Schorndorf

Problem-Aufzug wird fit gemacht

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Zeitweise ist’s ein Glücksfall, wenn der Aufzug an der Grabenstraße funktioniert. © ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Der Aufzug am Fußgängerüberweg zwischen Arnold-Galerie und Lidl-Parkplatz ist zuletzt vor allen Dingen dafür berühmt geworden, außer Betrieb zu sein. Und das Problem: Oft dauert es Tage, bis die Störmeldung bei der Stadtverwaltung ankommt und diese die Wartungsfirma aktivieren kann. Bewohner der Vorstadt haben dies zuletzt heftig kritisiert.

Bepackt mit Turnbeutel und Einkaufstüten, eine Eineinhalbjährige im Kinderwagen, eine Fünfjährige an der Hand, läuft eine Mutter über den Fußgängersteg an der Arnold-Galerie in Richtung Aufzug. Das Kleinchen quengelt schon, hat Hunger. Die Große muss mal. Dringend, wie sie lautstark versichert. Jetzt schnell mit dem Lift runter zur Grabenstraße fahren und zack, zack nach Hause. Schön wär’s gewesen. Aber der Aufzug tut mal wieder nicht. Herzlichen Glückwunsch. Verzweiflung beim Nachwuchs. Nervengezerre in der Mutter. Zum Glück kommt da ein rüstiger und hilfsbereiter Rentner des Wegs. Der packt mit an, hilft, den Kinderwagen die Treppen hinunterzutragen. Und das ist wirklich ein Akt echter Nächstenliebe. Die Karre ist nämlich höllisch schwer. Die Mutter dankt vielmals und spurtet weiter zum nächsten Termin.

Oft dauert es Tage, bis Störungen bekanntwerden

Allerdings – nicht immer kommt ein hilfsbereiter Retter vorbei, nicht immer lässt sich das Problem so leicht lösen. Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte müssen einen enormen Umweg in Kauf nehmen, wenn der Aufzug mal wieder streikt. Und das tut er allzu oft. Häufig auch ziemlich lange. Herbert Schuck von der Stadt Schorndorf weiß um die Problematik. „Oft dauert es nämlich Tage, bis wir von Seiten der Stadtverwaltung überhaupt von einer Störung erfahren.“ Weiß man im Rathaus Bescheid, wird die Wartungsfirma alarmiert. Sie kann das Problem dann meist recht schnell beheben. Mal hat sich ein kleines Steinchen in der Führungsleiste der Schiebetüren verhakt, mal steckt ein Eisstängel zwischen den Bedienknöpfen.

Handelt es sich um schwerwiegendere Störungen, kann die Reparatur aber auch mal eine ganze Weile dauern. Auf die zuletzt dringend benötigte Platine musste die Stadt nun ganze drei Wochen warten. Ersatzteile für den recht betagten Aufzug gibt’s nämlich nur in Italien. Bislang. Demnächst soll nämlich der gesamte Steuerungskasten ausgetauscht werden. Die moderne Technik kann dann leichter repariert werden, Ersatzteile sind leichter zu beschaffen. Zur neuen Technik gehört auch, dass Störungen im Aufzugssystem umgehend gemeldet werden. Dann poppt ganz unkompliziert auf dem städtischen Rechner ein Symbol auf und der Reparatur-Aktionsplan kann starten. Gleichzeitig soll die automatische Störungsmeldung an einen externen Dienstleister verknüpft werden, der unabhängig von der Stadt nötige Reparaturen durchführen kann. Bleibt der Aufzug nämlich beispielsweise an einem Freitagmittag plötzlich stehen, bekommt das von der Verwaltung bis Montagmorgen erst mal keiner mit.

Der eine oder andere Ausfall könnte mit der Hitze zu tun gehabt haben

Und noch was. Der gläserne Aufzugsturm bekommt einen Ventilator verpasst. Schließlich gibt’s die Vermutung, dass die anhaltende Hitze im Sommer zu dem ein oder anderen Ausfall geführt hat. Bei Temperaturen von 80 Grad am oberen Ende des Liftschachtes könne es schon einmal zu Störungen kommen, erklärt Schuck und erinnert an die Orangerie, die zur Gartenschau im Schlosspark stand. Hier musste auch mit einer Klimaanlage nachgerüstet werden, um die Technik vor dem Hitzetod zu bewahren.

Die meisten Stillstände des Aufzugs entstünden aber durch sogenannte Bedienfehler. Die Grenze zum Vandalismus verläuft dabei fließend. Der Aufzug wird täglich häufig genutzt. Das Berufsschulzentrum mit rund 3000 Schülern, das sich direkt nebenan befindet, sorgt für eine hohe Frequenz. „Einer drückt die Knöpfe sorgfältig, einer mit der Faust, der nächste mit dem Fuß und wieder einer steckt einen Eisstängel zwischen die Knöpfe“; weiß Schuck. Mindestens einmal im Monat, wenn nicht häufiger, kommt es so zu Störungen. Tatsächlich würde der Fachbereichsleiter es deshalb auch begrüßen, wenn der Aufzug in Zukunft videoüberwacht werden könnte. Das allerdings gehe so einfach nicht. Da müsse es schon konkrete Hinweise auf konkrete Gewalt an dem Ort geben.


Sisyphos-Arbeit: Reinigen der Aufzüge

Für die Reinigung des Aufzugs sorgen die Zentralen Dienste. Einmal am Tag wird am Aufzug, in den Unterführungen und am Fußgängerüberweg aufgesammelt, was lose herumliegt.

Und da sei ordentlich was zu tun, weiß Herbert Schuck, Fachbereichsleiter Infrastruktur. „Es gibt zu viele, denen alles wurstegal ist.“ Da werde sofort fallen gelassen, was nicht mehr gebraucht werde. „Wir könnten auch dreimal am Tag putzen.“ Zu tun wäre immer etwas.

Dass täglich aufgeräumt wird und auch Schmierereien zügig beseitigt werden, sei aber wichtig. Denn es hebe die Hemmschwelle an, selbst einen Ort zu verschmutzen, wenn es recht ordentlich sei. Liege dagegen schon reichlich Müll herum, falle es dem Einzelnen leichter, seine Abfälle direkt dazuzuwerfen.