Schorndorf

Süße Bonbons, feine Seifen: In Schorndorf lockt Genuss-Markt viele Besucher in die Stadt

Regionaler Markt in Schorndorf
Schönes und Leckeres aus der Region gab es beim „Natürlich gut“-Markt. © Büttner

Lag’s an den eher bescheidenen Temperaturen, an dem feinen Nieselregen, an der Uhrzeit oder an der Kombination von all dem? Der Auftakt des „Natürlich gut!“-Marktes entwickelte sich am Sonntagvormittag jedenfalls eher beschaulich. Am Nachmittag klarte es dann auf, und viele Besucher schlenderten über den Markt, um inmitten von „Genussvollem und Kreativem aus dem Remstal und der Region“ - so die Ankündigung der Veranstalter - ein kleines Fest der Sinne zu erleben und in aller Ruhe von Stand zu Stand zu spazieren, zu schauen und zu staunen, die vielfältigen Eindrücke auf sich wirken zu lassen und mit den Marktbeschickern ins Gespräch zu kommen.

Ganz begeistert war angesichts der süßen Farbenvielfalt am Verkaufswagen der Gmünder Bonbonmanufaktur „Bonbole“ ein älterer Herr, dessen Großvater Bäcker war und die Zuckerle noch selbst von Hand ausrollte. Zeitlebens werde ihn die Erinnerung an den Geruch des geschmolzenen Zuckers begleiten, wie die Masse mit Erdnüssen oder Fruchtsirup vermischt ausgeleert, dann zu dünnen Stangen ausgerollt und schließlich mundgerecht zerschnitten wurde. Der Geschmack sei ihm bis heute auf der Zunge geblieben, aber wie so manch andere Kindheitserinnerung unwiederbringlich.

Räuberlinsen aus Murrhardt

Während „Bonbole“ auf bisher allen Schorndorfer „Natürlich gut!“-Märkten als Beschicker dabei war, haben Gerhard und Angelika Scholl aus Murrhardt mit ihren Räuberlinsen zum ersten Mal den Weg hierher gefunden. Es handle sich um französische De-Puy-Linsen, erläuterte Gerhard Scholl, die für die Murrhardter Böden und das hiesige Klima ganz hervorragend seien. Sie hätten sich mittlerweile bestens etabliert und Liebhaber bis hinein in die baden-württembergische Landesvertretung in Berlin gefunden. „Räuberlinsen“ deshalb, so Scholl, weil er die Linsen erstmals auf einem Acker neben den Theaterwiesen angebaut hatte. Und da damals gerade Schillers „Räuber“ aufgeführt wurden, habe der Name „Räuberlinsen“ nahegelegen. Überhaupt genoss es Scholl als geborener Entertainer, die Marktbesucher mit Geschichten an seinen Stand zu locken und zu unterhalten. Als „Problemlöser“ hatten er und seine Frau nicht nur Linsen und ihren Honig in den Auslagen, sondern auch ihr Leindotteröl. Nichts harmoniere besser mit den Räuberlinsen, versicherte er, sei es im Salat oder mit Spätzle und Saiten.

Die passenden Nudeln dazu hatten wiederum Achim Pokorny und seine Mutter Waltraud aus Rudersberg-Zumhof. Ungefähr 140 verschiedene Sorten hatten sie aus dem Wieslauftal herbeigeschafft, von den bodenständigen Spätzle bis zu den sepiagefärbten Exoten. Sie seien schon beim letzten Markt dabei gewesen, erzählte Waltraud, dann sei ja die Corona-Pause gekommen. Die habe sehr geschmerzt. Umso glücklicher war sie darüber, dass es diesmal geklappt hat.

Holzmöbel aus dem Hause Bindel aus Neustadt

Der Markt in Schorndorf ist etwas ganz Besonderes. Das findet auch Werner Bindel aus Waiblingen-Neustadt. Mitten in der Altstadt entwickle der Markt eine Atmosphäre, die ihresgleichen suche. Und die natürlich auch auf das Schorndorfer Publikum abfärbe, das außergewöhnlich freundlich sei. Bindel ist schon seit einigen Jahren mit seiner „Kleinen Wagnerei“ mit dabei und präsentiert von ihm entworfene und gefertigte Holzmöbel, größtenteils aus heimischen Hölzern. „Kleine Wagnerei“ deshalb, weil sein Großvater und sein Vater Wagner waren. Bindel ist von Haus aus Physiker, aber weil die Werkstatt, das Werkzeug und die Maschinen noch vorhanden waren und er ja mit dem Geruch des frisch bearbeiteten Holzes in der Nase aufwuchs, habe er das Designen und Herstellen von elegant-rustikalen Holzmöbeln als Hobby entdeckt.

Jochen Kramer aus Lonsee auf der Schwäbischen Alb gehört zu den Ersten, die in Deutschland in die Zucht von Alpakas eingestiegen sind. Auch nach über zwei Jahrzehnten ist seine Begeisterung für die Tiere ungebrochen. Ein wunderbares Wesen hätten sie, harmonierten mit Pferden und seien sogar als Therapietiere einzusetzen. Von der Aufzucht der Alpakas über den Anbau des Futters, die Schur und die Erstellung des Garns bis zum Stricken des Endprodukts bleiben alle Arbeitsschritte in der Region, erklärte er und verwies auf die angebotenen Ponchos, Pullover, Socken, Mützen, Schals und sogar Seifen aus Alpakahaar, die er mitgebracht hatte.

Keine Waren hielten dagegen Claudia Föhl und Fulya Aygün an ihrem Stand feil. Sie vertraten die Schorndorfer Stadtwerke und informierten über Strompreise und Internetverbindungen. Dies seien Themen, berichteten sie, die nicht nur beim „Natürlich gut!“-Markt auf großes Interesse stießen. Schließlich berührten sie so gut wie jeden. Aber alles rund um das Thema Energie gehöre unbedingt dazu, sobald es um Nachhaltigkeit und Regionalität gehe. Als besonderes Schmankerl lockte ein Glücksrad mit einer Familieneintrittskarte in die Forscherfabrik als Hauptgewinn und zahlreichen Giveaways als Trostpreise.

Lag’s an den eher bescheidenen Temperaturen, an dem feinen Nieselregen, an der Uhrzeit oder an der Kombination von all dem? Der Auftakt des „Natürlich gut!“-Marktes entwickelte sich am Sonntagvormittag jedenfalls eher beschaulich. Am Nachmittag klarte es dann auf, und viele Besucher schlenderten über den Markt, um inmitten von „Genussvollem und Kreativem aus dem Remstal und der Region“ - so die Ankündigung der Veranstalter - ein kleines Fest der Sinne zu erleben und in aller Ruhe von Stand

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