Radaktionstag in Schorndorf
Schorndorf. Radfahren ist mehr als Pedale treten und Gleichgewicht halten: Welche Vielfalt hinter dem vor 200 Jahren erfundenen Gefährt steckt, war am Sonntag beim Aktionstag zu erleben. Radball, Einrad-Wiesel und Pumptrack-Biken auf dem Marktplatz, Aqua-Cycling mitten im Marktbrunnen. Doch zum Radeln gehören natürlich auch: Sicherheit und Sauberkeit. Zwei Themen, denen sich ganz klassisch Polizei und Feuerwehr angenommen haben.
Spielt ansonsten auch das Auto die Hauptrolle, beim Fahrrad-Aktionstag war zumindest auf dem Marktplatz alles anders: Bei der von der Stadt Schorndorf organisierten Geburtstagsfeier hat sich alles um das 200 Jahre alte Zweirad gedreht. Und das hat sich seit Karl Drais’ Erfindung im Jahr 1817 rasant weiterentwickelt: alltagstaugliche Stadträder, Mountainbikes und E-Bikes sowie BMX-Räder, Einräder, Swingräder, Aqua-Bikes und Radballräder mit Sport- und Spaßfaktor. Sie alle waren beim Aktionstag auf dem Marktplatz vertreten. Außerdem: Als dekorative Hingucker parkten zehn besonders schöne Drahtesel auf dem Kopfsteinpflaster, von Schorndorfer Kindergärten und Schulen bemalt, bewebt, behäkelt und mit Blumen und Moos verziert.
Radsport auf dem Marktplatz und im Brunnenwasser
Dass die Räder auf dem Marktplatz auch in Bewegung kommen, dafür haben die beteiligten Vereine und Betriebe gesorgt: Auf der von Freeride Mountain und den SG-Bike-Riders aufgebauten Pumptrack konnten den ganzen Sonntag Runden gedreht werden – allein mit Pumpbewegungen und ruhenden Pedalen. Die Miedelsbacher Einradwiesel haben auf dem unebenen Marktplatzpflaster ihre besten Tricks und an ihrem Stand Videos von erfolgreichen Küren gezeigt. Im Fuhrpark dabei: Einräder in allen Größen und Formen, das kleinste seriengefertigte Fahrrad der Welt, instabile Swingbikes und sogar ein modernes Hochrad.
Radball und Torwandschießen
Der Radballverein RV „Wanderer“ hat die Burgturnhalle als Stammplatz verlassen, um alle Stunde ein Radballspiel auf dem Marktplatz anpfeifen zu können. Dazu gab’s Torwandschießen mit dem Rad. Trial-Weltmeisterin Nina Reichenbach war gleich dreimal auf dem Marktplatz in Aktion. Aber so richtig zur Sache ging’s um 13, um 14, um 15 und um 16 Uhr im Marktbrunnen: Die Stadtwerke haben auf vier Wasserrädern zum Aqua-Cycling-Schnupperkurs geladen. Soll heißen: gelenkschonendes Unterwasserradeln im Takt der Musik, Bademode und Handtücher zum Ausleihen inklusive. Dafür wurde der Marktbrunnen, erklärt Aqua-Cycling-Trainer Oliver Schacherl, extra gereinigt und das Wasser gechlort. Dass der 244 Jahre alte Brunnen Schaden nehmen könnte, glaubt er nicht: Die Wasserräder wiegen zwischen fünf und acht Kilogramm, „da passiert nichts“.
Radtouren durch ganz Schorndorf
Und natürlich die vom ADFC organisierten Radtouren: die Pedelec-Tour am Vormittag, die gemütliche Cappuccino-Tour am frühen Nachmittag durchs Wieslauftal, die sportlichere Feierabend-Tour. Außerdem die vom Stadtmuseum geführte Fachwerk-Tour und „Schorndorf on Tour“ mit dem Team Jumelage bis nach Remseck und wieder zurück. Nicht zu vergessen: Beim Radaktionstag fiel auch der Startschuss für den Klimabündnis-Städtewettbewerb „Stadtradeln“.
Mit Sicherheit – und einer eindeutigen Helm-Empfehlung
Und da zum Radfahren natürlich auch das Thema Sicherheit gehört, gab’s am Stand des Polizeisport-Fördervereins einen Fahrrad-Check, bei dem Bremsen, Rückstrahler, Beleuchtung, Klingel und Reifen kontrolliert wurden. Unerlässlich fürs sichere Radfahren ist für Vereinsvorsitzenden Volker Nothdurft und seinen langjährigen Vorgänger Rainer Schuster der Fahrradhelm – „auch wenn man langsam fährt“. Was bei einem Sturz passieren kann, demonstrieren sie an einem Kinderhelm, der bei einem Unfall gleich an drei Stellen gebrochen ist: Ohne Helm sähe die Sache anders aus: „Da wär’ der Kopf kaputt.“ Die passende Beratung, auch über das richtige Fahrradschloss, gab’s am Nebenstand bei Andreas Hutt, der Fahrrädern auf Nachfrage auch ein paar Tropfen Öl für die Kette spendiert.
Parcours mit Rauschbrille
Und zwei Schritte weiter: der Reaktionstest am Fahrrad- und am Autosimulator der Kreisverkehrswacht. Wie wenig Alkohol und Fahrradfahren zusammenpassen, das war auf dem Parcours mit Rauschbrille und schwankenden Schritten zu erleben. Und die Lokale Agenda hat Bremswege sichtbar gemacht: Bis ein Auto zu Stehen kommt, das mit Tempo 30 unterwegs ist, braucht’s 13,3 Meter, bei Tempo 50 die ganze Marktplatzbreite, also 27,7 Meter. Die Forderung, die sich mit dieser Erkenntnis verbindet, formuliert Grünen-Stadtrat Wilhelm Pesch: „Tempo 30 auf allen Straßen in Schorndorf.“
Jugendfeuerwehr macht Räder sauber
Bleibt noch die Sauberkeit, und für die hat beim Aktionstag ganz klassisch die Jugendfeuerwehr der Abteilung Stadt gesorgt: In einer aus Steckleiterteilen zusammengebauten und mit wasserdichter Folie ausgelegten Wanne wurden Fahrräder abgespritzt, mit Schwämmen gesäubert und trockengerieben. Natürlich wassersparend, versichert stellvertretender Jugendwart Ralf Blumstock: Über eine in der Wanne platzierte Pumpe konnte das Wasser so lange wiederverwendet werden, bis es zum Putzen wirklich zu dreckig war.

