Schorndorf

Schaufenster beschossen: War es ein Anschlag?

Schaufenster Schuss_0
Die beschädigte Schaufensterscheibe. © Ramona Adolf

Schorndorf.
Da es sich bei dem Lebensmittelgeschäft, auf dessen Schaufenster in der Nacht auf vergangenen Donnerstag geschossen wurde, um das „Beit Shalom“ handelt, liegt der Gedanken an einen Anschlag nahe – womöglich mit fremdenfeindlich-antisemitischem Hintergrund. Immerhin verkauft Franz Laslo in seinem Geschäft an der Gottlieb-Daimler-Straße israelische und orientalische Waren – und versucht damit, den Nahost-Konflikt auf seine Weise aufzulösen. Mit Haus des Friedens, wie „Beit Shalom“ übersetzt heißt, möchte Laslo eine Verbindung schaffen zwischen der arabischen und der israelischen Welt. Darum hat er den Namen seines Geschäfts aus Beit, dem arabischen Wort für Haus, und Shalom, hebräisch für Frieden, zusammengesetzt.

Israelische und orientalische Waren

Seit zwölf Jahren handelt der Diplom-Theologe, der jahrelang in der nordisraelischen Küstenstadt Akko in einer christlichen Buchhandlung arbeitete, die direkt unter einer Moschee lag, mit israelischen und orientalischen Waren. Er verkauft Sabbat-Leuchter und Pessach-Teller ebenso wie israelische und syrische Oliven in Dosen, Säfte, Süßigkeiten, Knabbereien. Anfeindungen hat er in Schorndorf in all den Jahren nicht erlebt. Nicht von rechter und auch nicht von irgendeiner anderen Seite. „Ich hätte“, sagt Laslo, „aber auch keine Berührungsängste, mich damit verbal auseinanderzusetzen.“ Und obwohl er nicht spekulieren will und die Ermittlungen der Kriminalpolizei noch nicht abgeschlossen sind, an einen rechtsradikalen Anschlag glaubt der Geschäftsinhaber nicht. Er vermutet eher, dass es sich um Täter von außerhalb handelt. Doch grundsätzlich sieht er die Sache gelassen und will die Schüsse auf sein Schaufenster auch nicht aufbauschen.

Ladeninhaber bleibt auf Schaden sitzen

Auch die Polizei hat zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf, dass die Tat politisch motiviert war: Es wurde kein Bekennerschreiben oder eine sonstige Nachricht gefunden, in der Vergangenheit gab es keinerlei Anfeindungen gegen den Geschäftsinhaber. Und da sich auch auf einen Zeugenaufruf niemand gemeldet hat, die Nachbarschaft, die von der Polizei befragt wurde, in der Tatnacht offenbar auch nichts gesehen hat, ermittelt die Polizei jetzt in Richtung Sachbeschädigung, womöglich noch gegen einen Waffengesetzverstoß. Immerhin hat das stark verformte Geschoss, bei dem es sich nach Laslos Vermutung um kein normales Projektil, sondern vielleicht um ein sogenanntes IED (Improvised Explosive Device) handelt, das vierfach verglaste Schaufenster durchschlagen. Ein Schaden, auf dem der Ladeninhaber ohne entsprechenden Versicherungsschutz sitzenbleiben wird.