Schorndorf

OB Klopfer und die Stadt im Ausnahmezustand

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Der OB und die Stadt im Ausnahmezustand_0
Pressekonferenz einmal anders: links ein einsamer Edgar Hemmerich, oben an der Wand der von daheim zugeschaltete Matthias Klopfer. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Von wegen Sozialkontakte meiden: Vor dem Ama Deli war davon am Sonntag bei frühlingshaften Temperaturen nichts zu merken.

Schorndorf.
„Wenn ich nicht positiv getestet worden wäre, wäre ich heute im Büro“, sagt der bei der Pressekonferenz am Montagmorgen von zu Hause aus zugeschaltete Oberbürgermeister Matthias Klopfer mit Blick darauf, dass er seinen angegriffenen Gesundheitszustand von Haus aus eher auf eine leichte Grippe in Verbindung mit seinen chronischen Asthma-Problemen zurückgeführt hätte. „Leider war die Diagnose eine andere“, sagte Klopfer, der sich vermutlich in Tirol mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat, wo er wie jedes Jahr mit ein paar Studienfreunden beim Skifahren war – aber noch bevor das österreichische Bundesland offiziell zum Risikogebiet eingestuft war.

Gleiches gilt im Übrigen auch für eine Schulklasse des Max-Planck-Gymnasiums, die erst vor einigen Tagen aus dem Skischullandheim zurückgekommen ist, was vom einen oder anderen konkreten Verdachtsfall unter anderem an der Fuchshofschule abgesehen dazu geführt hat, dass Matthias Klopfer am Sonntagabend nach Rücksprache mit dem Staatlichen Schulamt verfügt hat, dass alle Schorndorfer Schulen bereits von Montag an geschlossen blieben. Ursprünglich war die Schließung erst vom Dienstag an vorgesehen.

„Ich bin froh, dass der Herr Hemmerich fit ist“

Stand Sonntagabend war Klopfer eigenem Bekunden zufolge der zweite nachgewiesene Corona-Betroffene in Schorndorf und der 45ste im Rems-Murr-Kreis. Nicht ausgeschlossen aber, dass es unter seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus, mit denen er in den vergangenen Tagen eng zusammengearbeitet hat, weitere Betroffene gibt.

Alle in Frage kommenden Personen haben sich gestern testen lassen, weshalb bei der Pressekonferenz vor Ort lediglich der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich die Stellung gehalten hat. Ein Großteil des Krisenstabs, der eigentlich regelmäßig im Rathaus tagen sollte, arbeitet derzeit und absehbar in den nächsten zwei Wochen von daheim aus. „Aber wir sind voll handlungsfähig“, versichert der Oberbürgermeister und verweist darauf, dass der gesamte Führungsstab am Sonntag, von welcher Stelle aus auch immer, zwölf und mehr Stunden lang durchgearbeitet habe, um alle sich aus der Corona-Verbreitung ergebenden wichtigen Entscheidungen vorzubereiten und auf den Weg zu bringen.

„Ich bin froh, dass der Herr Hemmerich fit ist“, sagt Matthias Klopfer und verweist darauf, dass sein Erster Bürgermeister ja auch derjenige ist, der im Namen der Ortspolizeibehörde die zweiwöchige Quarantäne angeordnet hat, die den Oberbürgermeister und seine Frau zwei Wochen lang in den eigenen vier Wänden gefangen hält. Für beide eine ganz neue Erfahrung, aber, wie Klopfer auch weiß, eine, die mit Garten und Terrasse doch wesentlicher leichter auszuhalten ist als bei anderen, die das in wesentlich beengteren Wohnverhältnissen erleben.

Allen anderen, die (noch) gesund sind, empfiehlt der Oberbürgermeister, mit der Familie oder in kleinen Gruppen an die frische (Frühlings)luft zu gehen, ansonsten aber die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Auch für Familienfeiern sei jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt, meint Klopfer, der seinen persönlichen Gesundheitszustand als „gut“ bezeichnet.

„Wir machen keinen Normalbetrieb mehr, wir sind im Krisenmodus“

Dass in Schorndorf das gesellschaftliche Leben so gut wie zum Erliegen gekommen ist, sei „keine lex specialis“, sagt der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich, aus dessen Referat die Allgemeinverfügung stammt, die regelt, was in Schorndorf in den nächsten Wochen nicht mehr und was nur noch unter bestimmten Voraussetzungen stattfindet.

Vor allem bei Restaurantbetreibern gebe es ein großes Informationsbedürfnis, sagt Hemmerich und macht deutlich, dass Clubs und Bars geschlossen bleiben müssen, dass es aber für Gastwirtschaften mit einem Speisenangebot derzeit keine Beschränkungen gibt. „Aber auch sonst stehen bei uns die Telefone nicht mehr still“, sagte der Erste Bürgermeister und wirbt um Verständnis dafür, dass von Dienstag an eine persönliche Kontaktaufnahme zu Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiterin nicht mehr möglich ist – es sei denn nach vorheriger Absprache. „Das, was wir jetzt machen, ist kein Normalbetrieb mehr, wir sind alle im Krisenmodus“, betont der Oberbürgermeister, für den klar ist, dass die inhaltlich-kommunalpolitische Arbeit vorläufig zweitrangig ist. „Wir arbeiten jetzt nicht an neuen Konzeptionen“, sagt er.

Was es aber natürlich weiterhin im Rathaus geben werde, seien Vorstellungsgespräche, weil die Verwaltung ja auch in Zukunft gut aufgestellt sein müsse. Aber nicht erst seit seinem Test im Krankenhaus weiß Matthias Klopfer, dass in diesen Tagen die eigentlichen Herausforderungen bei den Ärzten, Kliniken und Gesundheitsämtern liegen.

Für Kinder bis zwölf Jahren gibt es eine Notbetreuung

Was von Seiten der Stadt allerdings aktuell gelöst werden muss, ist – nachdem jetzt auch alle Kindergärten und Kindertagesstätten geschlossen sind – die Betreuungsproblematik in den Fällen, in denen Eltern und vor allem auch Alleinerziehende, die in systemrelevanten Berufen tätig sind, auch in solchen Notzeiten auf kommunale Betreuungsangebote angewiesen sind – zumal es ja die Empfehlung gibt, Kinder möglichst nicht von den Großeltern betreuen zu lassen, bei denen die Infektionsgefahr allein schon wegen des Alters größer ist.

„Wir sind in der Lage, alle Kinder bis zu zwölf Jahren zu betreuen“, sagt der Erste Bürgermeister, der allerdings am Montag noch nicht sagen konnte, wie groß der Bedarf an solchen Betreuungsplätzen ist. In den Einrichtungen wurden am Montag Anmeldeformulare für die Notfallbetreuung ausgegeben, die möglichst noch vor Ort ausgefüllt werden sollten. Und bis gestern Abend sollten die Eltern dann schon Bescheid bekommen, in welcher Kindertagesstätte die Betreuung stattfinden wird. Denn klar sei, so Hemmerich, dass diese Betreuung möglichst zentral organisiert werden müsse, damit es nicht jeder Kindergarten mit einigen wenige Kindern zu tun habe.

Bei den Schulen geht die Stadt davon aus, dass die Notbetreuung nach einem vergleichbaren Anmeldeprozedere durch die Lehrer zu den regulären Unterrichtszeiten stattfindet. „Weniger Geld bekommt bei uns niemand“, versichert der Oberbürgermeister den Erzieherinnen und Erziehern, die nicht mit Notfallbetreuung beschäftigt sind und sich vielleicht erst einmal um das kümmern, was während der täglichen Arbeit zu kurz gekommen ist – zum Beispiel pädagogische Konzepte und Teamaktivitäten. Weil aber damit auch irgendwann Schluss sei, werde, so Klopfer, von Seiten der Stadt auch geprüft, ob es nicht andere Arbeiten gebe, die von Erzieherinnen und Erzieherun unterstützt werden könnten.


Was zu ist und welche Sonderregelungen es gibt

  • Außer den Rathäusern und Verwaltungsstellen, in denen Termine vorerst bis zum Ende der Osterferien nur nach vorheriger Vereinbarung möglich sind – noch besser wäre es, wenn die Bürger ihre Anliegen nur noch telefonisch oder per E-Mail an die Stadt herantragen würden – sind ab sofort auch alle anderen städtischen Einrichtungen geschlossen: das Kundencenter der Stadtwerke, die Stadtbau, das Oskar-Frech-Seebad, die Forscherfabrik, die Stadtbücherei, das Stadtmuseum, die Jugendhäuser, sämtliche Sport- und Mehrzweckhallen (bei Freisportanlagen sind die in städtischer Regie stehenden Umkleidekabinen und Sanitäreinrichtungen gesperrt), das Zentrum für internationale Begegnungen, die Barbara-Künkelin-Halle und der Baubetriebshof der Zentralen Dienste.
  • Die seitens der Stadt organisierten Stadtführungen sind ebenfalls auf unbestimmte Zeit abgesagt.
  • Abgesagt wurde auch die auf nächsten Donnerstag terminierte Gemeinderatssitzung, ebenso eine geplante Sondersitzung des Stadtwerke-Aufsichtsrats. Da mit der Schließung des Rathauses am Marktplatz auch die öffentliche Toilette nicht mehr zugänglich ist, hat die Stadtverwaltung seitlich des Rathauses in Richtung Drogeriemarkt Müller einen Toilettenwagen aufstellen lassen.
  • Geschlossen bleiben in nächster Zeit auch folgende Einrichtungen: Familienzentrum, Jugendmusikschule, Volkshochschule, Daimler-Geburtshaus, Manufaktur, Figurentheater Phoenix, Jazzclub Session 88, Traumpalast, Clubs und Bars, Fitnessstudios.
  • Stand jetzt ist laut Verwaltung davon auszugehen, dass der Wochenmarkt sowohl dienstags als auch samstags beibehalten wird – bis auf Weiteres.
  • Einschränkungen gibt es auch bei Trauungen, die nur außerhalb der üblichen Rathaus-Dienstzeiten stattfinde, und bei Beerdigungen, was die Zahl der Gäste beziehungsweise die zur Verfügung stehenden Plätze in den Aussegnungshallen angeht.
  • „Die Stadtwerke Schorndorf GmbH hat zur Sicherung der kritischen Infrastruktur im Bereich Strom, Wasser, Wärme und Glasfaser neben der Schließung des Kundencenters weitere umfangreiche Maßnahmen ergriffen, denn die Versorgungssicherheit der Bevölkerung steht an erster Stelle“, wird Interimsgeschäftsführer Bodo Skaletz in einer Pressemitteilung zitiert. Dazu gehörten beispielsweise getrennte und unabhängig voneinander agierende Teams in allen kritischen Betriebseinheiten. Außerdem sei rund um die Uhr ein Entstörungsdienst eingerichtet.
  • Der Bürgerservice (Pass- und Meldewesen) bei der Stadt ist unter Telefon 07181/602-6001 und per Mail unter buergerservice@schorndorf.de zu erreichen. Für allgemeine Bürgeranliegen, die nicht den Bürgerservice betreffen, steht die Stadt unter Telefon 07181/602-0 und stadt@schorndorf.de zur Verfügung.
  • Darüber hinaus hat die Stadtverwaltung für alle das Corona-Virus und damit zusammenhängende Maßnahmen eine Infohotline (Telefon 07181/602-3333, Mail corona-info@schorndorf.de) eingerichtet die von Montag bis Freitag von 9 bis 17 und am Samstag und Sonntag von 10 bis 14 Uhr besetzt ist. Medizinische Fragen werden unter dieser Hotline aber nicht beantwortet.