Schorndorf

Pornovideo von der Freundin verschickt

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Symbolbild. © Mathias Ellwanger

Schorndorf. Weil er aus Rache für die Trennung von seiner Freundin ein vor der Trennung beim visuellen Telefonsex heimlich aufgenommenes pornografisches Video an mehrere Personen verschickt hat, wegen Beleidigung und weil er wiederholt gegen die gerichtliche Auflage, sich von seiner Ex-Freundin fernzuhalten, verstoßen hat, ist ein 30-Jähriger zu einer zur Bewährung ausgesetzten zehnmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der gebürtige Türke, der als Kleinkind mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen ist, hat sich in den letzten zehn Jahren schon einiges zuschulden kommen lassen. Das von Richterin Petra Freier verlesene Strafregister umfasst außer Diebstahl und Körperverletzung auch sexuelle Nötigung und eine Vergewaltigung, die dem Angeklagten eine dreijährige Jugendstrafe eingebracht hat. Zuletzt hatte er zweimal Post vom Gericht mit einem Strafbefehl bekommen: einmal einen über 90 Tagessätze à 30 Euro, weil er im März vergangenen Jahres besagtes Video an den Vater und den Bruder seiner Ex-Freundin geschickt hat, und einen wegen Nötigung und Beleidigung eines Autofahrers, gegen den der 30-Jährige Einspruch eingelegt hatte und der deshalb gleich mitverhandelt, über den letztendlich aber getrennt entschieden wurde (siehe Infokasten „Zusätzlich einen Monat Führerscheinentzug“).

Die Ex-Freundin als "Hure" beschimpft

Die jetzt verhandelten Anklagepunkte beziehen sich auf einen ganz kurzen Zeitraum im Mai vergangenen Jahres. Da hat der Angeklagte, wiewohl er vor Gericht beteuerte, ihm würden hier lauter Sachen vorgeworfen, von denen er bis vor kurzem noch gar nichts gewusst habe, unter anderem an eine Arbeitskollegin seiner ehemaligen Freundin jenes pornografische Video verschickt, seine Ex-Freundin beim Verlassen ihrer Arbeitsstelle als „Hure“ beschimpft und ihr über eine andere Arbeitskollegin telefonisch ausrichten lassen, sie sei „tot“.

Dass er sich vor allem beim Verschicken der Handybotschaften verschiedene Identitäten zugelegt hat, so dass aus Sicht des Verteidigers des 30-Jährigen eine zweifelsfreie Zuordnung zu seinem Mandanten nicht möglich sei, beeindruckte weder seine als Zeugin aussagende Ex-Freundin noch das Gericht. Es gebe zwar keine direkten Beweise, aber zahlreiche Hinweise, die keine Zweifel an der Urheberschaft des Angeklagten ließen, sagte der Staatsanwalt unter Verweis darauf, dass die Botschaften Informationen enthielten, die nur der Angeklagte wissen konnte.

Gegenüber einer Arbeitskollegin, die ihn nach Empfang des pornografischen Videos wissen lassen hatte, wer so etwas mache, sei kein richtiger Mann, hatte sich der Angeklagte gebrüstet: „Frag’ sie, ob ich ein richtiger Mann bin. Sie hat sogar ein Kind von mir abgetrieben.“ Wobei sich in diesem Punkt der 30-Jährige und seine ehemalige Freundin nur insoweit widersprachen, als er behauptete, diese Abtreibung sei gegen seinen Willen erfolgt, und sie aussagte, diese Abtreibung sei einvernehmlich erfolgt.

Pornografische Aufnahme kam beim Telefonsex zustande

Wie es denn nun zu besagter Aufnahme gekommen sei, wollte Richterin Petra Freier von der Zeugin wissen. Ihr damaliger Freund habe sie zum Telefonsex gezwungen („Er wusste leider sehr viel über mich“), aber sie habe keine Ahnung gehabt, dass er das filmen würde, sagte die junge Frau. Davon habe sie erst erfahren, als ihr Vater und ihr Bruder das Video erhalten hätten. Der Angeklagte hatte zuvor von einvernehmlichem Telefonsex gesprochen („Sie wollte immer, und ich wollte auch immer“) und behauptet, er habe die Aufnahme mit ihrem Wissen gemacht und sie ihr anschließend auch auf ihr Handy überspielt, so dass auch sie diejenige gewesen sein könnte, die anderen die Aufnahme hat zukommen lassen. „Warum sollte sie das tun?“, fragte die Richterin. „Aus Rache“, sagte der Angeklagte, der seiner Ex-Freundin („Sie ist eine sehr eifersüchtige Frau“) vorwarf, sie habe ihn nach der Trennung ihrerseits mit Telefonterror überzogen.

Gegen den Angeklagten spreche vieles, sprächen nicht zuletzt auch seine zahlreichen Vorstrafen, für den Angeklagten so gut wie nichts, sagte in seinem Plädoyer der Staatsanwalt und forderte unter Einbeziehung des bereits vorliegenden Strafbefehls eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Begründung: keine günstige Prognose, keine Auseinandersetzung mit den Taten, keine Entschuldigung. Demgegenüber hielt der Verteidiger allenfalls die Beleidigung und die Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz, also die Annäherung an die Ex-Freundin trotz der gegenteiligen Anordnung des Familiengerichts, für bewiesen, was nun wirklich keine nicht mehr zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe rechtfertige. Vier Monate, ausgesetzt zur Bewährung, hielt der Verteidiger für angemessen.

Richterin Petra Freier folgte inhaltlich der Argumentation des Staatsanwalts – und auch beim Strafmaß, allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass sie dem Angeklagten noch einmal Bewährung zugestand. Zweifel, dass der Angeklagte das pornografische Video verschickt hat, habe sie nicht, sagte die Richterin, denn: „Nur er hatte ein Interesse daran, seine Ex-Freundin bloßzustellen.“ Die Bewährung rechtfertigte Petra Freier unter anderem damit, dass es sich um die erste einschlägige Freiheitsstrafe des Angeklagten nach Erwachsenenstrafrecht handle und dass er sich seit dem Sommer nichts mehr habe zuschulden kommen lassen. Als zusätzlichen Denkzettel verpasste die Richterin dem 30-Jährigen die Auflage, 1500 Euro in Raten zu je 100 Euro an die katholische Kirchenpflege in Schorndorf zu bezahlen.

Zusätzlich einen Monat Führerscheinentzug

Auch den Vorwurf, er habe einen Studenten aus Welzheim, der auf dem Weg zum „Traumpalast“ war, im Bereich Werder-/Lange Straße erst rechts überholt und ihn dann im Einmündungsbereich zum Anhalten gezwungen, bestritt der 30-Jährige. Der Angeklagte, so schilderte der als Zeuge geladene Welzheimer („Ich wusste gar nicht, was der von mir wollte“) den Sachverhalt, habe ihn aus dem vor ihm stehenden Auto heraus mehrmals als „Arschloch“ beschimpft und auch noch auf andere Weise beleidigt und bedroht.

Stimmt gar nicht, sagte der Angeklagte, Er habe den anderen lediglich überholt, weil der so langsam gefahren sei, und ihm dann aus dem Auto heraus zugerufen: „Was machst du? Bist du am Arsch?“ Und das sei keine ehrverletzende Beleidigung, sagte sein Verteidiger und hielt seinem Mandanten außerdem zugute, er sei „ausgebremst“ worden. Für eine Nötigung gebe es keinen Beweis.

„Sie müssen sich schon sehr genau überlegen, was Sie hier sagen“, ermahnte der Staatsanwalt den Angeklagten und gab zu bedenken, dass über eine Geldstrafe hinaus auch ein zweimonatiges Fahrverbot in Betracht komme.

Richterin Petra Freier beließ es bei einem einmonatigen Fahrverbot und bei den schon im Strafbefehl stehenden 100 Tagessätzen à zehn Euro. Sie habe keinen Grund, an der Aussage des Zeugen zu zweifeln, begründete die Richterin ihr Urteil, nachdem sie zuvor dieses zunächst mit dem anderen Tatkomplex verbundene Verfahren wieder abgetrennt hatte – gegen den Willen des Verteidigers. „Da stimme ich nicht zu“, hatte er versucht, sich zu widersetzen. „Da brauche ich Ihre Zustimmung gar nicht“, hatte ihn Petra Freier kühl abblitzen lassen.