Schorndorf

Norma-Aus in Schorndorf: Was die Anwohner sich jetzt wünschen

Norma
Der Norma-Markt soll geschlossen werden. © pienek

Groß war und ist die Aufregung der Anwohner am Rehhaldenweg, weil der Discounter Norma nach 35 Jahren dichtgemacht hat. Was die Menschen umtreibt, ist die Sorge, dass sie in ihrem Viertel ohne Nahversorgung bleiben werden. Damit wären die vielen überwiegend älteren Bewohner gezwungen, mit dem Auto oder dem Bus zum Einkaufen in die Supermärkte zu fahren.

Aus Sicht von Hans Schmid, Sprecher vieler Nachbarn, wäre es auch im Hinblick auf den Klimaschutz ein Unding, wenn sich jeder wegen ein paar Einkäufe ins Auto setzen müsste. Lange blieben die Anwohner im Unklaren, doch jetzt steht fest, dass wieder ein Laden einzieht: Abdul Mecit Gürses, Inhaber des türkischen „Sara Supermarkts“ in der Silcherstraße, wird am ehemaligen Norma-Standort eine Filiale betreiben. Den Laden im Rehhaldenweg, der im September öffnen soll, wird sein Sohn führen, er selbst bleibt in seinem Geschäft in der Silcherstraße.

Nach dem Auszug des Discounters wird jetzt erst mal saniert: „Wir machen alles neu“, kündigt er an. Anbieten will er nicht nur Obst, Gemüse und türkische Produkte, sondern ein Warensortiment für den täglichen Bedarf mit etwa 80 Prozent deutschen und 20 Prozent türkischen Artikeln. „Im Moment führe ich Gespräche mit Edeka und Rewe“, erklärt er.

Milch und Butter gibt es jetzt in der Bäckerei Wiedmaier

Aktiv geworden ist bereits die Bäckerei Wiedmaier, die gleich daneben Brot und Brötchen verkauft, nun aber ihr Sortiment aufgestockt hat. Dass Norma ausziehen würde, war bekannt – dass es so schnell gehen würde, damit hat Florian Wiedmaier dann doch nicht gerechnet. „Wir hätten gern länger geplant“, sagt er.

„Dass Norma die Schließung vorzieht, war überraschend.“ Sehr schnell hat er dann aber Kühlschränke und Regale aufstellen lassen, um seine Kunden mit Milch, Butter, Eiern, Brotaufstrich und Dosenwurst versorgen zu können. Erfahrungen mit einem erweiterten Sortiment in der Bäckerei hat Florian Wiedmaier bereits gesammelt. Seine Filiale in Breitenfürst sei fast schon ein Tante-Emma-Laden, sagt er. Dort gibt es außer der Bäckerei keinen Laden, in dem die Menschen zu Fuß einkaufen können. Wenn im Rehhaldenweg aber Gürses’ Supermarkt eröffnet ist, wird Wiedmaier diese Waren voraussichtlich wieder aus dem Sortiment nehmen.

Anlieger wünschen sich einen Neubau

Einen Leerstand wird es dort also nicht geben, die Nahversorgung ist gesichert. Das freut die Anwohner – auf einen größeren Discounter drängen sie aber trotzdem, weil sie sich dringend auch einen Vollsortimenter wünschen. „Ein neuer,  größerer Discounter muss her“, sagt Anwohnersprecher Hans Schmid und verweist auf die mit 400 Quadratmetern geringe Größe des Ladens am Rehhaldenweg, der dann doch wieder zu klein sei.

Doch in der Vergangenheit hat sich die Suche nach einem Standort für einen großen Supermarkt im Schorndorfer Süden als schwer erwiesen. Der Parkplatz an der Sporthalle war als Standort im Gespräch, wurde aber wieder verworfen, weil der Parkplatz gebraucht wird. Übrig blieb ein Areal an der Ecke Jakob-Degen-Straße, das bisher für die Schulentwicklung reserviert war. Ob es dafür noch benötigt wird, oder ob an dieser Stelle nicht doch ein Supermarkt gebaut werden kann, darüber diskutiert der Technische Ausschuss am Dienstagabend in nichtöffentlicher Sitzung.

Norma hat bereits Interesse an diesem Standort angemeldet. Aktuell hat der Discounter nach der Schließung im Rehhaldenweg nur noch eine Filiale in der Bismarckstraße. Und auch wenn der Ausgang der Debatte noch offen ist: Positive Signale gibt es bereits. So hat beispielsweise CDU-Stadträtin Silvia Wolz gefordert, auch angrenzende städtische Flächen als Standort zu prüfen.

Dass die Menschen im „größten Schorndorfer Wohngebiet“ einen modernen Supermarkt bekommen, das fordern die Anlieger schon lange. Immerhin sei es auch nicht gerade klimafreundlich, wenn der größte Teil der Einkäufe nicht zu Fuß, sondern mit dem Auto erledigt wird, weil die Menschen mangels Alternative zum Marktkauf oder ins Kaufland fahren müssen. Auch das Seniorenforum fordert eine „zeitgemäße Nahversorgung“ und verweist darauf, dass die großen Supermärkte in der Stadt mit dem Bus nur mit Umsteigen erreichbar sind.

Außerdem wohnten in den Hochhäusern am Rehhaldenweg überwiegend ältere Menschen, die auf einen Lebensmittelmarkt dringend angewiesen seien, erinnert Dr. Heinz-Jürgen Kopmann. Viele von ihnen hätten ihre Häuser verkauft, um im Alter barrierefrei in einem der Hochhäuser zu leben, sich selbstständig versorgen und zu Fuß einkaufen gehen zu können.

Auch im Sinne der Quartiersbildung halten Heinz-Jürgen Kopmann und Michaela Salenbauch eine gute Infrastruktur in der Südstadt für dringend nötig. Eine Begegnungsstätte sucht man im ganzen Viertel vergeblich, die großen Supermärkte seien weit weg: Wie solle hier Quartiersbildung stattfinden? Wie die Menschen aus ihrer Anonymität, besonders in den Hochhäusern, rauskommen?

Groß war und ist die Aufregung der Anwohner am Rehhaldenweg, weil der Discounter Norma nach 35 Jahren dichtgemacht hat. Was die Menschen umtreibt, ist die Sorge, dass sie in ihrem Viertel ohne Nahversorgung bleiben werden. Damit wären die vielen überwiegend älteren Bewohner gezwungen, mit dem Auto oder dem Bus zum Einkaufen in die Supermärkte zu fahren.

Aus Sicht von Hans Schmid, Sprecher vieler Nachbarn, wäre es auch im Hinblick auf den Klimaschutz ein Unding, wenn sich jeder wegen

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