Schorndorf

Schließung von Kinos - Traumpalast-Besitzer Heinz Lochmann sieht schwarz: „Corona ist ein schlechter Science-Fiction-Film“

Traumpalast Kino Schorndorf
Ein letztes Mal in den Traumpalast vor dem Lockdown: Am Freitag und am Wochenende hieß es noch mal „Filme auf der großen Leinwand gucken“, bevor ab Montag alle Kinos dichtmachen müssen – bis voraussichtlich Ende November. © Benjamin Büttner

Die Corona-Krise macht den Filmtheatern schwer zu schaffen. Mitte März in Deutschland: Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten die Kinos in Deutschland schließen, teilweise für viele Wochen. Dann Freude im Sommer über den Neustart unter Corona-Bedingungen. Und nun? – Jetzt ist wieder alles vorbei. Die Kinobetreiber müssen ihre Türen wieder dichtmachen.

Kino-Mogul Heinz Lochmann musste im März von einem Tag auf den anderen seine elf Häuser quer durch die Republik schließen und hat ab Montag wieder die Auflage, keine Filme mehr zeigen zu dürfen. Hat ihn am Anfang die Krise noch nicht gänzlich aus der Ruhe gebracht, ist er jetzt nicht nur besorgt, sondern auch entrüstet.

Lochmann ist ein alter Hase im Filmgeschäft. Er betreibt fast ein Dutzend Filmtheater. Der gelernte Bäckermeister ist mit seinen Traumpalästen in Schorndorf, Nürtingen, Esslingen, Waiblingen, Backnang, Schwäbisch Gmünd, Biberach und Leonberg sowie den Löwen-Lichtspielen in Rudersberg präsent, und er hat auch im Berliner Kant-Kino, im Astor Grand Cinema in Hannover und im Hamburger Passage-Kino das Sagen. Glücklich war er, Ende August wieder öffnen zu können – mit einem ausgefeilten Hygienekonzept, mit Regeln und mit dem Motto „Sorgenfrei ins Kino“.

Eigentlich sollte man meinen, dass der 60-Jährige als Kinobetreiber schon so ziemlich alles erlebt hat. Doch der zweite Lockdown stellt ihn und sein Team vor weitere, schwerere Herausforderungen – wie so viele andere Kinobetreiber, Kulturschaffende und Gastronomen. Verstehen kann er die Marschroute der Regierung nicht: „Corona ist ein schlechter Science-Fiction-Film.“ Was den 60-Jährigen am meisten stört: „Es trifft wieder die kleinen Unschuldigen.“ Gastronomen, Hoteliers, Künstler – diese Branchen nennt Lochmann unter anderem und sieht die Probleme: „Alle, die jetzt ein Hygienekonzept aufgebaut hatten, sich auf den Herbst und Winter eingestellt haben, sind sicher keine Übertragungsherde.“ Was jetzt passieren wird, bringt Heinz Lochmann auf den Punkt: „Wir nehmen den Menschen wieder ein Stück Freiraum mehr. Sprich – sie machen ihren eigenen Raum kleiner und kommen im Privaten zusammen. Und damit sinken die Corona-Zahlen vermutlich sicher nicht.“

Was seine Filmtheater angeht: Das Hygienekonzept stand, die Gäste hielten sich daran, Abstände vor dem Ticketschalter und der Snacktheke einzuhalten. Hauptsächlich wurden die Tickets online reserviert, um die Barzahlung zu vermeiden: „Mehr als 90 Prozent der Karten wurden online gebucht.“ Masken wurden getragen, bis man seinen Sitz im Kinosaal erreicht hatte. Kontaktdaten wurden erfasst, die Desinfektionsmittel in Anspruch genommen. „Es gab nicht einen Corona-Fall bei uns. Und wenn – wir hätten die Kontaktkette ohne Probleme zurückverfolgen können“, betont Lochmann. Die Filme starteten jeweils um mindestens eine Viertel- oder halbe Stunde versetzt, damit sich nie zu viele gleichzeitig im Foyer und auf den Zu- und Abgängen zu und von den einzelnen Kinosälen aufhalten und begegnen. Mehr kann ein umsichtiger Kinobetreiber eigentlich nicht in die Wege leiten.

Laut einer Studie der TU Berlin für den Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino kann das Infektionsrisiko in den Sälen als relativ gering eingeschätzt werden. Aerosole im Kino sind demnach deutlich geringer als beispielsweise im Umfeld eines Büroarbeitsplatzes. Gründe dafür sind die starken Lüftungssysteme und die Tatsache, dass Menschen im Kino so gut wie nicht reden. „Und“, wirft Lochmann ein, „das Kino ist nur zu 20 Prozent ausgelastet und besetzt.“ Dass Politiker Entscheidungen treffen müssen, sei vielleicht noch verständlich, „drüber nachdenken, ja, aber ob das alles durchdacht ist?!“ Umso mehr der 60-Jährige über die Sachlage spricht, umso mehr steigt auch der Blutdruck.

Kinochef Lochmann sieht für den Dezember schwarz

„Greenland“, „Hexen hexen“, „Es ist zu deinem Besten“, „Yakari“, „Jim Knopf und die wilde 13“, „Zombie“, „Drachenreiter“ – dies sind nur einige der Filme, die am letzten Wochenende vor dem Teil-Lockdown noch mal auf die Leinwand geworfen wurden – zur Freude vieler Kinofans, die vor allem den verregneten Sonntag für diese „Abschlussvorstellungen“ nutzten.

Lochmann hatte schon im August mit Sorge auf den Sommer geschaut und einen zweiten Lockdown befürchtet, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Sommer und ein schöner Spätsommer seien nicht die attraktivste Kinozeit. Die sei eigentlich im Herbst/Winter. „Ich gebe zu, dass ich im August dachte, wir hätten einigermaßen diese neue Normalität“, sagt Lochmann. Nun ist auch das Herbstgeschäft geplatzt.

Ob es realistisch ist, mit einem Wiedereröffnungstermin in gut vier Wochen rechnen zu können? Heinz Lochmann – als bundesweit agierender Kinobetreiber – muss seine Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken und sieht „für Dezember schwarz“. Sein Gespür täusche ihn selten. „Die Politiker wollen sich in zwei Wochen noch mal treffen. Entweder gibt es dann noch strengere Maßnahmen oder wir machen wieder auf und haben dann im Januar den nächsten Schock-Lockdown. Das ist alles kein Witz mehr.“ Überbrückungsgeld? – Habe er noch keines gesehen. „Noch keinen Cent.“ Kopfschütteln. Alles mache ihn mittlerweile sprachlos. Was er die kommenden Tage bewältigen muss? „Normalerweise mache ich montags für den Kinostart donnerstags die Planung, das fällt nun weg. Ich werde meine Filmabrechnungen machen und mich um meine zwei Baustellen kümmern. Das muss ja weitergehen.“

Die Corona-Krise macht den Filmtheatern schwer zu schaffen. Mitte März in Deutschland: Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten die Kinos in Deutschland schließen, teilweise für viele Wochen. Dann Freude im Sommer über den Neustart unter Corona-Bedingungen. Und nun? – Jetzt ist wieder alles vorbei. Die Kinobetreiber müssen ihre Türen wieder dichtmachen.

Kino-Mogul Heinz Lochmann musste im März von einem Tag auf den anderen seine elf Häuser quer durch die Republik schließen und hat ab

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