Schorndorf

Schüler produzieren digitale Handarbeit

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Paul zeigt seinen Pfannkuchen-Film. Im Hintergrund arbeiten Gérard Boé und Tahsim. © Jamuna Siehler
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Die beiden Jungen wollen einen Stop-Motion-Film drehen. Die Tiere dafür werden aus Knete gefertigt. © Jamuna Siehler

Schorndorf. Mehr als 500 Aufnahmen hat Paul gemacht, um einen rund 30-sekündigen Trickfilm zu produzieren, in dem ein fröhlicher Pfannkuchen in der Pfanne tanzt, irgendwann allerdings schreit und dann schmatzend aufgegessen wird. Paul ist Mitglied der Trickfilm-AG der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen, die seit diesem Schuljahr kurze Videos dreht und sie vertont.

Video: Trickfilm: Der Pfannkuchen

Paul, fünfte Klasse, ist aufgeweckt und erklärt stolz, was er für einen Film gedreht hat. Mit Knete hat er einen bunten Pfannkuchen gestaltet (siehe Video). Der genießt die Wärme in einer Pfanne, lacht und freut sich. Er muss dann allerdings feststellen, dass sich eine Gabel nähert, die keine friedlichen Absichten hegt. Der Pfannkuchen kreischt, die fröhliche Musik ebbt ab und dramatische Klaviertöne unterstreichen das Ende des Pfannkuchens, denn die Gabel verrichtet schmatzend ihr Werk. Paul zeigt den Film ohne und mit Ton. Der Unterschied ist gewaltig. Gedreht hat er den kurzen Trickfilm in der Trickfilm-Box. Kameras, Software und Computer stellt die Trickfilm-AG zur Verfügung, die Gérard Boé, Fachbereichsleiter Kunst, ins Leben gerufen hat.

13 Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis neun machen mit. Gérard Boé, Annette Struck, Projektleiterin bei BBQ, Berufliche Bildung gGmbH vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, sowie Studentin Olga Berroth leiten die Kinder seit diesem Schuljahr an. Sie sollen einen Einblick in die Medienberufe erhalten, selbst Filme machen, Drehbücher schreiben und die Werke vertonen. Ein Besuch beim SAE-Institut, eine private Bildungseinrichtung im Medienbereich, bereitete sie auf ihre AG vor, bei der sie mit Kameras, Mikrofonen und Laptops arbeiten, um mit Knete, Papierfiguren, Kleiderbügeln oder Lego-Figuren Trickfilme zu produzieren und dabei unterschiedliche Techniken anzuwenden.

Berkant erklärt, was er und sein Mitschüler machen wollen. Sie kneten bunte Figuren. Wer sich im Videospiel-Bereich auskennt, erahnt, dass hier Figuren von Mario Kart entstehen. Sie wollen Rennszenen aufnehmen und dabei die Stop-Motion-Technik anwenden. Heißt: Sie stellen mit ihren Knetfiguren eine Szene dar und nehmen mit der Kamera ein oder mehrere Bilder auf. Dann verändern sie die Szenerie minimal, sprich, der Gesichtsausdruck kann verändert werden, die Autos sind ein Stück vorgefahren, die Figuren haben sich bewegt. Das ist unheimlich mühsam, schildert Kunstlehrer Gérard Boé.

Ob mit oder ohne Ton hat enorme Auswirkungen auf die Filme

Eine andere Technik wenden Julia und ihre Freundinnen an. Sie arbeiten mit einem Mutoskop, ein kleiner Apparat zur Vorführung bewegter Bilder. Kleine Zettel werden auf eine Rolle geklebt, die in dem Apparat mit einer Kurbel gedreht werden kann. Über einen Schlitz kann der Betrachter in das Gerät schauen und sieht, wie aus einem roten Punkt eine Blume wird. Julia und Co. wollen nun einen Hund aufkleben, der durch die Gegend rennt. Gérard Boé hat beobachtet, dass die Mädchen lieber mit Papier und Zeichnungen hantieren, die Jungs gerne digital arbeiten. Tahsim zeigt ein Video mit einem Lego-Männchen, das isst, einen Stall für Tiere baut und sich auch einmal auf die Klappe legt. Auch hier sind die Aufnahmen mit Geräuschen unterlegt. Ein fulminanter Unterschied zum tonlosen Trickfilm, viel emotionaler.

Mit der passenden Software, Zu3D, bearbeiten sie die Videos am Computer. Paul, der den Pfannkuchen verschwinden lässt, zeigt, welche Musik er ausgesucht und wie er unterschiedliche Tonspuren verwendet hat. Das habe locker noch einmal zwei Schulstunden gedauert, sagt er. Wohlgemerkt: Das eigentliche Video dauert 20 Sekunden. „Das macht mir Spaß“, sagt er. „Ich kann viel ausprobieren.“

Die drei AG-Leiter beobachten, dass die Schüler sehr aktiv sind. Die AG trifft sich in der Schule oder in der Manufaktur. Die Arbeit mit Kamera und Software sei „unglaublich zeitaufwendig“, sagt Annette Struck. Im nächsten Jahr soll die AG erneut angeboten werden. Die Schüler erhalten ein Zertifikat, auf dem steht, was sie alles gelernt haben: 3D-Animation, Mediendesign, Vertonen und so weiter. Das können sie später stolz präsentieren. Nächste Woche werden die Filme im Kino in der Manufaktur vorgeführt. „Wir wollen würdigen, was hier gemacht wurde“, so Gérard Boé.

Personen schweben

Lehrer Gérard Boé zeigt, was andere Gruppen gedreht haben, unter anderem ein Kleiderbügel-Video, ebenfalls in Stop-Motion-Technik. Pixilation-Formate sind auch dabei. Dabei werden Menschen gefilmt, wie sie an einer bestimmten Position stehen. Eine Aufnahme wird gemacht. Dann stellt sich die Person ein paar Zentimeter weiter vorne auf und es wird erneut gedreht. Werden die vielen Aufnahmen aneinandergefügt, scheint es, als ob der Schüler durch den Raum schwebt.