Schorndorf: Familie mit schwerbehindertem Kind wünscht sich Hilfe für ein Auto
Schorndorf. Malkischua: Einen Namen aus dem Alten Testament haben Abraham Bahhi und seine Frau Elizabeth Ghazrian für ihren Sohn gewählt. Beide gehörten zu einer christlichen Minderheit, damals in Syrien. Der kleine Junge sitzt eng an den Vater gelehnt. Immer wieder überstreckt er den Körper. Dann bringt der 46-Jährige den Sohn behutsam in eine aufrechte Körperhaltung. Malkischua hat kein leichtes Kinderleben. Er ist fünfeinhalb Jahre alt. Vieles, was für Gleichaltrige selbstverständlich ist, kann er nicht. Nicht allein sitzen, greifen, aufstehen, sich drehen. Nachts muss ihn sein Vater mindestens zweimal umdrehen, damit er keine Druckstellen vom Liegen bekommt. Zudem überstreckt er seine Muskeln im gesamten Körper und versteift sich häufig. Was er isst, muss püriert, Flüssigkeiten müssen angedickt werden. Malkischua leidet überdies unter Entwicklungsstörungen und Epilepsie, häufiger musste er bereits längere Zeit in Kliniken behandelt werden.
Schon in der Schwangerschaft kam es zu Problemen, erinnert sich seine Mutter. Ursprünglich erwartete sie Zwillinge, eines der Kinder verstarb bereits vor der Geburt. Anfang des neunten Monats wurden Probleme mit dem Kopf des verbliebenen Babys festgestellt. Malkischua kam Ende Juli 2020 nach einer langen, schwierigen Geburt zur Welt - mit einer toxischen Hirnschädigung. Das ist seine Hauptkrankheit.
Mit vielen Hilfsmitteln für Malkischua unterwegs
Seitdem pflegen die Eltern ihr schwerbehindertes Kind. Elizabeth Ghazrian geht ihrem Beruf als Kosmetikerin nicht nach, um sich ganztags um Malkischua zu kümmern. Wollen die Eltern mit ihrem Kind das Haus verlassen, bedeutet das einigen Aufwand. Malkischua hat viele Hilfsmittel wie etwa eine Aufstehhilfe, einen Rehabuggy, eine Sitzschale sowie Orthesen für Körper und Füße. „Wenn wir einen Termin haben, ist es sehr schwierig“, sagt die 46-Jährige. Durch die Einschränkungen sind Mutter und Kind meist zu Hause, wenn Abraham Bahhi arbeitet. Und steht ein Termin für Malkischua beim Zahnarzt in Waiblingen an, muss der Vater einen Tag freinehmen.
Er wünscht sich für seine kleine Familie sehnlich ein Auto. Abraham Bahhi hat den Führerschein gemacht, im November hat er die Prüfung bestanden. Er würde mit Malkischua und seiner Frau gern mehr rauskommen und mobiler sein. Sie wünschen sich etwa, Freunde zu besuchen, ebenso wie Verwandte, die in Deutschland leben. Auch das Hospiz in Backnang schicke Einladungen für Aktivitäten. Dadurch, dass sie kein Auto haben, könnten sie sie aber nicht annehmen, so Elizabeth Ghazrian. „Wir bräuchten ein etwas größeres Auto“, weiß der Familienvater bereits. Wegen der Hilfsmittel für Malkischua, und auch, weil er in der Perspektive einen Rollstuhl bekommen werde.
Geld für die Eltern in Syrien
Die Familie erhält Unterstützung. Malkischua hat Pflegegrad fünf, den höchsten, den es gibt. Eine Physiotherapeutin kommt zu ihm nach Hause, ebenso eine Logopädin. Die Familie steht in Kontakt mit der Eingliederungshilfe. Dort hat sich Abraham Bahhi um Unterstützung für ein Auto bemüht, aber eine Ablehnung in Aussicht gestellt bekommen. Er hat eine Stellungnahme dazu geschrieben. Dazu steht die Antwort des Amts noch aus, der Bescheid ist noch nicht endgültig. Es kommt jedoch nur in besonderen Ausnahmefällen vor, dass ein Fahrzeug für Betroffene komplett vom Landratsamt finanziert wird. Im vorliegenden Fall gilt dies als sehr unwahrscheinlich. Auch im Internet bemüht sich Abraham Bahhi auf einer Crowdfunding-Plattform (www.spendenseite.de/vw-caddy/-104686) um Spenden.
Der Familienvater verdient Geld. Er arbeitet als examinierter Altenpfleger im Spittler-Stift in Schorndorf. Er absolviert derzeit eine Weiterbildung zum Pflegedienstleiter. „Ich will nicht betteln“, darauf legt er großen Wert. Er könnte ein Auto vielleicht finanzieren, aber langsam, weil er noch Geld zu seinen Eltern nach Syrien schickt. Die nehmen viele Medikamente, erzählt er. Abraham Bahhi hofft auf Unterstützung der Behörde für ein Auto, doch er weiß bereits: „Es wird nicht reichen.“
Einst Mönch in Kloster in Damaskus
In Syrien, wo seine Eltern leben, wohnte er einst in der Nachbarschaft seiner späteren Frau. Nach dem Abitur entschied sich Abraham Bahhi, Mönch in einem Kloster in Damaskus zu werden. Viele Jahre nach ihrer anfänglichen Bekanntschaft meldete sich seine Elizabeth mit einer Freundschaftsanfrage per Facebook zurück. Eine Liebesgeschichte nahm ihren Lauf. Abraham Bahhi trat schließlich aus dem Kloster aus und verließ seinen Orden, um eine Familie zu gründen. Im März 2014 kam er nach Deutschland, zunächst allein, und begann in der Wiesenstraße in Schorndorf ganz von vorn. „Ich wollte so schnell wie möglich arbeiten.“ Er schaffte in einer Druckerei in Remshalden und wurde auf einer Messe in Schorndorf auf die Möglichkeit einer Ausbildung im Spittler-Stift aufmerksam. Er ergriff die Chance. Es gelang ihm, seine Elizabeth zu heiraten, sie nach Deutschland zu holen und sich hier ein Leben aufzubauen. Sie haben eine Wohnung in Schorndorf gefunden, in der das Kreuz an der Wand und viele Heiligenbilder vom Glauben des Paars künden.
Abraham Bahhi erzählt ruhig aus seinem Leben. Oft lächelt er, während Malkischua auf den Schoß seiner Frau gewechselt ist. Das zierliche Kind spricht nicht, doch es macht Geräusche, wenn seine Mutter mit ihm schäkert und spielt. Elizabeth Ghazrian erzählt von einem Wunsch, der mit Geld gar nichts zu tun hat. Sie wünscht sich, „dass er irgendwann Mama sagt“ und Malkischua ein bisschen selbstständig laufen kann.
Wer helfen kann, kann sich melden
Wer der kleinen Familie helfen möchte, kann Abraham Bahhi unter der Telefonnummer 0 17 2/ 57 65 41 1 erreichen sowie per E-Mail: fatherabraham79@hotmail.com




