Schorndorf

Rauchen belastet weit mehr als nur die Lunge

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Der Griff zur Zigarette: Für viele eine tägliche Selbstverständlichkeit. © KKH Christian Wyrwa/Presseagentu

Schorndorf. „Pass auf, an wen du dein Herz verlierst“ – das ist das Motto der diesjährigen Kampagne zum Weltnichtrauchertag am Donnerstag, 31. Mai. Dass Rauchen die Lunge belastet, ist allseits bekannt. Viele unterschätzen aber die Auswirkung von Rauchen auf das Herz-Kreislauf-System. Barbara Urbaniak von der Suchtberatung des Kreisdiakonieverbandes informiert über die effektivsten Methoden, mit dem Rauchen aufzuhören.

Rauchen schädigt die Lunge und die Atemwege. Das ist wohl allseits bekannt. Dass Rauchen aber auch eine große Belastung für das Herz ist, ist weniger geläufig und deshalb der Fokus der diesjährigen Kampagne zum Weltnichtrauchertag.

„Das Herz von Rauchern wird dreifach belastet“, erklärt Barbara Urbaniak, die als Suchtberaterin beim Kreisdiakonieverband Rems-Murr angehende Nichtraucher unterstützt. Beim Rauchen entsteht Kohlenmonoxid, das sich in den roten Blutkörperchen dort absetzt, wo bei Nichtrauchern eigentlich der Sauerstoff gebunden wird. Zusätzlich erhöht das Nikotin die Herzfrequenz und den Blutdruck. Auch die Verkalkung von Arterien wird durch das Rauchen begünstigt. „Das Herz muss mit weniger Sauerstoff mehr leisten“, sagt Urbaniak. Keine gute Kombination.

Hohe Suchtgefahr und die Illusion von Kontrolle

Beim Rauchen ist das Suchtpotenzial besonders hoch, erklärt sie weiter. Dadurch, dass Raucher so häufig zur Zigarette griffen, werde das Gehirn immer mehr auf die Handlung konditioniert: „Je öfter das Verhalten belohnt wird, desto mächtiger wird die Gewohnheit.“ Das Gehirn schüttet Belohnungsbotenstoffe aus, wodurch die Sucht weiter gefestigt wird. In den Kursen der Kreisdiakonie überlegen sich angehende Nichtraucher deshalb alternative Methoden, sich zu belohnen. Zum Beispiel morgens zu frühstücken, statt sich nach dem Aufstehen direkt die erste Zigarette zu genehmigen.

„Rauchen ist eine Sucht, bei der Menschen sehr lange der Illusion von Kontrolle unterliegen“, meint Urbaniak. „Dadurch, dass sie es ja meistens schaffen, kurzzeitig aufzuhören, sind sie überzeugt, dass sie die Kontrolle über ihre Sucht haben.“ Genau das Gegenteil sei normalerweise der Fall.

In die Entwöhnungskurse der Kreisdiakonie kommen oft auch Menschen, die seit Jahrzehnten rauchen. Im höheren Alter seien die gesundheitlichen Folgen oft spürbarer, erklärt Urbaniak. In den Kursen wird nach einem Konzept der Universität Tübingen gearbeitet. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Kombination eines Entwöhnungskurses mit der Einnahme von Nikotinersatzpräparaten am effektivsten ist, um mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt sie. Natürlich sei es aber auch eine individuelle Sache. Manche wollen zum Beispiel keine Ersatzpräparate, wie Nikotinpflaster, benutzen und seien dann besonders motiviert, es auch ohne zu schaffen.

Ersatzprodukte: Aufhören ohne Entzugserscheinungen

Damit Zigaretten besser schmecken, enthalten sie viele Zusatzstoffe: Kakao, Vanillin, Zucker – beim ersten Eindruck hören sich manche von ihnen eigentlich ganz appetitlich an. „Aber was passiert, wenn man sie verbrennt und inhaliert, ist noch wenig erforscht“, meint Urbaniak. Der Vorteil der Präparate sei, dass das enthaltene Nikotin die körperlichen Entzugserscheinungen verhindere, aber keine der Zusatzstoffe, die Zigaretten mit sich bringen, beinhalteten.

Die gute Nachricht für Raucher: Schon ab dem ersten Tag ohne Zigarette beginnt der Organismus, sich zu regenerieren. Umgekehrt ist aber auch schon eine Zigarette am Tag schädlich. Es gibt keine unbedenkliche Menge. Raucht jemand eine Zigarette am Tag, ist das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einen Schlaganfall immerhin noch 40 bis 50 Prozent des erhöhten Risikos eines Rauchers von 20 Zigaretten am Tag.

Ohne Motivation geht nichts

Am allerwichtigsten ist beim Aufhören die eigene Motivation, weiß Urbaniak. Nur wer sich selbst entscheide, mit dem Rauchen aufzuhören, könne es auch schaffen. Der Druck von Angehörigen bewirke nur das Gegenteil. „Wenn jemand den Wunsch äußert, aufzuhören, sollte man das natürlich unterstützen“, meint sie. „Und wenn einen der Geruch stört, dann ist das eine legitime Meinung. Man sollte zu den eigenen Reaktionen stehen, aber nicht den Druck von außen erhöhen.“ Stattdessen mache es Sinn, auf Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen, wenn jemand das Interesse äußert, aufzuhören, und positive Entscheidungen zu belohnen – aber nur so viel, dass es authentisch bleibt.

„Vom Sollen zum Wollen“, beschreibt Urbaniak den Prozess, den viele zukünftige Nichtraucher durchlaufen. Einige der Süchtigen hätten Rauchen früher als Symbol von Freiheit und Zugehörigkeit empfunden. Heute seien sie manchmal die Einzigen in einer Gruppe, die noch rauchen, und fühlten sich nicht mehr frei, sondern an die Zigaretten gebunden. Das Umfeld spiele bei der Entscheidung zum Rauchen eine sehr große Rolle. Gesellschaftlich verändere sich aber langsam etwas.

Seit Beginn der 2000er Jahre geht vor allem der Verbrauch von Fertigzigaretten zurück. Besonders bei Jugendlichen gilt Rauchen inzwischen oft als unangebracht. Allerdings gibt es auch Gegenentwicklungen: Die Nachfrage nach Wasserpfeifen-Tabak ist steigend. Wasserpfeifen sind aber schädlicher als normale Zigaretten, unter anderem, weil durch das lange Rauchen mehr Nikotin aufgenommen wird. Der Weltnichtrauchertag wird also sicher auch die nächsten Jahre weiter stattfinden müssen.


Nichtraucher werden

Das Nikotinentwöhnungsprogramm „Rauchfrei werden“ findet in Schorndorf wieder ab Mittwoch, 16. Januar 2019, statt. Die Teilnehmer treffen sich achtmal von 19 bis 20.30 Uhr in den Räumen der Kreisdiakonie in Schorndorf.

Suchtberaterin Barbara Urbaniak bietet aber auch vorher jederzeit Beratungsstunden für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, an. Unter der 07181/48 29 60 können Interessierte einen Termin mit ihr ausmachen.