Schorndorf

Schon das dritte zu Tode gehetzte Reh in diesem Jahr: Jäger hat Hundehalter im Visier

Hegeringleiter Werner Groß
In einem Zaun wie diesen hat sich das gehetzte Reh verfangen, das Hegeringleiter Werner Groß von seinem Leid erlösen musste. © ALEXANDRA PALMIZI

Drei zu Tode gehetzte Rehe zwischen dem Schützenhaus Winterbach und dem Spittlerstift allein in diesem Jahr – Hegeringleiter Werner Groß ist entsetzt und will nicht mehr länger tatenlos zuschauen. Am Sonntagvormittag haben ihn Spaziergänger informiert, dass sich unterhalb des Schützenhauses ein verletztes Reh in den Drahtmaschen eines Zaunes verfangen hat. Als Groß das Tier von seinem Leid erlösen musste, stellte er fest: Die Rehgeiß hätte im Frühsommer zwei Kitze geboren. Jetzt wendet er sich ganz gezielt mit einem Appell an Hundebesitzer und bittet sie, sich selbst nicht zu überschätzen, aber auch den Jagdtrieb ihrer Tiere nicht zu unterschätzen – und ihre Hunde an die Leine zu nehmen.

Am 6. Januar wurde Groß zu einem zu Tode gehetzten Reh bei der ehemaligen Stadtgärtnerei oberhalb der Johannesstraße gerufen, am 18. Januar zu einem toten Tier beim Schützenhaus Weiler. Und Groß hat keinen Zweifel, dass freilaufende Hunde das Problem sind – „schuld sind die Hunde nicht“. Die Verantwortung tragen die Hundebesitzer: Denn selbst wenn sie auf dem Grüß-Gott-Weg und den umliegenden Wirtschaftswegen unterwegs sind, müssten sie damit rechnen, dass ihre Tiere am Waldrand, in Büschen, vor allem aber auf Feldern Wild aufscheuchen. Groß will nicht anklagen, es geht ihm darum, zu sensibilisieren: „Die Leute glauben gar nicht, wo überall Rehe sind.“

In Corona-Zeiten deutlich mehr Hundehalter

Dazu komme, dass die Zahl der Hundehalter in Corona-Zeiten nach Groß’ Beobachtung „exorbitant zugenommen“ hat: Die Züchter sind leergekauft, die Tierheime können kaum noch Hunde vermitteln. Außerdem seien die Leute daheim und viel häufiger auf Spaziergängen in der näheren Umgebung unterwegs. Und da im Lockdown die Hundeschulen und -plätze geschlossen sind, ist’s naheliegend, dass der Anteil der schlecht oder gar nicht erzogenen Hunde höher ist als in Vor-Corona-Zeiten.

Dem Hegeringleiter geht es nicht darum – diese Botschaft ist Werner Groß besonders wichtig –, dass er die toten Tiere deshalb bedauert, weil er sie nicht mehr jagen kann. „Unsere Aufgabe ist auch die Hege. Wir wollen doch auch in Zukunft heimische Tierarten haben.“ Seinen Jagdhund lasse er nie frei laufen. Hunde, sagt Groß, stammen nun mal vom Wolf ab – und „ein Reh versteht nicht, dass der Hund nur spielen will“.

Und ein geteiltes Tierrecht gibt es für Groß sowieso nicht. Wildtiere, das will er damit ausdrücken, „haben den gleichen Schutz verdient wie unsere Haustiere“. Und dass, wie im August vergangenen Jahres, Spaziergänger einen Hund von einem toten Reh wegzerren mussten, das in einem Bach bei der Weilermer Teufelswiese lag, das geht für ihn überhaupt nicht.

Hunde im Rudel: Noch gefährlicher

Wie unbedacht manche Hundebesitzer sind, das hat sich just beim Vor-Ort-Termin gezeigt, einen Steinwurf entfernt von der Stelle, an der Groß erst am Sonntag das Reh von seinem Leid erlösen musste: Drei Spaziergängerinnen lassen ihre nicht eben kleinen Hunde auf dem Wirtschaftsweg frei neben sich herlaufen. Dass eines der Tiere im Buschwerk des Baches verschwindet und womöglich ein Reh oder einen Hasen aufschreckt, kümmert die Hundehalterinnen nicht. „Spreche ich sie an“, kommentiert Groß eine für ihn typische Situation, „dann bin ich der Böse.“ Dabei müsste Hundehaltern doch klar sein: Mehrere Tiere, die sich im Rudel gegenseitig anstacheln, sind immer gefährlicher.

Drei zu Tode gehetzte Rehe zwischen dem Schützenhaus Winterbach und dem Spittlerstift allein in diesem Jahr – Hegeringleiter Werner Groß ist entsetzt und will nicht mehr länger tatenlos zuschauen. Am Sonntagvormittag haben ihn Spaziergänger informiert, dass sich unterhalb des Schützenhauses ein verletztes Reh in den Drahtmaschen eines Zaunes verfangen hat. Als Groß das Tier von seinem Leid erlösen musste, stellte er fest: Die Rehgeiß hätte im Frühsommer zwei Kitze geboren. Jetzt wendet er

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