Schorndorf

Ortsdurchfahrt wird erst 2018 fertig

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Keine Baustelle nach Plan: Herbert Schuck (Technischer Werksleiter Zentrale Dienste), Siegbert Doring (Ortsvorsteher) und Christoph Gehrer (Bauleiter, Firma Moll) auf der Durchfahrtsstraße in Oberberken. © Habermann/ZVW

Schorndorf-Oberberken. Bis zum Wintereinbruch sollte die Ortsdurchfahrt saniert sein. Doch erst trafen die Bauarbeiter auf schlechten Baugrund, dann stießen sie auf eine historische Straße aus dem 17. Jahrhundert – und schließlich auf Leitungen, die nicht im Plan enthalten waren. Die Sanierung wird daher wesentlich länger dauern und deutlich teurer werden.

Dass es bei Bauarbeiten Verzögerungen gebe, das komme immer wieder vor. Doch dass auf der schon lange sanierungsbedürftigen Durchfahrtsstraße gleich so viele überraschende Hindernisse zutage treten, das sei schon etwas Ungewöhnliches. „Die Baustelle stand von Anfang an unter keinem guten Stern“, sagt Herbert Schuck, Technischer Werksleiter bei den Zentralen Diensten der Stadt. Und: „Wir werden diese Baustelle nicht mehr fertig bekommen. Zumindest nicht in diesem Jahr.“

Teer aus den 50er Jahren 

Seit März wird an der Straße gearbeitet – und vom ersten Baggerbiss an hätte sich die Baustelle als problematisch erwiesen: Unter der Oberfläche habe teerhaltiges Material gelegen, wohl noch aus den 1950er Jahren, als die Straße vom Land einst gebaut wurde. „Wir mussten sondieren, das Material entsorgen und die Baustelle neu organisieren“, so Schuck. Auf dem nächsten Bauabschnitt seien sie dann auf schlechten, schwammigen Baugrund getroffen. „Das hat viel Zeit gekostet“.

Und als ob das noch nicht genug sei, wurden im Juli dann auch noch die hölzernen Überreste einer historischen Straße entdeckt. Der Bohlenweg habe die Bauarbeiten erst einmal gestoppt. Nachdem Denkmalschützer Roland Buggle die Straße eingehend untersucht und ausgemessen habe, sei das Material ans Landesdenkmalamt weitergeleitet, auf das Jahr 1603 zurückdatiert und schließlich größtenteils entsorgt worden. Glücklicherweise sei der Bohlenweg im weiteren Verlauf dann wesentlich tiefer gelegen – und dadurch für den Straßenbau unproblematisch gewesen.

Viele Ad-hoc-Entscheidungen, viele Zusatzaufgaben auf der Baustelle

Doch dafür hätten die Bauarbeiter zahlreiche Leitungen und Kanäle entdeckt, die nicht auf dem Plan enthalten waren. „Wir mussten viele Ad-hoc-Entscheidungen treffen und Zusatzaufgaben übernehmen“, sagt Schuck. Spätestens im Spätsommer sei den Verantwortlichen dann klargeworden: „Wenn das so weitergeht, dann wird es schwierig, den Zeitplan einzuhalten.“

Vollsperrung wäre mit zu großen Konsequenzen verbunden

Um den Prozess zu beschleunigen, habe man eine Vollsperrung ins Auge gefasst. Doch der Plan wurde schnell wieder verworfen. Zu groß seien die Konsequenzen für Anwohner, die Schule, den öffentlichen Verkehr. Aber auch für Feuerwehr, Notärzte, Winterdienst und Müllabfuhr hätten kurzfristige Lösungen gefunden werden müssen. Besonders kompliziert sei das deshalb, weil auch die Versorgung von Unterberken bei einer vollständig gesperrten Straße betroffen wäre. Und auf dem nächsten, vierten Bauabschnitt zwischen Espenweg und der Straße „Im Asperfeld“ keine Ausweichmöglichkeiten bestünden.

Dritter Bauabschnitt bis Ende Oktober fertig

Momentan sind die Mitarbeiter der ausführenden Firma Moll im gut umfahrbaren Bereich zwischen Linsenweg und Espenweg tätig. Bis Ende Oktober soll dieser dritte Bauabschnitt fertiggestellt sein. Je nach Wetterlage sollen dann noch Teile des vierten (ohne Vollsperrung) begonnen werden.

Den fünften und letzten Bauabschnitt zwischen „Im Asperfeld“ und der Ortsausfahrt halten die Beteiligten für unproblematisch, schließlich müsse dort nur der Belag saniert werden.

Es wird „beträchtlich mehr“ kosten als die geplanten 1,4 Millionen

So viel ist allerdings jetzt schon klar: Die für das Projekt angesetzten Kosten werden am Ende nicht ausreichen. 1,4 Millionen Euro waren ursprünglich veranschlagt, rund eine halbe Million davon durch Fördermittel des Landesverkehrsministeriums gedeckt. „Das wird am Ende beträchtlich mehr sein“, sagt Herbert Schuck, der aber noch keine genauere Prognose der Mehrkosten abgeben kann. Auch Bauleiter Christoph Gehrer von der Firma Schuck will noch keine Zahlen nennen: „Da sind sehr viele Faktoren zusammengekommen. Das macht es in der Summe so schwierig.“

Wie lange die Arbeiten noch dauern werden, sei daher noch nicht abzuschätzen. Viel hänge davon ab, wie lange und hart der Winter werde. Vor März kommenden Jahres sei jedoch nicht mit einer Wiederaufnahme der Bauarbeiten zu rechnen.

Ortsvorsteher dankt

Für ihre Geduld- und Leidensfähigkeit bedankte sich Ortsvorsteher Siegbert Doring ausdrücklich bei den Oberberkenern. Und bleibt darum optimistisch: „Da muss man jetzt halt durch. Aber wenn man das Ergebnis dann sieht, sind hoffentlich alle froh“.

Auch der Baufirma dankt er für ihre „sehr gute Arbeit“. Auch dafür, dass sie den Anwohnern auch mal Sprudelkisten ins Haus oder Einkäufe vom Dorfladen ins Auto getragen habe.