Schorndorf

Ratströpfle gewählt: Zwei gute Tropfen zum Verschenken

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Weinverkostung im Heiligenkeller des Alten Rathauses: Elf gute Weine und zwei Sieger. © Christine Tantschinez

Remshalden. Etwa eineinhalb Stunden lang hat der Remshaldener Gemeinderat geschnüffelt, geschlotzt und gefachsimpelt, dann standen die neuen Ratströpfle fest. Schlecht war keiner, da waren sich alle einig, doch jeder hatte seinen persönlichen Favoriten. Sehr eng war die Entscheidung beim Weißwein, während beim Rotwein ein eindeutiger Gewinner die Gaumen der Räte erfreute.

Video: Die Wahl des neuen Ratströpfle aus Remshalden

Ein trockener 2015er Kerner Spätlese von Jürgen Seybold und ein trockener 2015er „Ballade in Rot“ vom Weingut Doreas sind die neuen Remshaldener Ratströpfle. Jubilare bei Ehrungen oder hohen, runden Geburtstagen oder Gäste der Gemeinde bekommen sie in Zukunft als Präsent. Die Entscheidung fiel am Montagabend bei einer Blindverkostung des Gemeinderats im Heiligenkeller des Alten Rathauses in Grunbach. Manche sagen: Es ist die wichtigste Entscheidung, die der Gemeinderat zu treffen hat. Zumindest ist es wohl eine der schönsten.

Gestärkt mit Wurstsalat, bekamen die Räte erst sechs Weißweine, dann fünf Rote serviert. Alle aus neutralen, nur mit Nummern beklebten Karaffen ausgeteilt, so dass niemand wusste, um welchen Wein, von welchem Weingut es sich handelt. Nicht mal Bürgermeister Stefan Breiter, der als Teil des Gemeinderats mit verkostete, hatte eine Ahnung, wie er betonte: Die Teilnehmer am Wettbewerb ums Ratströpfle seien auch vor ihm gehütet worden, „wie ein Staatsgeheimnis“.

„Meiner Ansicht nach sind sie alle gute Weine“

Es kam ganz auf die Riech- und Schlotz-Organe der Tester an. Ihre Geschmackserlebnisse kommentierten sie kompetent. „Der hat ein unheimliches Bouquet“, attestierte zum Beispiel Sigrid Pressel (FW/FDP) einem Weißen. „Der isch unheimlich fruchtig.“ Während Ursula Zeeb (ALi) bei einem anderen Tropfen knallhart urteilte: „Den dät ich höchstens als Schorle trinka.“ Michael Schondelmaier (SPD) gab sich gegenüber den fünf Weißweinen, die vor ihm standen salomonisch: „Meiner Ansicht nach sind sie alle gute Weine.“

Bei den Weißen ging es denn auch sehr eng zu. Nachdem die Verkoster das erste Mal ihre Kreuzchen auf den Abstimmungszetteln gemacht hatten – jeder hatte eine Stimme –, lagen drei der guten Tropfen gleichauf. Nach dem zweiten Wahlgang lag dann Jürgen Seybolds Kerner Spätlese knapp vorn.

Am Ende ist es sowieso eine Geschmackssache, da waren sich die Gemeinderäte einig. Der eine mag die Süßeren, der andere die Trockeneren. Sie hatten dabei durchaus auch ihre Zielgruppe im Kopf, die in den Genuss der Ratströpfle kommt. „Es ist halt die Frage, was du verschenken willst“, überlegte Tobias Schädel (BWV). Nummer vier, entschied Uli Hasert (BWV), bei den Roten, würde er jedenfalls nicht verschenken: „Das ist ein einfacher Fasswein, wie im Besen.“ Er persönlich trinke ja die Nummer zwei gerne. Aber das müsse nicht bei jedem so sein: Viele ältere Mitbürger würden eher keinen im Holzfass gereiften Cuvée trinken wollen, die hätten lieber etwas traditionell Remstälerisches.

Einigkeit bei der Rotwein-Kür

Beim Rotwein waren sich die Verkoster des Gemeinderats allerdings dann ziemlich einig: Der Sieger vom Weingut Doreas kam mit zwölf Punkten mit weitem Abstand vor den anderen auf den ersten Platz.

Insgesamt zeigte sich bei den Ergebnissen jedoch durchaus eine gewisse Varianz. Während der Doras-Wein bei den Roten klar den Sieg holte, kam der Weiße aus dem Weingut von Dorothee und Andreas Ellwanger abgeschlagen mit null Punkten auf den letzten Platz. Bürgermeister Stefan Breiter zeigte sich am Ende froh darüber, dass zwei unterschiedliche Weingüter zum Zuge kommen. „Und schön, dass beim Weißen mit Jürgen Seybold auch mal ein Kleinerer zum Zug kommt“, fügte Armin Wiesner (SPD) hinzu und zog das Fazit: „Gute Wahl.“

Sieger und Platzierungen:

Bei den Weißweinen waren zwei Wahlgänge nötig, im zweiten gab es diese Platzierungen:

1. Platz und neues Ratströpfle: Jürgen Seybold, 2015er Kerner Spätlese trocken – 7 Stimmen.

2. Platz: Weingärtnergenossenschaft Remshalden-Schorndorf, 2015er Sauvignon Blanc – 6 Stimmen.

3. Platz: Weingut Mayerle, 2015er Riesling trocken – 5 Stimmen.

Dahinter folgten, mit den Punkten aus dem ersten Wahlgang:

4. Platz: Rainer Engelhorn, 2015er Riesling Spätlese trocken – 3 Stimmen.

5. Platz: Weingut Doreas, 2015er Riesling Symphonie sowie Wein- und Fruchtsaftkelterei Knauer, 2014er Grauburgunder trocken – jeweils keine Stimme.

Die Rotweine:

1. Platz: Weingut Doreas, 2015er Ballade in Rot trocken – 12 Stimmen.

2. Platz: Weingut Mayerle, 2015er Spätburgunder – 4 Stimmen.

3. Platz: Weingut Häfner, 2014er Lemberger trocken, und Weingärtner-Genossenschaft Remshalden-Schorndorf, 2014er Spätburgunder trocken – 1 Stimme.

5. Platz: Wein- und Fruchtsaftkelterei Knauer, 2015er Grunbacher Berghalde Trollinger trocken – keine Stimme.