Rundgang durch den Rudersberger Adventswald
Rudersberg. Nur Gutes ist über den Rudersberger Adventswald zu hören. Standbetreiber sprechen von einem gleichbleibend guten Besucherandrang, manchem kommt es etwas verhaltener vor als im Vorjahr. Der Aufwand für mehr Sicherheit, unter anderem mit Anti-Terror-Steinen und einem Lkw vor dem Eingang, gab den einen ein gutes Gefühl, für andere wäre er nicht nötig gewesen, der Stimmung tat’s keinen Abbruch. Kritik gibt es zum Parkverhalten einzelner Gäste.
„Abends sieht man von hier nicht mehr zu den anderen Ständen rüber“, beschreibt Andrea Mandel, Jugendleiterin der Carnevalsfreunde Württemberg, den Andrang unter Nadelbäumen, wo ein Duft nach Tannen, Holz, Glühwein und Grill in die Nase dringt. Der im Juli gegründete Verein beteiligt sich mit einem Glühweinverkauf erstmals und lobt das Miteinander der Standbetreiber. „Man hilft sich, hat nicht das Konkurrenzdenken“, sagt Klaus-Dieter Mandel. Am Stand erleben sie „durchweg begeisterte Gäste“, denen Angebot und Atmosphäre behagen. „Wo gibt es das schon, einen Wald mitten im Ort?“ Weder Unverschämtheiten, noch Betrunkene hätten die besinnlich-heitere Stimmung gestört.
Sehr gut besuchte Begleitprogramme
Das deckt sich mit den Beobachtungen von Wirtschaftsförderin Dr. Martina Spichal-Mößner: Es habe „mehr Ruhe und Friedlichkeit“ geherrscht beim Adventswald. Sie spricht zudem von „sehr gut besuchten Begleitprogrammen“ im Rathaus für Kinder und bei den Musik- und Kulturprogrammen in der Kirche. Der Andrang habe sich verteilt und entzerrt. Extreme Stoßzeiten wie in den Vorjahren, als der Adventswald phasenweise geschlossen werden musste, seien ausgeblieben. „Gleichbleibend gut, abends voll“, sagt der Feuerwehrangehörige Michael Mink. Die Feuerwehr bedient ein Wochenende im Wald.
Katastrophales zweites Adventswochenende
Außerhalb der beleuchteten hohen Bäume sind auch andere Stimmen zu vernehmen. „Verhaltener“ als in den Vorjahren kommt Familie Wolf aus Lindental die Besucherfrequenz vor. Was aber nicht mit den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen erklärt werden könne, schon eher mit dem Wetter. Insbesondere das zweite Adventswochenende sei „katastrophal“ gewesen, der Schnee kam waagerecht, „wie von einer Schneekanone“, so Günter Wolf. Normalerweise brenne um die Zeit die Luft und man könne „nicht mehr umfallen.“ Wer den Weg unter die Nadelbäume findet und auf weichem Rindenboden die Stände abwandert, sei begeistert von der Atmosphäre. Viel weit gereistes Publikum habe er registriert.
Standbetreiber Rainer Dieroff macht hingegen mehr Besucher aus als im Vorjahr. „Schleppiger als letztes Jahr“ kommt es dem „Team 49“ vor. Die befreundete Gruppe von im Jahr 1949 Geborenen aus Rudersberg bietet außerhalb des Waldes Maultaschen an und in der Garage bei Kaffee und Kuchen auch wettergeschützte Sitzplätze.
Lkw, Anti-Terror-Steine: „Viele sagten, dass es nicht nötig gewesen wäre“
Und das Thema Sicherheit? Auf Elfriede Stolhofer wirken die Vorkehrungen für die Terror-Abwehr angemessen. „Das Sicherheitsgefühl wird gesteigert“, sagt sie.
Aus einigen Kommentaren habe er herausgehört, dass die zwei Anti-Terror-Steine und der „auffällige Lkw“ vor dem Eingang als „leicht überzogen“ empfunden werden, so Günter Wolf zu den zusätzlichen Schutzmaßnahmen. „Viele sagten, dass es nicht nötig gewesen wäre“, gibt Steffen Majer, Erster Vorsitzender des Musikvereins Trachtenkapelle Steinenberg, Reaktionen mancher Gäste wieder. Nach Meinung von Standbetreiber Rainer Dieroff ist der Lkw kein Fehler. „Es bedeutet wenig Aufwand und stört wenig, ihn dort hinzustellen, erschwert aber das Reinfahren in die Ortsmitte zusätzlich.“ Auf die Stimmung hätten weder die Vorkehrungen noch die stärkere Polizeipräsenz geschlagen.
"Es gab nichts Außergewöhnliches"
Befragt zur Stimmung, schaut ein Besucher aus Obertürkheim, seit Jahren Stammgast im Adventswald, verwundert von der Glühweintasse auf: „Den Lkw hab’ ich gar nicht registriert“, meint er. „Etwas Bauchweh“ habe sie gehabt, insbesondere beim Aufstellen des Lkws, gesteht Dr. Martina Spichal-Mößner. Ihr sind aber keine Klagen zu Ohren gekommen, auch nicht darüber, dass die Polizei häufiger durchläuft. Auch von Problemen mit betrunkenen Jugendlichen sei der Wald bis jetzt verschont geblieben. „Es gab nichts Außergewöhnliches“.
„Positiv überrascht“ ist Joachim Stocker, Kommandant der Feuerwehr Rudersberg. Aus Brandschutzsicht sei der Adventswald ruhig und friedlich verlaufen. Zwar sei ihm der Lkw vor dem Adventswald zunächst „optisch komisch“ vorgekommen. Doch der Aufwand für mehr Sicherheit habe sich positiv auf die Besucher übertragen. „Ihr denkt an unsere Sicherheit, das ist gut“, hätten einige gesagt.
Bis auf Ermahnungen an Raucher musste Feuerwehr nicht eingreifen
Das Feuerwehrhaus beherbergt wieder die rund um die Uhr besetzte Einsatzzentrale. Mehr Augenmerk hätten sie auf Gäste mit großen Rucksäcken gelegt. Feuerwehrleute seien manchen Besuchern kurz gefolgt, um nachzuschauen, was sie tun und inwieweit Alkohol im Spiel sei. Die Polizei in Uniform sei nicht einzig zur Terrorabwehr präsent, sondern um Betrunkene fernzuhalten, sagt Stocker. Aus Brandschutzsicht habe man ebenfalls alles im Griff. Im Vorjahr wurden bei einem Stand Servietten angezündet, dieses Jahr seien solche Gefahrenstellen im Vorfeld beseitigt worden. Bis auf ein paar Ermahnungen an Raucher musste die Feuerwehr nicht eingreifen.

