büchsenstein und Paul Liebig besteht, reicht von der Restaurierung, Kaufberatung über Service und Reparaturen bis hin zum Import und Verkauf. Transparenz ist Christian Rühle dabei ein großes Anliegen. Das sieht man auch daran, dass der Showroom und die Werkstatt durch eine Glaswand voneinander getrennt sind. So haben Kunden die Möglichkeit, zu sehen, was an ihren Autos gemacht wird, während sie oberhalb des Showrooms im Kundenbereich sitzen und ihren Kaffee genießen.

„Oldtimern - vor allem im US-Car-Bereich - hängt häufig das Image an, dass sie aus der Schmuddel-Ecke kommen“, sagt Christian Rühle. Viele Leute seien misstrauisch, wenn es um amerikanische Klassiker gehe. Der Gedanke, dass es sich bei den Autos um „überlackierte Leichen“ handle, schwinge häufig mit. „Das stimmt aber natürlich nicht. Wenn man Geld ausgibt, bekommt man auch ein gutes Auto“, erklärt Rühle.

Bei der Auswahl der Autos entscheidend ist auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen

Natürlich gebe es auch sehr viel Schrott auf dem Markt, aber Fahrzeuge, die es nicht wert sind, repariert zu werden, übernehmen Rühle und sein Team erst gar nicht. Sie haben sich auf die Restauration von High-segment-cars, also hochwertigen Autos, spezialisiert. „Ich möchte, dass die US-Cars hier genauso gut repariert, gewartet und auf dem gleichen Niveau restauriert werden, wie man das von einem deutschen Oldtimer aus der Zeit auch erwartet“, sagt der Fachmann. Die Restauration bei ihm sei nicht billiger als die eines Mercedes’ oder eines Porsches. Schließlich koste es auch dasselbe Material, dieselbe Zeit, dieselben Techniken und den Arbeitsaufwand.

Rühle und sein Team konzentrieren sich bei der Restaurierung von Autos auf zwei Kategorien: Full Sizes, also die großen Limousinen, und Sportwagen. „Wir machen hauptsächlich Fahrzeuge von Mitte der 50er bis Ende der 60er Jahre. Wir machen aber auch noch die Muscle-Cars bis Mitte der 70er Jahre - also Mustang, Dodge Challenger oder Charger“.

Viele Marken und Modelle oft nur ein Jahr oder in geringer Stückzahl hergestellt 

Bei der Auswahl achten Christian Rühle und sein Team darauf, dass es Autos sind, die man auch reparieren kann. Es gebe wahnsinnig viele Marken und Modelle, die oft nur ein Jahr oder in geringer Stückzahl gebaut wurden. Das mache es für eine Werkstatt schwer, Ersatzteile aufzutreiben. Aus dem Grund konzentriert sich das Team von Rühle Motors auf Autos, von denen sie wissen, dass die am Ende des Tages auch fertig werden können. „Ich will ja am Schluss den Kunden zufriedenstellen“, so Rühle.

Die Autos, die Christian Rühle und sein Team auf der Showfläche ausstellen, sind größtenteils Verkaufsmaterial. Im Hintergrund befinden sich auch zwei Projekte, also Autos, denen die Restaurierung bevorsteht. Der Kunde kann sich zwischen einem fertig restaurierten Auto oder einem Projekt entscheiden, an dem er selbst Hand anlegt.

Ein Oldtimer kann nur gut aussehen

So ein Oldtimer hat natürlich auch seinen Preis. Der Eldorado Biarritz, von dem insgesamt 3000 Stück hergestellt wurden, kostet 200.000 Euro. Aber wer sich so einen Wagen zulegt, könne sich genauso gut auch einen Porsche oder einen Mercedes kaufen.

„Niemand braucht alte Autos. Alte Autos sind das Sinnloseste, was es gibt“, sagt Rühle. Man kaufe sich ein altes Auto nicht deswegen, weil es irgendetwas Besonderes könne. Der einzige Grund sei, dass sie gut aussehen und man sie mag. „Das ist ein rein emotionales Thema“, schwärmt Rühle. Es sei einfach ein gutes Gefühl, wenn die Leute sich nach dem Auto umschauen würden.

Am Sonntag, 26. September, veranstaltet das Team von Rühle Motors ein Oldtimer-Treffen auf dem Schock Areal. Die Veranstaltung soll aufgrund der Corona-Pandemie kleiner ausfallen als die Jahre zuvor auf dem alten Betriebsgelände. Mit dem Treffen möchte das Team die Schorndorfer Oldtimerfahrer zusammenbringen und vernetzen und die eigenen Räumlichkeiten bekannt machen.

Bilder von rebellischen jungen Männern in Lederjacken, Frauen in Petticoats, Rock’n’Roll-Musik und Drive-in-Restaurants schießen einem durch den Kopf. Ungefähr so lässt sich das Gefühl beschreiben, das einen überkommt, wenn man die Werkstatt von Christian Rühle (45) betritt.

Zahlreiche amerikanische Oldtimer, darunter ein blau lackierter Chevrolet Elcamino oder ein rot-weißer Eldorado Biarritz, stehen im Showroom des 45-Jährigen.

Seit Anfang August hat sich der gebürtige

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